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Der Demenz einen Teil ihres Schreckens nehmen

Bild: (c) Huber Verlag 

Unsere Einstellung zum Alter verschlimmere das Problem Demenz nur noch – ein Buch gibt Rat.

 (Die Presse)

Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz aus kulturwissenschaftlicher Perspektive bietet das Buch „Das Vergessen vergessen. Besser leben mit Demenz“ von Anne Davis Basting, Direktorin des Center on Age and Community an der Universität von Wisconsin in Milwaukee.

Die steigende Zahl Demenzkranker konfrontiert sämtliche Gesellschaften mit ganz neuen Herausforderungen. Demenz ist persönlich wie gesellschaftlich alles andere als leicht zu verkraften, die Erkrankung an sich bringt genügend Probleme mit sich; doch – und das ist eine zentrale Botschaft des Buches, unsere Einstellungen, unser kulturell geprägtes Denken über das Alter und das Altern mitsamt seinen Begleiterscheinungen machen die Sache nur noch schlimmer als nötig.

Das herrschende Denken über Demenz sei Teil des Problems. Ein Denken, das auch medial geprägt werde. Eine der Wurzeln der Ängste vor Demenz seien Darstellungen in Printmedien, Fernsehen, Kinofilmen und Werbung.

Teilweise werde Alzheimer als schreckliche Krankheit dargestellt. Es werde zu sehr in Schwarz-Weiß-Kategorien gedacht. Demenz würde ähnlich einer Schwangerschaft gesehen, kritisiert die Autorin: Ein bisschen dement sein gäbe es nicht. Entweder man sei dement oder eben nicht.
Und genau das sei grundfalsch. „Die betroffene Person kann noch gut und gern 15 weitere Lebensjahre und mehr vor sich haben. Die gesamte Zeitspanne ist eindeutig keine sinnlose Leere.“

Zentrale Fragestellung des Buches: Inwieweit tragen unsere Ängste vor Alter und Demenz zu den tragischen Bedingungen eines Lebens mit Demenz bei? Eine zentrale Angst, auf die Basting in ihren Interviews mit Betroffenen stößt, ist die Angst vor dem Vergessen. Vergessen ist zwar nur ein Symptom der Erkrankung, aber ein zentrales; jenes, das völlig in den Vordergrund tritt.

Verbliebene Fähigkeiten nutzen

Die Herausforderung: Es gilt herauszufinden, wie man mit den eigenen Ängsten vor der Krankheit umgehen kann. Manche Menschen mit Alzheimer und ihre Angehörigen versinken in Furcht und Trauer. Die erstrebenswerte Alternative der Autorin: Man solle durch seine Ängste hindurchgehen und die besten Seiten in sich selbst entwickeln. Ein großer Teil des Buches befasst sich mit verschiedenen Initiativen und Projekten, welche Erinnerungen dokumentieren und verbliebene Fähigkeiten nutzen. Konkret zeigt die Autorin, wie mit Theaterarbeit, Liedermachen, Tanzen, Malerei, Fotografieren und dem Schreiben einer Autobiografie Wachstum, Entwicklung, Humor und emotionale Verbundenheit von Menschen mit einer Demenz angeregt werden können.

Das Buch ist zwar US-amerikanisch geprägt, doch die Denkweisen über Demenz dürften sich dies- und jenseits des Atlantiks weitgehend ähneln. Freilich mutet so manches seltsam an, etwa, wenn es um die im Buch angedeuteten drohenden ökonomischen Katastrophen für den Einzelnen und die betroffenen Familien geht. Der Umstand, dass eine Demenzdiagnose die Kündigung der Krankenversicherung nach sich ziehen kann, ist im heutigen Europa gottlob nicht denkbar. th

TIPP

Anne Davis Basting
Das Vergessen vergessen - Besser leben mit Demenz
Huber Verlag,
323 Seiten, 24,95 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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11 Kommentare
Gast: Zenzine
09.08.2012 21:29
0

Hmmm...

