Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Barbara Daxböck über den Moment, als sie Katrin Hofmann kennengelernt hat. Es war bei einem beruflichen Termin in der Ottakringer Brauerei, wo Daxböck damals für Events zuständig war. „Ich war an diesem Tag nicht gut drauf, aber dann kam sie, und ich hab mir gedacht: Die ist cool“, sagt Daxböck. „Wir haben dann auf dem Gerstenboden ein Bier getrunken.“
Was so romantisch klingt, ist der Beginn einer Mädchenfreundschaft – und einer ziemlich produktiven Partnerschaft. Ein halbes Jahr nach dem ersten Treffen, im August 2010, hatten die beiden erstmals die Idee zu einem Wiener Kreativmarkt. Hofmann war gerade aus New York gekommen und vermisste Ähnliches in Wien. Daxböck holte sich die Erlaubnis, die Brauerei zu nutzen. Drei Wochen später fand der erste Feschmarkt statt – mit 30 Ausstellern, 1700 Besuchern und, wie Daxböck sich erinnert, einem ziemlich verblüfften Chef.
Das gilt auch für den Kunst- und Designmarkt, den die beiden aufgezogen haben, ohne selbst aus dem Kreativbereich zu kommen. Hofmann, eine umtriebige Oberösterreicherin, hat Internationale Betriebswirtschaft studiert, in der Weinbranche gearbeitet und gibt seit einigen Jahren den Gutscheinstadtführer Luups heraus. Lokale, Hotels und Design sind ihre ausgeprägten Interessen (sie suche auch zwei Stunden nach dem schönsten Insider-Café, klagt Daxböck lachend, nachdem sie eben gemeinsam in Berlin waren); heuer im Frühjahr war Hofmann unter den Mitbegründern des Kreativzentrums Fox House in einem leer stehenden Haus in Wien-Neubau.
Daxböck wiederum hat Tourismuswirtschaft studiert, früher am Flughafen gearbeitet und stammt aus einer Pöchlarner Familie mit Gasthaus und Fleischerei. „Ich habe schon daheim mithelfen müssen. Wir geben Gas, das verbindet uns“, sagt sie, und eben das unterscheide sie von vielen aus der Kreativszene. „Wir sind nicht so schwebend, wir bringen die Dinge auf den Boden.“
150 Aussteller stehen diesmal auf der Liste, rund 30 davon aus dem Ausland. Ihre Jobs haben die beiden Veranstalterinnen inzwischen aufgegeben, so schnell ist der Feschmarkt gewachsen. Erstmals findet das Marktfestival diesmal an gleich drei Standorten statt. Die Ottakringer Brauerei ist wie bisher Markthalle für Mode, Accessoires, Produktdesign und leistbare Kunst (die neuerdings eine eigene Halle hat). Das „Feschkino“ zeigt erstmals Filme junger Kunstschaffender. In die Grundsteingasse laden die Organisatorinnen, auch das erstmals, in ihr Büro zu Ute-Bock-Charity-Punsch und Kleidertauschbörse. Im Ragnarhof schließlich lädt man zu „Fête Fesch“, „Feschtheater“ und „Feschtalks“.
Sie seien, stellen Hofmann und Daxböck fest, selbst erstaunt, wie vielseitig sich der mühsam gebrainstormte Name einsetzen ließ. Inzwischen hat der Feschmarkt freilich längst Konkurrenz bekommen. „Andere Märkte schießen wie die Schwammerln aus dem Boden. Darum machen wir auch mehr Rahmenprogramm. Noch läuft es jedenfalls gut.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2012)
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