Pop im Prater: Thomas Kirchgrabner als DJ

18.04.2013 | 17:53 |  von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Designer Thomas Kirchgrabner ist nebenbei Ponyclub-DJ. Er legt (ganz ohne High Heels) beim Fashion-Check-in im Prater auf.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Das Leben ist kein Ponyhof, hört man derzeit in leicht überstrapazierter Weise. Was nicht heißt, dass man sich nicht trotzdem gern in eine heile, kleine Welt flüchten würde, wo alles gut ist und Spaß macht. Vielleicht liegt darin (auch) der Erfolg des Ponyclubs begründet. Einmal im Monat laden fünf Gleichgesinnte aus der Modebranche dazu in die Rote Bar im Wiener Volkstheater, und am Ende, sagt Thomas Kirchgrabner, seien immer alle bunten, aufblasbaren Ponys weg. Einige Partygäste müssten davon schon Unmengen zu Hause haben.

Thomas Kirchgrabner, das ist einer der wenigen Wiener Designer, die man nicht nur zwischen Innenstadt und Gürtel, sondern auch von Hietzing bis Döbling kennt: Seit zehn Jahren arbeitet er für das (Pelz-)Modehaus Liska, seit fünf Jahren ist er dessen Chefdesigner, mit einem Talent für Abendkleider. Nebenbei ist er einer der fünf Mitbegründer des Ponyclubs, gemeinsam mit einem Stylisten, einem Kreativchef, einem Fotoredakteur und einem Grafiker, die „draufgekommen sind, dass es gut wäre, eine Party zu machen, wo jeder gern hingeht“. Vier der fünf legen selbst auf, jeder einen anderen Musikstil, und auch das Publikum ist gemischt, „nicht nur Hipster, über 30- oder unter 14-Jährige.“ Benannt ist das Format übrigens nach Kirchgrabners chinesischem Schopfhund, dank seiner Frisur auch „Johnny, das Pony“ genannt.


Heute Abend wird Kirchgrabner allerdings ohne seine Ponyfreunde auftreten: Liliana Klein, eine Freundin und Organisatorin des Fashion-Check-in, hat ihn als DJ für ihre Verkaufsshow engagiert, die erstmals im Prater über die Bühne geht. Kirchgrabner wird im pink ausgelegten Autodrom auflegen. „Ich glaube, das wird lustig, weil der Prater doch ein ganz anderes Flair hat.“ Auch die Idee, den Verkauf der Designerlabels in die Waggons des Riesenrads zu verlegen, hält wohl nicht nur er für „speziell“. „Wien von oben, das wird eine neue Erfahrung. Ich wohne jetzt seit über zehn Jahren in Wien und bin noch nie im Riesenrad gewesen. Eine Schande.“

Dabei, sagt der gebürtige Oberösterreicher ausgerechnet bei Melange und Sachertorte im Riesenrad-Café, habe er nie nach Wien gewollt. „Ich wollte hinaus in die Welt.“ Aber die Karriere kam dazwischen, „und ich habe die Stadt lieben gelernt. Ich fahr in der Früh mit dem Fahrrad durch die Hofburg, und es ist wunderschön.“

Eine Affinität zu Musik, sagt Kirchgrabner, habe er immer schon gehabt. Vor zwei Jahren legte er zum ersten Mal auf – und bekam noch währenddessen das nächste Angebot. Und schwärmt, denn: „Bei der Mode arbeitet man im stillen Kämmerlein. Bei der Musik bekommt man in der Sekunde das Feedback, Begeisterung – oder Enttäuschung.“ Nun legt er Pop von den Siebzigern bis zu den Neunzigern auf, außerdem ein bisschen Elektronik und House. Dass er dabei auf das Publikum gut reagiere, den „Abholknopf“ finde, das hätten ihm Kollegen bestätigt, freut er sich. „Aber ich bin natürlich trotzdem ein kompletter Laie.“

Einer ohne sein einstiges Markenzeichen noch dazu. Lange war Kirchgrabner für sein Faible für High Heels bekannt. Doch die, sagt er, trage er seit fast zwei Jahren nicht mehr. Auch wenn er Cross-Dressing bis heute interessant findet, „schon Marlene Dietrich hat es gemacht. Genauso, wie ich Tradition und Handwerk liebe, finde ich Menschen, die gegen den Strom schwimmen, unterstützenswert.“ Als Mitglied einer „Randgruppe“ werde man auch heute noch verbal und physisch angegriffen, sagt er und nimmt sich selbst nicht aus. Doch mit den Schuhen sei Schluss. „Da bei Veranstaltungen nur noch die Frage kam, warum ich hohe Schuhe trage – oder warum gerade nicht. Sie sind wie ein Kleidungsstück, das nicht mehr zu einem passt. Ich habe damit eine Message vertreten – aber nur auf sein Äußeres reduziert zu werden, das ist genau das, was ich nicht erreichen will.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

AnmeldenAnmelden