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Bohnen jenseits des Supermarktorbits

10.08.2012 | 18:25 |  Ute Woltron (Die Presse)

Gartenbohne. Wer Bohnen lediglich aus der Konservendose kennt, der kennt sie nicht. Die unendlichen Weiten des restlichen Bohnenuniversums sind es wert, erforscht zu werden.

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Die Bemerkung, man fühle sich wie seine eigene Großmutter, ist gewöhnlich nicht gut beleumundet. Es dürfte dabei jedoch stark auf die jeweilige Ahnin ankommen. Dieser Tage fand ich mich vor der Gartenhütte in der Sonne sitzend wieder, genau wie dazumal die eigene Oma: Im Schoß einen Weidling, zu Füßen ein verworrenes Gebirge gerade abgeschnittener Bohnenpflanzen mit vielen bereits ledrig gewordenen Schoten daran. Aus diesen muss, nein, darf man die reifen Bohnen auslösen – eine langwierige Fingerarbeit, bei der seinerzeit Enkelinnen, deren Großmütter noch Bohnen anbauten, gern mithalfen.

Der Lohn der Kinderarbeit waren allerlei Geschichten und, wenig später, mit Kräutern und gelegentlich auch mit Speck gewürzte Bohneneintöpfe. Ich saß also da und löste prächtige frische Borlotti-Bohnen in leuchtenden Rot-Weiß-Tönen aus wie früher, mit einem Unterschied: Die Großmutter hatte noch ihre eigenen Bohnensorten kultiviert. Große schwarz-lila-Käferbohnen und irgendwelche kleinen braunen Wachtelbohnen, deren Sortenbezeichnung keiner mehr sagen kann. Von der Ernte hob sie stets ein paar Handvoll im Gurkenglas auf, um sie im nächsten Jahr wieder anzubauen.

Stichwort Bohnensorten: Es gibt weltweit mindestens 10.000 von ihnen, es steht ein Bohnenuniversum zur Verfügung, das es wert ist, erforscht zu werden. Es gibt winzig kleine Flohbohnen, flache Limabohnen, dicke Käferbohnen. Es gibt weiße, grüne, gelbe, schwarze, lila, rote, einfärbige und getüpfelte Bohnen, und sie schmecken ganz unterschiedlich.

 

Fader geht's gar nicht

Doch sie erreichen uns nicht! Selbst der größte unter den lokalen Supermärkten führt auf gefühlten zehntausend Quadratmetern Verkaufsfläche neben hundertzweiundsechzig Joghurtsorten, mehreren Dutzend Klopapierarten und ebenso vielen Geschirrspülmittelmarken gerade einmal zwei Sorten Trockenbohnen. Weiße und braune. Fader geht's gar nicht, und noch nie sah ich jemanden diese Bohnen kaufen.

Irgendwie scheint die gute alte Gartenbohne Phaesolus vulgaris für den Einzelhandel uninteressant zu sein, es sei denn, man kann sie als Konservenware verscheppern. Welch Versündigung gegen die Geschmackspapillen! Konservenbohnen rangieren jenseits des Diskutablen, wohingegen Anstrengung walten lassen muss, wer mir dereinst eine delikatere Speise als eine gut zubereitete Bohnenpfanne aus peruanischen Butterbohnen oder einen gekonnt gewürzten Bohneneintopf aus steirischen Käferbohnen servieren will.

Wollen wir nicht die Supermärkte geißeln, wahrscheinlich liegt das magere Angebot auch an der mangelnden Nachfrage, denn Bohnenkochen will gelernt sein, obwohl es denkbar einfach ist, wenn man weiß, wie es geht. Da jeder Depp eine Konservendose öffnen kann, scheint diese Kunst ins Hintertreffen geraten zu sein.

 

Bauen Sie Ihre Bohnen selbst an

Für diejenigen, die sie allerdings beherrschen, und die nicht in der Nähe italienischer oder französischer Bauernmärkte beheimatet sind, wo die Sortenvielfalt deutlich größer ist: Bauen Sie Ihre Bohnen selbst an.

Es beginnt damit, dass Sie sich das Saatgut besorgen. Gute Quellen hierfür sind beispielsweise die Arche Noah und die Reinsaat. Sie setzen auf alte, hierzulande bewährte Sorten jenseits des Supermarktorbits. Ziehen Sie entweder Stangenbohnen oder Buschbohnen an vollsonnigen Stellen, das funktioniert sogar in Töpfen auf Balkonen ausgezeichnet. Sonne ist wichtig. Für die Stangenbohnen brauchen Sie Klettermöglichkeiten, dann haben Sie auch gleich einen feschen Sichtschutz. Düngen Sie wenig, Bohnen sind Schwachzehrer. Achten Sie auf genügend Bodenfeuchtigkeit und optimieren Sie diese durch das gute alte Mulchen. Bohnen sind auch sehr frostempfindlich, sie gehören frühestens im Mai in den Boden. In kälteren Regionen kann man sie in Töpfen vorziehen und später auspflanzen.

Stangen- sowie Buschbohnen werden in Gruppen angebaut, also pro Pflanzloch kommen fünf oder sieben Kerne in die Erde. Warum die alten Bauerngärtnerinnen stets befohlen haben, eine ungerade Menge zu säen, weiß ich nicht. Vielleicht können Sie Ihre Großmutter befragen und mir bei Gelegenheit Bescheid geben?

Gartenlaube

Die einzige mir bekannte Quelle für eine reiche Auswahl von Trockenbohnen aus aller Herren Länder ist der auch in jeder anderen Hinsicht zu preisende „Exotic Supermarket Prosi“ am Wiener Gürtel, gleich gegenüber der Hauptbibliothek: brasilianischer schwarzer Feijão, indische Flohbohnen, japanische Azukibohnen und, besonders empfehlenswert, Butterbeans, also Limabohnen – kosten Sie sich durch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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