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Kampf dem Buchsbaumzünsler!

24.08.2012 | 18:26 |  von Ute Woltron (Die Presse)

Bioinvasion. Die Raupe des kleinen Schmetterlings aus Asien frisst sich durch die heimischen Buchsbestände und lässt kaum ein Blättchen übrig. Doch man kann den Schrecken bändigen.

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Sollten Sie sich darüber wundern, dass an dieser Stelle einerseits zur Rettung der heimischen Falterwelt und andererseits zur Bekämpfung eines Schmetterlings mit Namen Buchsbaumzünsler aufgerufen wird, so folgt gleich die Erklärung: Der Buchsbaumzünsler ist ein außerordentlich schädlicher Bioinvasor, der erst vor vier Jahren in Österreich aufgetaucht ist. Eingeschleppt wurde er – wahrscheinlich über Pflanzentransporte – aus Asien.

Dort hat er natürliche Fressfeinde, die ihn in Schach halten. Hier hingegen breitet sich der etwa vier Zentimeter kleine weiße Schmetterling mit den schwarzen Flügelrändern unkontrolliert aus und ist dazu imstande, binnen kurzer Frist selbst riesige, jahrhundertealte Buchsbestände kahl zu fressen und zu vernichten. Außer Buchs scheint ihm wenig zu schmecken. Er sucht die Buchshecken gezielt auf, wobei er keinen Unterschied macht zwischen den verschiedenen Sorten. Es sind also alle Buxus-Bestände in Gefahr, selbst die robusten alten Bauernsorten. Die Epizentren des Geschehens befinden sich – vorerst noch – in Wien und Umgebung, in Teilen Niederösterreichs und in Vorarlberg. Auch aus Eisenstadt liegen erste Berichte über Zünsler-Attacken vor.

Wer also den Buchsbaumzünsler oder seine grün-schwarzen Raupen beobachtet, sollte sofort Gegenmaßnahmen ergreifen. Der Buchs wächst bekanntlich sehr langsam, ist aber umso rascher kahl gefressen und damit hinüber. Die Erfahrungswerte, was seine Bekämpfung anlangt, sind noch gering, doch Experten haben einiges an Ratschlägen parat.

Das wohl empfehlenswerteste, weil wirksamste und dazu für anderes Getier verträglichste Mittel wirkt auf biologischer Basis und ist ein Bakterium namens Bacillus thuringiensis. Es wird seit den 1930er-Jahren im Obst- und Gemüsebau verwendet und mittels Spritzbrühe auf dem Buchs aufgebracht. Die Raupen fressen die Blätter, nehmen die Bakterien auf und sind binnen weniger Tage Geschichte.

Diese Prozedur muss auf jeden Fall im Abstand von zwei Wochen wiederholt werden. Erfahrungsgemäß ist es sinnvoll, der Spritzlösung ein Benetzungsmittel beizumischen, um die Bazillen flächendeckend über alle Blattober- und -unterflächen zu verteilen.

Das Spritzen giftiger Substanzen zeigt hingegen lediglich vorübergehende Wirkung und hat den Nachteil, auch Bienen und andere Insekten umzubringen. Eine mühselige Methode ist das regelmäßige Abklauben der Raupen, was ohnehin nur bei kleinen Büchslein Erfolg verspricht.

Die Bazillenkur ist also die Lösung. Besorgen Sie sich am besten ein Spritzgerät, das mit möglichst hohem Druck arbeitet. Das spart Muskelkraft und ermöglicht Ihnen, selbst große Buchshecken bis in die inneren Zonen ordentlich zu benetzen. Sorgfältiges, systematisches Arbeiten ist hier unbedingt angesagt.

Der Buchsbaumzünsler ist nur der aktuellste in der Geschichte der Bioinvasoren, die von der Fachwelt Neozoen genannt werden. Eines der berühmtesten Beispiele ist die Ausbreitung amerikanische Aga-Kröte in Australien. Sie wurde in den 1930er-Jahren zur Bekämpfung von Zuckerrohrschädlingen eingeführt, breitete sich rasant aus und brachte verschiedene endemische australische Reptilienarten fast zum Verschwinden. Heute ist sie unter den Australiern verhasst und wird erbittert bekämpft.

Die internationale Invasive Species Specialist Group ISSG listet auf ihrer Website www.issg.org die hundert schädlichsten Invasoren auf, die von Menschen quer über den Globus verbreitet wurden. Das sind Pflanzen genauso wie Tiere. In artfremde Biotope transferiert gefährden sie ganze Ökosysteme. So brachte die in den 1940er-Jahren nach Guam eingeschleppte giftige Braune Nachtbaumnatter zwölf Vogelarten zum Aussterben. Mittlerweile beträgt die Schlangenpopulation gemütliche 10.000 bis 13.000 Exemplare pro Quadratkilometer.

Ein weiterer Invasor ist ein kleiner Fisch namens Koboldkärpfling, der gegen Mückenplagen eingesetzt und weltweit verbreitet wurde. Er frisst allerdings, wie sich erst zu spät herausgestellt hat, nicht nur Mückenlarven, sondern auch die Gelege anderer Fische, bringt alles aus dem Gleichgewicht und wird inzwischen weniger freundlich Pest-Elritze genannt. Der Buchsbaumzünsler ist ein Neuling in dieser Invasorenliga. Sagen Sie ihm den Kampf an.

Gartenlaube

Besagtes Spritzmittel wird unter dem Namen XenTari© als wasserlösliches Granulat von verschiedenen Unternehmen vertrieben. Es ist in diversen Packungsgrößen erhältlich und im Gegensatz zu manch anderen biologischen Mitteln mit bis zu drei Jahren erfreulich lange haltbar. Da es als hautreizend eingestuft ist: nicht unbedingt in Bikini oder Badehose arbeiten!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)

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2 Kommentare
Gast: grashalm
06.09.2012 20:24
0 0

so schauts aus

also der buchs kommt ja auf der gartenspießerskala gleich nach den sinnlosen tujen und dem schamhaargleichen Rasen. ganz, ganz große langweiler!

Gast: bobl
26.08.2012 11:11
0 0

Kampf dem Buchsbaumzünsler

Sehr geehrte Frau Woltron
Sie wissen aber schon, dass der Bacillus thuringiensis ausgerechnet jenes Toxin erzeugt, dass bei Genmais für Aufregung sorgt. Ob das wirklich so harmlos für die Umwelt ist?

Die Autorin