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Auftritt für den Farbenherrscher!

03.08.2012 | 18:47 |  von Ute Woltron (Die Presse)

Hoher Phlox. Nie kann man genug von ihm haben, weder von seinem Anblick noch von seiner Sortenvielfalt. Der Hohe Phlox ist der König des Sommers und regiert bis in den Herbst.

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Ein Garten ohne Phlox ist nicht nur ein bloßer Irrtum“, behauptete der deutsche Staudenzüchter Karl Foerster, „sondern eine Versündigung gegen den Sommer.“ Sein Ausspruch wurde geflügeltes Wort unter den Phlox-Liebhaberinnen und -liebhabern. Bereits 1932 hatte der, auch vier Jahrzehnte nach seinem Tod noch einflussreiche Züchter und Meister der Pflanzenkombinationen seine ersten Phlox-Kreationen präsentiert. Die Blume blieb ihm zeitlebens lieb und teuer und, wie er sagte, „der Duft- und Farbenherrscher des Hoch- und Spätsommergartens“.

Der Hochsommer ist erreicht, nach der Einteilung in die zehn phänologischen Jahreszeiten, die sich nach Zeigerpflanzen richten, halten wir bereits im Spätsommer: Die Getreidefelder sind abgeerntet, die Holunderbeeren färben sich, die zweite Heumahd ist in vollem Gange – und besagter Duft- und Farbenherrscher betritt mit großem Tamtam die Szenerie.

Die bis zu 140 Zentimeter hohe Staude wird auch Flammenblume genannt, was die Altgriechen unter Ihnen bereits geahnt haben, denn „Phlox“ bedeutet „Flamme“. Der wilde Phlox in seiner ursprünglichen Form war feuerrot, womit man sich den Namen heute erklärt. Er stammt aus Nordamerika und erreichte im 18. Jahrhundert Europa.

Diejenigen, die ihre Leidenschaft zu ihm vor Zeiten entdeckt und den Phlox paniculata, also den Hohen Sommer-Phlox, bereits in ihren Gärten heimisch gemacht haben, können jetzt traumwandlerisch durch langstielig wogende, duftende Farbwolken in allen Schattierungen von Rosa, Rot, Lila und Blau schreiten. Denn die Phlox-Liebhaber zeichnet eines aus: Maßlosigkeit. Die halten nicht bescheiden bei einem einzelnen Phlöxchen, niemals! Die wollen immer mehr davon.

So etwa die Nachbarin. Die hat über die Jahre Phloxe gesammelt wie alte Herren Briefmarken. Ihr Garten gleicht jetzt der Riesenleinwand einer künstlerisch ambitionierten Titanide, die sich den wildesten Farbmischungen hingegeben hat. Doch gibt es Leute, die die Prachtstaude in noch anderen Schattierungen und Blütenmusterungen beheimaten, und zwar in solchen, die sie unverschämterweise noch nicht besitzt: Rosa mit weißen Streifen. Dunkelviolett mit weißem Auge. Ein besonders kräftiges Lila. Weiß mit einem Hauch Blau. Weiß mit einem Hauch Blau und – Sensation! – dunkelblauem Auge.

Zu diesen Phlox-Verbündeten begibt man sich, denn jetzt ist, wie gesagt, die Zeit, in der die Kinder der Phloxe, die untereinander im letzten oder vorletzten Sommer geheiratet und Samen geworfen haben, erstmals blühen und damit ihre neue Wesensart bekannt geben. Ein neues Himmelblau, ein noch kräftigeres Pink, eine noch wildere Rosa-Lila-Kombination. Viele kleine Phloxe entstehen so, die wohlmeinende Gärtnerinnen und Gärtner gern an Gleichgesinnte verschenken. Den Kofferraum hat man vorsorglich mit Trögen und Wannen gut bestückt – und, wenn man ehrlich ist, bekennt man, dass man sicherheitshalber mehrere Gefäße ineinander gestapelt und solchermaßen das absolute Maximalfassungsvermögen kaschiert hat, damit die Gier nicht zu offensichtlich wird und ein Rest von Anstand gewahrt bleibt.

Die Nachbarin fährt, seit sie pensionsbedingt vollberuflich gärtnert, ein wesentlich geräumigeres Auto als früher, zum Glück passte auch ich zwischen all den Wannen gerade noch hinein. Als wir vom Phlox-Beutezug bei der glücklicherweise ebenfalls seit Jahren vom Phlox-Virus heimgesuchten Gertrude S. in Buchbach heimkehrten, glich das Wageninnere dem Lieferwagen einer Staudengärtnerei. Herrlich! Wir gruben bis zur einfallenden Nacht und bis zur Dämmerung des Folgetages Phloxe ein.

Man sagt, Phlox gedeihe an sonnigen, nährstoffreichen und feuchten Standorten am besten. Doch so einfach ist die Sache nicht. Es gibt mittlerweile eine überwältigende Menge verschiedenster Züchtungen, die mit den unterschiedlichsten Standorten ihr Auslangen finden. Viele wachsen auch an erstaunlich trockenen Stellen. Fragen Sie mich bitte nicht nach Namen, erkundigen Sie sich lieber bei den Profis in den Gärtnereien. Es gibt früh-, mittel- und spätblühende Sorten, es gibt solche, die gut über einen Meter hoch, und solche, die nur ein paar Dezimeter klein werden, stark duftende und solche, die gar nicht duften.

Wenn Sie Experimente lieben, schneiden Sie die Blüten nicht ab. Lassen Sie die Samen ausfallen und freuen Sie sich auf die Phlox-Vielfalt, die Sie erwartet. Sollte es zu viel werden – die Nachbarin und ich, wir kommen gerne im nächsten Sommer bei Ihnen vorbei.

Gartenlaube

Pflanzen Sie Phloxe dicht an dicht, z.B. in Kombination mit Fetthenne, Schafgarbe, Schleierkraut, Ehrenpreis und anderen hohen Stauden. Die Pflanzen geben einander Halt, der Boden trocknet nicht so schnell aus und ihr Auge wird bis in den Herbst hinein farbverwöhnt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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