...ich dachte bis jetzt immer, Demenz und Alzheimer sind zwei verschiedene Krankheiten. In diesem Artikel werden sie aber in einem Atemzug genannt.

Dabei ist meines Wissens Demenz nicht immer Alzheimer, obwohl natürlich Alzheimer auch eine Demenzerkrankung ist.

http://www.alzheimerinfo.de/alzheimer/demenz_alzheimer/index.jsp

Gast: dhdh
09.08.2012 20:51
1

Ich hab zwar Alzheimer

aber wenigstens hab ich kein Alzheimer!

Gast: Klingelingeling
08.08.2012 12:12
1

Typischer Ami Modeschrott

für Leute die gerade noch lesen können.
Offenbar wird Demenz mit Alzheimer gleichgesetzt. Demenz ist aber der Überbegriff über meist altersbedingten Verlust der Merk - und Denkfähigkeit des Gehirnes. Und dement kann man sehrwohl ein bißchen sein.
Da die meisten Demenzerkrankungen schleichend das Gehirn befallen.
Ob und wo man die Grenzen setzt, ist eine soziale Frage, überhaupt wenn man damit Dikriminierungsabsichten verbindet. Da das Buch von einer "Direktorin" eines "centers" kommt
wird es also Rezepte wie in Kochbüchern enthalten. Nach dem Motto : Steht mal alle auf und dann fest Kopfschütteln.

so

kein problem: die steuerhinterzieher, die gar keine sind werden immer dement erklaert, wenn die aerzte zu wenig verdienen, was sie immer meinen. es ist strafbar!

"Man solle durch seine Ängste hindurchgehen und die besten Seiten in sich selbst entwickeln."

"Konkret zeigt die Autorin, wie mit Theaterarbeit, Liedermachen, Tanzen, Malerei, Fotografieren und dem Schreiben einer Autobiografie Wachstum, Entwicklung, Humor und emotionale Verbundenheit von Menschen mit einer Demenz angeregt werden können."

Wer soll schreiben, malen, singen, wachsen etc., und was des Wahren, Guten und Schönen noch mehr ist - die Dementen oder ihre Angehörigen? Was will man uns hier glauben machen? Demenz sei, wenn man sich nur genügend bemühe, irgendwie wertvoll und schwanengleich? Das Vergessen mag ja am Beginn der Krankheit im Vordergrund stehen, von dort verschwindet es aber sehr bald, und es treten keineswegs Humor und Photographie an seine Stelle. Womit man dann in erster Linie, an vorderster Front und unausweichlich, und unausgesetzt, und: glauben Sie nur ja nicht, daß es da eine Pause gibt!, zu tun hat, sind unkontrollierte Ausscheidungen, Windeln, Gestank, Fäulnis, Urin, Kot, Druckgeschwüre, Beugekontrakturen, hilflose Physiotherapeutinnen, dominante Pflegewissenschaftlerinnen aka Krankenschwestern, Schluckstörungen, die Unfähigkeit zu essen, Magensonden, Dauerkatheter, chronische Harnwegsinfektionen, Bürokratie, Inkontinenzbeauftragte der Gemeinde Wien, Desinfektionsmittel, "Pflegeschaum", Klebsiellen, Pseudomonas, Escherichia coli, Verfall, Abbau. Und ja: Das kann sieben, acht, zehn Jahre dauern! Demenz und "Kulturwissenschaft" ist so ähnlich wie Demenz und "Pflegewissenschaft". Pfeifen im Wald.

Hart und wahr...

... sprechen Sie die Aspekte der bitteren Lebenswirklichkeit an. Jeder von Alzheimer oder einer ähnlichen gehirnzerstörenden Krankheit betroffene Mensch sollte die Möglichkeit haben, rechtzeitig und aus freier Entscheidung den Weg eines humanen, sicheren Suizids gehen zu können. Wenn das Leben zu schrecklich wird, kann der Tod zum Freund werden - Beschönigungen sind da absolut entbehrlich. Mißbräuche aller Art müßten selbstverständlich mit aller Schärfe verhindert werden.

