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Hochsommerliche Blüher: Sonnenhüte für jede Fasson

22.07.2011 | 18:54 |  von Ute Woltron (Die Presse)

Wenn Sie Ihren Garten hauptsächlich als Abstellort für Sonnenliegen und Liegestühle sehen, von denen aus Sie schöne Blüten betrachten wollen, ohne je viel aufstehen zu müssen, dann sind Rudbeckien fortan Ihre neuen Lieblingsblumen.

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Als im Herbst vor zwei Jahren Gabriele F. anrief und verkündete, im schönen Hadersdorf am Kamp werde ein kleiner Garten aufgelöst, die meisten Pflanzen seien zwar schon ausgegraben, doch auch um den Rest der dort sonst zum Untergang verurteilten Pflanzen sei es schade, fuhr ich mit rauchenden Reifen und mit Trögen und Spaten ausgerüstet vor.

 

Experiment aus Erbarmen

Sie führte mich zu einem Gärtchen, das zwischenzeitlich von schneller Dagewesenen zu einer Wüstenei umgebuddelt worden war. Zwischen den kahlen Erdhaufen und Gräben wuchsen noch Reste irgendwelcher Grünzeuge, die man mit etwas gutem Willen als schwer in Mitleidenschaft gezogene Rudbeckien identifizieren konnte. Sonnenhüte also.

Davon hatte ich zwar sowieso schon genug, doch da uns Gärtnern botanisches Erbarmen vor wurzelnden Kreaturen aller Art innewohnt, grub ich die meisten von ihnen aus und im eigenen Garten in einem hastig angelegten neuen Beet gar nicht geringer Dimension wieder ein. Ausgang des Experiments unbekannt.

Da Rudbeckien vitale Unkräuter sind, wuchsen alle an. Sie wuchsen sich zu unterschiedlichen Höhen aus, und als sie schließlich im nächsten Sommer zu blühen begannen, gab es eine Rudbeckienorgie. Heuer, im zweiten Jahr, ist diese letztlich schlampig und in Eile angelegte Rabatte wahrscheinlich die beste in meinem Garten. Auch, weil ich sie so gut wie gar nicht pflegen muss. Die gedeiht wie von selbst.

 

Möglichst wenig Gartenarbeit

Mindestens sieben verschiedene Sorten von Sonnenhüten wachsen dicht an dicht in unterschiedlichen Höhen zwischen vierzig Zentimetern und zwei Metern. Die vormaligen Hadersdorfer Gartenbesitzer müssen Rudbeckienfanatiker gewesen sein. Inzwischen verstehe ich auch, warum.

Sollten Sie zur breiten Masse jener zählen, die im Garten möglichst wenig arbeiten, aber trotzdem einen schönen solchen haben wollen: Besorgen Sie sich Rudbeckien. Kleckern Sie nicht, klotzen Sie. Setzen Sie Rudbeckien ohne Ende nebeneinander.

Die Masse macht das Rennen. Pflanzen Sie die hohen Sorten – no na – in den hinteren Zonen Ihres neuen Sonnenbeetes, die niedrigeren kommen vorn hin, dazwischen können Sie ein paar Phloxe oder irgendwelche anderen ausdauernden Stauden einwerfen, deren Höhe Sie dabei selbstredend ebenfalls nicht außer Acht lassen sollten. Und dann legen Sie sich am besten genüsslich in die Sonnenliege und warten die kommende Saison ab.

Rudbeckien sind nicht nur vital und anspruchslos, sie haben außerdem den Vorteil, von Schnecken nicht sonderlich gemocht zu werden.

Es gibt unzählige Sorten, sie vermehren sich in Windeseile, die meisten blühen wochenlang, alle schauen mit ihren gelben Schöpfen fröhlich und frisch aus. Carl von Linné gab ihnen seinerzeit den Namen übrigens zu Ehren jenes Mannes, dessen altes Gärtchen er selbst an der Universität von Uppsala umgraben und zu einem der berühmtesten Horte botanischer Vielfalt machen sollte: Olof Rudbecks des Älteren. Der war sein Vorvorgänger am Lehrstuhl für Botanik gewesen.

 

Sonnenhüte nicht verwechseln!

Die nach ihm benannten Rudbeckien stammen aus Nordamerika, wo sie in den Prärien und Gebirgswiesen in voller Sonne zu stehen pflegen, wessentwegen sie unbedingt sehr sonnige Standorte brauchen, um reichlich zu blühen.

Stehen sie zu feucht, zu kalt, zu schattig, kann es sein, dass sie mehltauig werden, was man nun wirklich nicht braucht. Die Korbblütler säen sich selbst aus, sind aber auch im Herbst und im Frühling leicht mit dem Spaten zu teilen und damit unendlich zu vermehren.

Sie sollten sie allerdings nicht mit der Echinacea verwechseln, die ebenfalls Sonnenhut genannt wird, aber eine andere Gattung darstellt.

Gartentipps

Rudbeckien. Die diversen Sorten zeichnen sich nicht nur durch unterschiedliche Höhe aus – es gibt Sonnenhüte, die über zwei Meter hoch werden –, sondern auch durch Abwechslung in der Form der Blüte sowie der Farbe des Blütenbodens. Der kann gelb, braun, schwarz sein. Manche, wie die Sorte „Goldball“, sind gefüllt, andere, wie Rudbeckia occidentalis hat gar keine Blütenblätter, dafür riesige aufgewölbte Blütenböden, die wie Skulpturen im Garten stehen. Holen Sie sich, was Sie kriegen können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2011)

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