Gartenkralle

Günstiges Kriechen

Bodendecker. Der Kriechende Günsel in seiner zivilisierten, kultivierten Form ist nur eine Variante im praktischen, niemals wegzudenkenden Reich der Bodendeckerpflanzen.

Der Günsel blüht gerade jetzt unverschämt kräftig.
Schließen
Der Günsel blüht gerade jetzt unverschämt kräftig.
Der Günsel blüht gerade jetzt unverschämt kräftig. – (c) Ute Woltron

Wenig macht dem Gartenmenschen das Leben angenehmer und bequemer als die Art von Pflanzen, die ruhig und besonnen vor sich hinwachsen, so gut wie nicht gepflegt werden müssen und all jene nackten Erdflächen mit ihren Blättern bedecken, die sonst von März bis November von Unkräutern freigezupft werden müssten. Gäbe es einen Gartengott, so hätte er am allerersten Tag diese Bodendecker erschaffen. Gepriesen seien sie, in manchen meiner Beete wachsen überhaupt nur solche.

Denn die Auswahl ist groß, hübsch sind fast alle, und wenn sie sich so wohlfühlen, dann sollen sie sich ausbreiten und vermehren bis zu jenem Tag, an dem das Beet wieder umgegraben und neu bepflanzt wird. Oder auch nicht. Besser eine Zone mit feschen Bodendeckern als eine samenverstreuende Unkrauthalde oder ein fader Rasen. Wer sich also das Leben leicht machen will, auch zwischen Sträuchern, Rosen, höher gewachsenen Stauden sowie anderen zu bedeckenden Flächen, schöpft aus dem Vollen. Hier nur eine winzige Auswahl für alle Eventualitäten.

Eine Pflanze, die praktisch überall gedeiht, in Licht und Schatten, in Trockenheit und in relativ feuchtem Substrat, ist der unverwüstliche, sich schnell ausbreitende Frauenmantel. Schöne Blätter, sympathische cremegelbe Rauscheblüten im Mai. Ein Bodendecker fast ohne Fehl und Tadel. Im Frühling kann man mit dem Rasenmäher über ihn drüberfahren und das alte Laub absäbeln. Manchmal wird er anderen Pflanzen gegenüber zu aufdringlich, dann reißt man ihn dort eben aus.


Ein Kerl, der Nähe sucht

Ein wenig raffinierter und weniger bekannt sind die diversen Zuchtvarianten einer Wildpflanze, die noch jeden Gärtner irgendwann einmal an unpassender Stelle irritiert, um nicht zu sagen geärgert hat. Der kriechende Günsel, Ajuga reptans, kann in seiner Wildform eine ziemliche Plage werden. Er treibt Meter lange Ausläufer und schleicht sich an die höheren Pflanzen im Beet an. An deren Stängel lehnt er dann aufdringlich seine zugegebenermaßen ziemlich hübschen Blüten an. Der Kerl sucht offensichtlich die Nähe anderer.

Nicht so seine kultivierteren Verwandten. Sie blühen jetzt gerade in unverschämt kräftigem Azurblau, ja in einem der schönsten Blautöne, die man in den Garten holen kann: Sehr attraktiv. Es gibt viele Varianten, alle bilden dichte Blattrosetten und breiten sich aus, aber nicht so hysterisch wie der wilde Günsel. Die Sorte Braunherz etwa hat schokobraune Blätter, Artopurpurea ist fast schwarz, Burgundy Glow ist rosa-weiß-grün panaschiert. Sie alle wollen wenig Sonne und eher feuchte, gut stickstoffversorgte Böden.

Einer der zierlichsten Bodendecker ist ebenfalls in diversen Varianten zu haben, hier allerdings in unterschiedlichen Blütenfarben: der Lerchensporn Corydalis. Er ist erstaunlich selten in Gärten zu sehen, was schade ist, denn er ist ein Wunder an Selbstvermehrung und verlässlicher Bodenbedeckung. Insbesondere die gelb blühenden Sorten sind vital und ausbreitungsfreudig. Die roten, lila und blauen Sorten wuchern weniger und streuen sich auch nicht so aus. Man kann ja die eine oder andere von ihnen in das gelbe Meer setzen, sie vertragen sich gut miteinander.

Schon oft gepriesen wurden an dieser Stelle jene Storchschnabelarten und -sorten, die sich ausbreiten und zu den allerbesten Lückenfüllern gezählt werden müssen. Es gibt sie von sehr niedrig bis halbmeterhoch: in Weiß, Rosa, Lila, Blau, mit gefransten, glatten, panaschierten Blättern, für trockene, schattige, sonnige, also eigentlich alle Standorte. Kurzum: Es gibt unter den Storchschnäbeln sicher mehrere Sorten, die genau Ihren Bedürfnissen entsprechen, und Sie werden sehen, es wird nicht einfach sein, sich unter all den Schönheiten zu entscheiden.


Sorten ohne Ende

Der wahrscheinlich beste Bodendecker für die echt schwierigen Trockenzonen unter Sträuchern und Bäumen ist, wenn man nicht auf das beliebte Immergrün und den lästigerweise stets zum Bäumeklettern aufgelegten Efeu zurückgreifen will, die Elfenblume Epimedium. Auch hier: Sorten ohne Ende. Doch machen Sie sich schlau, und wählen Sie die trockenheitsresistenten, dichte Teppiche bildenden Varianten, wie die superrobuste Alpenelfenblume, die Schwarzmeerelfenblume, die Sorte Fronleiten oder eine der vielen anderen.

Einer geht sich noch aus und darf nicht fehlen: Der bodendeckende Kaskaden-Thymian Thymus longicaulis fühlt sich an sonnigen, trocken-kargen Standorten wohl. Eine Pracht! Er breitet sich schnell aus, blüht, duftet herrlich und fließt wie ein Teppich über zu bedeckende Kahlheit oder Mauern.

Lexikon

Bodendecker. Die hier angeführten Pflanzen wachsen alle eher niedrig und sind nur ein winziger Teil des großen Spektrums der Möglichkeiten. Man kann natürlich auch viel höhere Pflanzen bodendeckend setzen.

Bodendeckerrosen. Zum Beispiel diese hier. Es gibt Sorten, die nicht einmal einen halben Meter hoch, jedoch sehr breit wachsen, wie beispielsweise die weiß blühende Sternenflor, die lila-weiße Scented Carpet und viele andere mehr.

Einjährige. Natürlich kann man auch wilde Bodenbedeckungen mit Samenmischungen einjähriger Pflanzen in Erwägung ziehen und so jedes Jahr für Abwechslung sorgen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Günstiges Kriechen

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.