Der Demenzkranke selbst

hat selten ein Problem damit, warum sollte er einen Suizid wollen?

Graue Theorie

Solang man noch klare, weitreichende, irreversible, bewußte Entscheidungen treffen kann, ist man nicht so krank, daß man sterben möchte, und nur die wenigsten werden bei fast völliger Gesundheit Selbstmord begehen. Der Übergang zum klinisch faßbaren Demenzstadium erfolgt aber oft abrupt oder wird vom Patienten selbst nicht erkannt; der Patient müßte genau den Moment VOR dem endgültigen Umschlagen in die Entscheidungs- und Handlungsunfähigkeit erkennen können - das ist in der Praxis kaum der Fall; der Selbstmord des Gunter Sachs ist eine seltene Ausnahme. Meine Erfahrung ist, daß die Patienten den Untergang ihres Denkvermögens nicht reflektieren können. Wenn den Angehörigen erste, eigentlich nicht besonders spezifische Symptome auffallen, die aber noch nicht einmal zur Diagnose führen, da sie einem gewöhnlichen Alterungsprozeß zugeschrieben werden - etwa der Unwille, in einem neuen Schrank ein Trinkglas zu suchen, finanzielle Angelegenheiten oder den Kirchgang nicht mehr ganz so ernst zu nehmen wie früher, leben die Patienten noch sehr gern. Zu diesem Zeitpunkt beruht die verbliebende Alltagskompetenz aber bereits auf Routine, auf Übung, auf Gewohnheit und Langzeitgedächtnis, auch die Konjugation lateinischer Verben funktioniert noch einwandfrei. Der Verstand, der zur Entscheidung zur Selbsttötung nötig wäre, ist aber längst dahin!

Sollten Ihrer Meinung nach Maßnahmen...

...bezüglich dieses großen und permanent wachsenden Problems getroffen werden ? Wenn ja - welche ?

Man läßt mich nicht antworten.


Re: Sollten Ihrer Meinung nach Maßnahmen...

Keine staatlichen Maßnahmen, wie Sie sie sich anscheinend vorstellen, etwa die Erlaubnis zur Tötung alter Leute, sondern andere: Die radikale Reform des Pflegegesetzes von 1997, das die sogenannte "kollegiale Führung" der Krankenschwestern einführte, wodurch dieses Personal sich ärztlichen Anweisungen nicht mehr fügen, ja sie nicht einmal entgegennehmen muß. Es wäre eine riesige Erleichterung für Patienten und Angehörige, wenn diese g*ößenw*hnsinnigen Arbeitnehmerinnen zur Arbeit anstatt zur Machtausübung und zum "Management" angehalten würden.

Wer noch denken kann, hat jetzt schon die Möglichkeit, eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht zu hinterlegen: lebensverlängernde Maßnahmen wie PEG-Sonden untersagen, mit der Vorsorgevollmacht Besachwaltung und damit Raubzüge familienfremder Rechtsanwälte und ihrer Komp*liz*en unter den R*ichter*inn*en verhindern. Eindringlich sei auch davor gewarnt, an die MA f*nfzehn = "F+on+ds so+zia+les Wien" samt allen gleich+gescha+lteten Betrieben wie Caritas etc. auch nur anzustreifen. Dies wird sich zwar nicht immer verhindern lassen, man muß sich aber darüber im Klaren sein, was es bedeutet: es handelt sich nicht um den Kontakt mit Personen, die helfen wollen, sondern mit Personen, die es gewohnt sind, zu herrschen und die jeden Widerstand der Untertanen - etwa den Wunsch, die Obrigkeit im Privathaushalt wieder loszuwerden und durch private Helferinnen zu ersetzen, mit Anzeigen, Verleu++mdungen und Ruf!mord beantworten.

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