„Wo steht das älteste Weingut Österreichs?“, wurde ich gefragt. „Stift Klosterneuburg“, antwortete ich wie ein eifriger Vorzugschüler. Die Chorherren kelterten erstmals 1114 Wein. Die Antwort wäre überall sonst akzeptiert worden, doch ich befand mich in der Thermenregion. Dort wird das Stift Heiligenkreuz als Nummer eins postuliert. Zwar kamen die Zisterzienser erst 1141 auf den Geschmack. Dafür produzieren sie seither Wein ohne Unterbrechung, während die Klosterneuburger den Weinbau zwischenzeitlich immer wieder sein ließen. Egal, das sollen sich die ehrwürdigen Patres unter sich ausmachen, sagte ich mir und meinte diplomatisch: „Wein machen können sie alle beide.“ In der Thermenregion sorgt das Freigut Thallern unter der Ägide von Willi Balanjuk für Ausrufezeichen.
Balanjuk geht es nicht nur darum, gute Weine zu machen. Seine Vision ist ein österreichisches Clos de Vougeot. Das Schloss, das als Zentrum der burgundischen Weinkultur gilt, geht aus einer Abtei hervor, in der der Zisterzienserorden seinen Ursprung nahm. Aber bevor ich in meiner Schularbeit bei Adam und Eva lande, zurück nach Thallern. Ich erhielt den Rotgipfler Selektion 2011 als Hausübung. Schöner Duft nach Honigmelone, saftig, fruchtig, aber trotzdem elegant. Ein perfekter Wein zu Fisch, Meeresfrüchten, Spargel, Sonnenuntergang, Urlaub und Zeitreisen.
Im Keller: Kleine Hausübung
21.06.2012 | 15:47 | von Gerhard Hofer (Die Presse - Schaufenster)
Ich erhielt den Rotgipfler Selektion 2011 als Hausübung.
TIPP
Freigut Thallern, www.freigut-thallern.atRotgipfler Selektion 2011, kostet 8,80 Euro ab Hof.
1 Kommentare
Nicht die Ältesten
Hier irrt der rührige Freigut-Chef.Von Thallern und seiner ganzen Umgebung weiss man, dass den Türken 1529 und 1683 „keyn parolla gehalten worden seye“; darüberhinaus sind immer wieder die Ungarn über den Landstrich hergefallen, so auch 1619, als selbst die beeindruckende Ortsbefestigung Gumpoldskirchens nicht standhielt und 300 Menschen niedergemetzelt wurden. Thallern war es, das wohl immer wieder Schaffenspausen hatte.
Das Stift Klosterneuburg hingegen schloss nie, bzw nur einmal kurz - als der Widerstand der Chorherren gegen die Nationalsozialisten aufflog.
Schöne Weine kommen von beiden, hier die Geschichte neu zu schreiben wird nicht notwendig sein.
VorkosterRestaurants im Test
VerkosterGerhard Hofer degustiert im Keller
Prinz Charles bis Prinz PilsWie gut kennen Sie den Adel?
ImagekriseDas große Bieber-Bashing
Schöner MannBärte, Beaus und James Franco in Cannes
Modesünden Billboard Music Awards