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Sekt für ganz normale Tage

18.10.2012 | 16:49 |  von Gerhard Hofer (Die Presse - Schaufenster)

Auch der Brut Reserve des Steirers Hannes Harkamp wird fast nur zu besonderen Anlässen als Aperitif getrunken. Dabei ist guter Sekt ein toller Speisenbegleiter.

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Seinen ersten Sekt hat Hannes Harkamp vor 18 Jahren gemacht. „Das war zu unserer Hochzeit“, erzählt seine Frau Petra. „Ein paar Flaschen liegen noch im Keller.“ Die Geschichte ist nett, zeigt allerdings auch, dass Winzer genauso der Meinung sind, dass Schaumwein etwas für ganz besondere Anlässe ist. Nichts für „normale Tage“. Schade eigentlich.

Schade auch deshalb, weil Österreich auf diesem Gebiet außerordentlich viel zu bieten hat. Den besten Beweis dafür liefert der Südsteirer Harkamp selbst. Sein Brut Reserve ist eine große Bereicherung für die österreichische Weinlandschaft. Das kann man jetzt schon ohne weiteres behaupten, obwohl Harkamp erst seit zwei Jahren Sekt produziert. „Der Hochzeitswein war ja nur eine spezielle Aktion. Das waren 200 Flaschen“, erinnert er sich. Später hatte er zwar auch Sekt im Angebot, aber diesen ließ er von einer Sektmanufaktur produzieren. So machen es 90 Prozent der heimischen Weinbauern. Sie liefern den Grundwein und ein „Versekter“ sorgt dann fürs Sprudeln. Entweder auf die plumpe Methode. Sprich: mit Kohlensäure versetzen. Oder mit der altbewährten Flaschengärung.

Ein Tüftler. Lange Jahre hat sich Harkamp ganz auf seine Weine konzentriert. „Ich bin ein Tüftler“, erzählt er. Er müsste es gar nicht betonten. Wenn man sich mit ihm ein paar Minuten über Wein unterhalten hat, merkt man das ohnehin. Irgendwann hat sein Qualitätsextremismus auch nicht mehr vor dem Sekt Halt gemacht. „Ich wollte nichts mehr aus der Hand geben“, sagt er. Und heute liegen 100.000 Flaschen Sekt in seinem Keller und reifen auf der Hefe vor sich hin. „20.000 Flaschen sind von uns“, ergänzt er. Will heißen: Harkamp hat sich binnen kürzester Zeit selbst als „Versekter“ in der Branche einen Namen gemacht. So manch renommiertes steirisches Weingut schwört auf Harkamps Schaumschlägerei.

Nein, mit Schaumschlägerei hat das, was hier am Flamberg im nördlichsten Zipfel der Südsteiermark heranreift, nichts zu tun. Pinot Noir, Weißburgunder und Chardonnay bilden zu gleichen Teilen den Grundwein für den Brut Reserve. Drei Jahre liegt der Wein schließlich auf der Hefe, bevor er degogiert wird. Diese lange Reifezeit verleiht dem Sekt seine elegante Cremigkeit, keine unaufdringliche Raffinesse. So präsentiert sich ein gutes Glas Champagner. Und dieses Glas passt nicht nur als Aperitif. Champagner oder guter Winzersekt sollte endlich auch in diesem Land als Speisenbegleiter akzeptiert und gewürdigt werden. Zu Fisch oder Huhn sowieso. Aber warum nicht auch zu Käse? Es funktioniert, wenn man nicht gerade unter Histaminallergie leidet.

Unterschiede.
Schon mehrmals waren Petra und Hannes Harkamp in der Champagne. „Wir besuchen dort vor allem auch kleinere Betriebe und tauschen uns aus“, erzählt er. Denn eines scheint auch den Harkamps klar zu sein: Die Champagne ist und bleibt das Maß aller Dinge. Nach jeder Reise kommt er nicht nur mit vielen Flaschen, sondern auch mit vielen Tipps und Ideen zurück. „Es macht eben einen Unterschied, ob der Grundwein in großen oder kleinen Eichenfässern lagert“, sagt Harkamp.
Im Grunde muss man die österreichischen Sektproduzenten in zwei Gruppen aufteilen. Zwei „Schulen“ wäre wohl etwas zu hochgestochen. Denn die rot-weiß-rote Sekttradition bestand bis vor wenigen Jahren de facto aus zwei großen Namen: Kattus und Schlumberger. Winzern war es bis Ende der 1970er-Jahre sogar verboten, Sekt zu produzieren. Das war nur dem Weinhandel gestattet.

Winzersekt steckt also in den Kinderschuhen. Es sind zwei verschiedene Schuhe. In dem einen stecken jene, die sich stark an der Champagne orientieren und auf die traditionellen Burgundersorten setzen. Dazu gehören etwa die Weingüter Willi Bründlmayer, Schloss Gobelsburg oder Malat. Andere wiederum setzen auf Reinsortigkeit. Karl Steininger aus Langenlois ist das Paradebeispiel dafür. Er setzt auf Frucht, Lebendigkeit und Exotik. Vor allem Sekt aus den sehr duftigen Sorten Sauvignon Blanc, Traminer und Muskateller erfreuen sich gerade bei jüngerem Publikum immer größerer Beliebtheit.
Und Hannes Harkamp? Er schlüpft geschickt in beide Schuhe. Denn neben seinem frankophilen Brut Reserve hat er auch Rosé Brut und Gelber Muskateller Brut auf Lager.
Apropos Lager: Noch ist es eine Baustelle, aber im Dezember soll der Sekt aus dem Hause Harkamp ein wunderschönes Zuhause bekommen: die Villa Hollerbrand in Leibnitz. Dort vinifiziert Harkamp schon seit vielen Jahren seine Weine. Nun soll die 1897 erbaute Villa nicht nur Arbeitsplatz, sondern wieder Ort der Begegnung sein. Nicht nur zu besonderen Anlässen, sondern auch an ganz normalen Tagen.

TIPP
Tag des Sekts. Am 22. Oktober laden heimische Produzenten zum Tag des Österreichischen Sekts. Veranstaltungen unter www.tagdesoesterreichischensekts.at

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1 Kommentare
Gast: Vom Fach
20.10.2012 06:03
0 0

Fachlich unbeleckt,

aber produktiv, so macht man das heute. Wenigstens schreibt Herr Hofer ganz lesbar. Aber das grenzt schon an Rufmord:"Sie liefern den Grundwein und ein „Versekter“ sorgt dann fürs Sprudeln. Entweder auf die plumpe Methode. Sprich: mit Kohlensäure versetzen. Oder mit der altbewährten Flaschengärung." Bitte wie? Plump mit Kohlensäure? Mann Gottes, das darf doch nicht Sekt heißen! Außerdem zeigen diese Zeilen, dass Recherche ein Fremdwort für Herrn Hofer ist. Ein Liebedienern für die Familie Harkamp? Sehr seriöse und nette Leute im Übrigen. Sie kennen sich im Metier aus, im Gegensatz zum Autor. Schon einmal etwas von Tankversektung (méthode charmat) gehört? Suchmaschine anwerfen, dann Info Österreich einholen und im besten Fall mit Herrn Inführ sprechen. Vielleicht können wir ja dann auch einmal einen Artikel über leistbare Qualität für den Alltag (täglich 12-20€ nur für Sekt?) lesen, nicht nur flott geschrieben, sondern auch richtig.