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Äpfel: Der fabelhafte Mr.Cox

Äpfel: Der fabelhafte Mr.Cox
Äpfel: Der fabelhafte Mr.Cox / Bild: (c) ORF (Anton Wieser) 

Eine der besten, jedoch nicht ganz einfach zu ziehenden Apfelsorten entstand aus einem glücklichen Zufall. Heute ist der Cox Orange ein König unter den Äpfeln.

 (Die Presse)

Die Strudel- und Mostäpfel brauchen noch ein bisschen, doch eine der allerbesten Apfelsorten wird gerade reif: der Cox Orange oder Cox's Orange Pippin, wie er mit seinem ursprünglichen Namen heißt. Der gilt unter Apfelkennern als perfekter Vertreter der Klasse der Tafeläpfel, und das seit 1857. Der damalige Neuling unter der beliebtesten aller Obstarten wurde anlässlich der Grand Fruit Exhibition der britischen Royal Horticultural Society wegen seines „knackigen gelblichen Fruchtfleischs mit überaus exquisitem Geschmack“ zur besten neuen Apfelsorte gekürt.

Dabei entstand der Cox Orange, so die auf ihren Wahrheitsgehalt nicht mehr überprüfbare Legende, durch eine vom Schicksal wohlgelenkte Fügung. Ein gewisser Mr. Richard Cox, Bierbrauer in Ruhestand, pflegte, um in der Pension nicht der Fadesse anheimzufallen, in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts einen großen Obst- und Gemüsegarten in Buckinghamshire westlich von London. Dort verlegte er sich auf allerlei Züchtungen und Experimente. Und wie viele andere Dilettanten auch, wie die Briten damals schon talentierte und einer bestimmten Sache hingebungsvoll zugetane Amateure mit Hochachtung zu nennen pflegten, hatte er großen Erfolg, den er bedauerlicherweise nicht mehr erlebte.

Im Frühsommer des Jahres 1825 wollten es die heitere Witterung und der Zufall, dass sich neben besagtem Pensionär auch Mrs.Ann Cox in ebendiesem Garten aufhielt und eine Biene beobachtete, die durch besondere Emsigkeit auffiel. Sie berichtete ihrem Gatten davon. Der eilte herbei und markierte die Blüte, an der die Biene so auffällig zugange gewesen war, mit einem Bändchen. Aus dieser Blüte reifte ein Apfel heran. In diesem Apfel entstanden selbstredend auch Apfelkerne. Diese setzte der vorsorgliche Mr. Cox ein, zog daraus über die Jahre kleine Apfelbäumchen groß und wartete gespannt darauf, dass die erstmals blühen und fruchten würden. Seine Geduld wurde belohnt. Aus den Kernen dieses einen Apfels entstanden gleich zwei Apfelsorten, die Eindruck machten: Cox's Pomona und der mittlerweile weltberühmte Cox Orange.

 

Hitze mögen sie gar nicht

Er ist in der Tat ein König unter seinesgleichen, doch die Cox-Orange-Bäume sind ein wenig anspruchsvoller als die meisten anderen Apfelbäume: Sie mögen keine großen Temperaturschwankungen. Hitze und Trockenheit verabscheuen sie überhaupt, und auch an den Boden stellt der gewöhnlich eher kleinwüchsig gezogene Baum Ansprüche: Die müssen tiefgründig, gut durchlässig und belüftet sein.

Da der Cox-Orange-Baum meiner Kindheit irgendwann das Zeitliche gesegnet hatte und ich jahrelang Cox-Orange-los war, was mich verdross, setzte ich vor einer Dekade einen solchen Baum. Gleich Mr.Cox musste auch ich mich in Geduld üben. Es dauert einige Jahre, bis kleine Bäumchen groß und stark werden und richtig schöne Früchte liefern. Vor allem, wenn man ihnen Erziehungsschnitte angedeihen lässt und das vielleicht noch nicht ideal beherrscht. Heuer, so kann ich jedoch freudestrahlend als mittlerweile halbwegs anständige Baumschnittdilettantin berichten, bricht erstmals eine Dutzende Kilo schwere Rekordernte über mich herein. Köstlich! Man wollte am liebsten baden in diesem Aroma aus Süße, Säure und Duft.

Viel zu schnell geht sie vorbei, die schöne Apfelzeit, doch kann man sie raffiniert verlängern: Der Cox Orange ist einer der Äpfel, die sich besonders gut trocknen lassen und dabei das Aroma kaum verlieren. In gut verschlossenen Gefäßen kann man es bis tief hinein in den Winter retten und dann an kalten Kaminknisterabenden hervorholen. Viel Arbeit, meinen Sie? Aber nein, verrate ich Ihnen, gesetzt den Fall, Sie eignen eine dieser genialen kleinen und gar nicht kostspieligen Drehmaschinen, in die man die Äpfel einspannt und durch Kurbeldrehung gleichzeitig schält, entkernt und in eine elegante Spirale schneidet. Diese wird in der Folge – noch nicht aufgedreht, sondern in Apfelform belassen – einmal durchgeschnitten, und schon liegen perfekte, gleichmäßig geschnittene, runde, kernlose Apfelscheibchen vor Ihrem staunenden Auge.

Seit diese Apfelschälmaschine unseren Haushalt erreicht hat, ist der Apfelkonsum auch der jüngeren Mitbewohner deutlich gestiegen. Das soll uns recht sein, denn er gilt ja nicht nur als köstlich, sondern auch als gesund. Noch ein Vorzug: Die eigenen, garantiert völlig pestizidfreien Apfelschalen kann man gleich mittrocknen und in den Tee werfen. Umwerfend!

Aus der Gartenlaube

Sorten. Es gibt zahlreiche Abkömmlinge des Cox Orange, die ähnlich heißen. Züchter haben sich bemüht, robustere Sorten aus ihm zu ziehen, die aber ähnlich schmecken. Eine davon ist etwa die Schweizer Sorte Rubinette. Der Cox Orange ist außerdem der Großvater von Gala, Elstar und Pinova. Sollten Sie sich einen Baum zulegen wollen, fragen Sie in der Baumschule nach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2013)

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