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Winter: Wo viel Frost, da wenig Schnecken

03.02.2012 | 18:21 |  von Ute Woltron (Die Presse)

Man darf die Kälte auch positiv sehen. Schneckeneier werden erfrieren, die hässlichen Cotoneaster in Nachbars Garten werden Schaden nehmen, und man hat Zeit für Gartenbücher.

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Viele Leute haben derzeit andere Sorgen als die um ihre erfrierenden Pflanzen im Garten, also wird hier angesichts des Umstandes, dass es sich tausende Menschen im reichen Land Österreich nicht einmal mehr leisten können, ihre Wohnungen zu heizen, jetzt nicht gejammert. Oder jedenfalls nur ein bisschen. Denn für Gartenfexe wie unsereins sind die sibirischen Temperaturen trotz alledem kein Spaß, vor allem, wenn, wie hier im Osten der Nation, keine dämmende Schneedecke über Pflanzen und Boden liegt. Das ist schmerzlich, weil empfindlichere Gewächse wie Rosen & Co. mit Sicherheit ordentlich Schaden nehmen werden.

Andererseits hat immer alles auch seine Vorteile, muss man sich sagen. So erfrieren zum Beispiel auch Abscheulichkeiten wie Cotoneaster, diese hässlichen Gartenmarkt-Invasoren der 1970er-Jahre, und wenn jeder eingegangene von ihnen später durch ansehnlichere Gewächse ersetzt wird, erfreut das Insektenwelt wie Passantenauge gleichermaßen. Um Ihre Stimmung aufzuheitern, darf des weiteren angemerkt werden, dass da draußen im Frost auch mit Sicherheit gerade ein Schneckenei nach dem anderen den Weg alles Irdischen geht. Das ist für den Gärtner fast das Beste an der Kälte: „Knacks“, vermeint man zu hören – und wieder ist eine Nacktschnecke weniger zu erwarten.

Diese eisige Phase wird viel Schaden anrichten, doch egal, da muss man durch, das hat es immer gegeben. Wir waren lediglich von ein paar wärmeren Wintern verwöhnt. Um Sie abzulenken, erst eine kleine Geschichte aus einem besonders kalten Jänner von vor vielen Jahren, und dann ein paar Buchtipps zur Zerstreuung.

Es ist ein alter Schmäh, dass Garten und Freiräume im Herbst winterfest gemacht werden müssen, denn wenn es dann einmal friert, kommt jeder Handgriff zu spät. Schmerzlich musste das die Großmutter seinerzeit erfahren, als sie an einem eisigen Wintertag mit Kopftuch und einem damals modischen Mantel aus Fohlenfell den Weg zu den großväterlichen Forellenteichen nahm. Sie ging zu Fuß. Diese Teiche lagen einen dreiviertel Kilometer entfernt. Sie waren im Sommer ein von Eisvögeln und Libellen durchschwirrtes Paradies, voll mit Fröschen, Kröten, Ringelnattern und anderen das Wasser liebenden Kreaturen, die zu fangen und zu beobachten das Allerbeste war.

 

Als die Großmutter einbrach

Im Winter war es dort vor allem unwirtlich. Den Bach- und Regenbogenforellen war das egal, die schwammen eisfrei, weil ihr Lebensraum von einer Quelle gespeist wurde. Über dem größten dieser Teiche befand sich ein hölzerner Steg. Den beschritt man, um die Forellen zu beobachten und täglich zu füttern. Wer ihn kannte, beschritt ihn vorsichtig, denn er war an mancher Stelle bereits morsch, und diese Stellen musste man kennen. Der Großvater schwor, sie im Frühjahr ausbessern zu wollen. Wir hüpften bis dahin um sie herum. Die Großmutter, sie ahnen es bereits, war im doppelten Nachteil, denn erstens hüpfen ältere Damen in schweren, fast bodenlangen Fohlenmänteln selten, und zweitens kannte sie besagte Stellen nicht.

Als sie von diesem legendär gewordenen Fischfütterungszug wiederkehrte, schleppte sie das Gewicht von vielen vielen Kilo Eis am Leib. Sie war in eine Art Eispanzer mit Fohlenfellintarsien gehüllt und nur noch wenig manövrierfähig, denn selbstverständlich war sie an morscher Stelle eingebrochen und bis über den Scheitel in voller Montur im Eiswasser versunken. Ein dreiviertel Kilometer bei starkem Wind und minus 20 Grad in nassem Pelz ist kein Vergnügen. Man musste sie fast aus dem Gewand herausschneiden.

 

Bücher für Faule und Kluge

So kann es auch gehen. Freuen Sie sich also über Ihre Heizung und überlegen Sie folgende Lektüren zur Überbrückung der Zeit der Untätigkeit: „Food Crash“ von Felix zu Löwenstein (Pattloch Verlag, € 19,99) erklärt im Untertitel, worum es im Buch geht: „Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr.“ Der das schreibt, betreibt selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb auf biologischer Basis und hat viel Interessantes zu Agrarindustrie, zu Düngemitteln, Pestiziden und Gentechnologie zu sagen. Den Faulen unter uns Gärtnern dürfte dagegen dieses Buch hier zupasskommen: „Pflegeleichte Gärten gestalten“ von Judith Supper (Christian Verlag, € 20,60) ist schön gemacht und erklärt pfiffig, wie man maximalen Effekt bei minimalem Aufwand erzielt. Eine echte Augenweide ist Anke Kuhbiers „Kluge Menschen und ihre schönen Gärten“, das 20 interessante Menschen, von George Sand bis Bert Brecht, mit ihren Gärten porträtiert (Callwey Verlag, € 39,95).

Gartentipps

Für heuer ist es bereits zu spät, doch wenn Sie dieses Buch über den Sommer lesen und alles, was da drinnen steht, im Herbst beherzigen, wird Ihr Garten sicher gut über den nächsten Winter kommen, egal wie kalt der auch werden sollte: „Gartenpflanzen richtig überwintern: Von Gehölzen, Stauden und Rosen bis zu Teich- und Kübelpflanzen“ von Christa Klus-Neufanger und Brigitte Goss ist 2011 bei Blv erschienen (€ 9,95).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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