Gartenkralle

Liguster: Sichtschutzhecke mit Vogelfutter

Der dichte, halbwintergrüne Strauch ist einerseits ein Tierparadies und andererseits erste Wahl für Leute, die ihre Buchsbaum-Sichtschutzhecke aufgrund regelmäßigen Zünslerbefalls satthaben.

Ein Ligusterstrauch mit seinen typischen dunklen Beeren.
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Ein Ligusterstrauch mit seinen typischen dunklen Beeren.
Ein Ligusterstrauch mit seinen typischen dunklen Beeren. – (c) Ute Woltron

Ist das eine Tollkirsche?“, fragen die Kinder ihren Vater. Der weiß es auch nicht. Der Strauch hängt voller schwarzer Beeren, sie sind vom Herbstregen blankgewaschen, und es sind so viele, dass man, wären es tatsächlich Tollkirschen, eine ganze Sippe damit ins Jenseits befördern könnte.

Die Beeren sind natürlich keine giftigen Nachtschattenfrüchte, denn sie hängen an einem Ligusterstrauch. Um genau zu sein, an einem für einen Garten mittlerweile viel zu groß gewachsenen Ligusterstrauch, der dringend gestutzt werden sollte. Doch jetzt wäre nicht der richtige Zeitpunkt dafür, und der Rückschnitt wird erst im späten Winter in Angriff genommen werden, weil der Strauch bis dahin eine ausgiebige Vorratskammer für die Vögel darstellt. Sie lieben Ligusterbeeren, insbesondere nach den ersten Frösten.

Amsel, Drossel, Garten- und Mönchsgrasmücke, Rotschwanz und Rotkehlchen sind nur ein paar der Vogelarten, die gern am Liguster naschen. In Frühling und Sommer sind die Blätter des Strauchs wiederum Kinderstube für zahlreiche Schmetterlingsarten und dienen den Raupen etwa von Totenkopfschwärmer, Nachtschwalbenschwanz und dem prachtvollen, bis zu zwölf Zentimeter großen Ligusterschwärmer als Nahrung.

Apropos Blätter: Der Liguster ist die wahrscheinlich beste Heckenpflanze der Wahl, wenn Sie es, so wie ich, satthaben, Ihre Buchsbäume bis zu viermal pro Saison vor den extrem gefräßigen Raupen des Buchsbaumzünslers zu retten, und Sie Ersatz für die vom chinesischen Zuzügler dauergequälten Buchshecken suchen. Der Liguster wächst ebenfalls außerordentlich dicht und verzweigt, gesetzt den Fall, er wird regelmäßig geschnitten, und er verliert sein Laub im Winter nur teilweise.


Erste Wahl.
Wenn Sie also eine pflegeleichte, genügsame und noch dazu der heimischen Tierwelt dienliche Sichtschutzhecke pflanzen wollen, ist der Liguster also erste Wahl. Die hierzulande heimische Wildart nennt sich Gewöhnlicher Liguster, Ligustrum vulgare. Beliebt ist vor allem die domestizierte Sorte Atrovirens, weil sie das Laub etwas länger und konsequenter behält als der wilde Liguster. Besonders kompakt wächst der aus Japan stammende Ovalblättrige Liguster, Ligustrum ovalifolium. Auch diese Art gibt es in einer speziellen Sorte, und zwar dem Goldliguster, Ligustrum ovalifolium Aureum, mit goldgelb panaschiertem Laub. Alle Liguster sind, wie die Fachliteratur das ausdrückt, halbwintergrün.

Das bedeutet, dass sie in milden Wintern ihr Laub behalten und es erst im Frühjahr vor dem Neuaustrieb abwerfen. In sehr frostigen Phasen lassen sie die Blätter jedoch zumindest teilweise fallen. Geschnitten wird zweimal pro Saison, und zwar am besten im Frühling und im Hochsommer. Der Strauch wächst schnell und lässt sich von ambitionierten Heckenschnippslern auch zu Skulpturen formen. Im Frühsommer treibt der Strauch an den Triebspitzen weiße, duftende Blütenbüschel, aus denen sich, so er nicht noch einmal geschnitten wird, jene schwarzen, bei Vögeln und Haselmäusen so beliebten Beeren entwickeln. Die sind, wie gesagt, nicht so giftig wie Tollkirschen, führen aber beim Verzehr großer Mengen zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2017)

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