Ich habe vor einigen Wochen meine letzte Flasche „St. Laurent Reserve 2001“ von Philipp Grassl aus dem Keller geholt und bin froh darüber. Denn besser wäre der Wein nicht mehr geworden. Philipp Grassl hat mir übrigens völlig zugestimmt. „Zehn Jahre, das ist weinmäßig eine halbe Ewigkeit“, sagte er. Zumindest für Österreichs Weinbau. Im Bordeaux, Burgund oder PIemont nicht. „In Carnuntum erst recht“, gibt Grassl unumwunden zu. Damals wurden Rotweine mit viel Barrique und wenig Säure produziert.
Die tranken sich jung durchaus rund, doch das „hohe Reifepotenzial“, das man den Weinen zugesprochen hatte, stellte sich selten ein. Grassls alter St. Laurent ist ohnehin eine erfreuliche Ausnahme. „Am Ende siegen die Reben über den Stil“, weiß der Winzer aus Göttlesbrunn. Und die waren auch damals schon 40 Jahre alt. Ein Schluck von der St. Laurent Reserve 2009, und man versteht, was Grassl unter „halber Ewigkeit“ meint. „Wir machen den St. Laurent heute viel burgundischer“, sagt er. Heißt: weniger Holz, mehr Säure und Frucht. Die Ecken und Kanten werden nicht mehr „abgehobelt“ wie vor zehn Jahren, sondern geben dem Wein Charakter. Der Wein ist großartig. Und der 2009er wird auch in zehn Jahren noch immer großartig sein. Denn mittlerweile dauern auch hierzulande die halben Ewigkeiten immer länger.
Im Keller: Eine kurze, halbe Ewigkeit
19.01.2012 | 15:25 | von Rainer Nowak (Die Presse - Schaufenster)
Der St. Laurent Reserve 2009: Weniger Holz, mehr Säure und Frucht.
TIPP
Philipp Grassl, weingut-grassl.com, St. Laurent Reserve 2009, 24,50 € im Weinshop Wagner
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