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Überbewertung der Verstandesebene senkt Lebenslust

Bild: (c) Tyrolia-Verlag 

Ein Gleichgewicht zwischen Herz und Hirn macht glücklich, ein Buch zeigt Wege dazu auf.

 (Die Presse)

Den für viele Menschen schwer zu überwindenden Graben zwischen verstandesmäßigem Wissen und intuitivem Fühlen versucht Inge Patsch, inspiriert von Viktor Frankl, in dem Buch „Die Logik des Herzens“ zu überbrücken. Nach der Lebensphilosophie von Viktor Frankl, dem Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, leitet sie das Institut für Logotherapie und Existenzanalyse (Tilo) in Innsbruck. Die Autorin beschreibt, teilweise in Form von Dialogen, verschiedene Alltagssituationen, worin der Leser sich selbst erkennen kann und möglicherweise daraus lernen könnte, einen Lebenssinn zu finden.

Das größte Hindernis dabei sieht die Logotherapeutin darin, dass die meisten Menschen den Verstand höher bewerten als das Gefühl. Das technische Denken, das vor allem das Funktionale betone, habe nicht viel für das Persönliche des Menschen übrig. Werde jedoch die Verstandesebene überbewertet, gehe das auf Kosten von Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit. Verlasse man sich indes zu sehr auf Gefühle, könne das zu Entscheidungsschwäche, Orientierungsschwankungen und Planlosigkeit führen. Wie kann man nun dem „ Clinch“ zwischen Verstand und Gefühl entkommen?

 

Hirn kann auch empfinden

Hirnforschungen haben neue Erkenntnisse gebracht. Das menschliche Gehirn verfügt nicht nur über die Fähigkeit zu denken, sondern auch über die Möglichkeit des Empfindens. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde alles, was mit Gefühlen zusammenhängt, angezweifelt. Die neuen bildgebenden Verfahren können nun Prozesse darstellen, die sich im Gehirn, etwa beim Hören von Musik oder bei der Betrachtung eines Bildes, abspielen.

Die Botschaft daraus ist vielversprechend: Auch erwachsene Menschen können lernen, ein zufriedenstellendes Gleichgewicht zwischen gefühls- und vernunftbetonten Entscheidungen zu finden. Denn, so Patsch, es brauche beides, Verstand und Gefühl im Einklang, um glücklich zu werden. Seien Denken und Fühlen in Harmonie, dann könnten wir in heiterer Gelassenheit leben.

Im übertragenen Sinn will die Autorin „Verstandesfutter“ und „Seelennahrung“ für ein Gleichgewicht aus Herz und Hirn bieten. Das versucht sie etwa mit einem Dialog zwischen Albert, dem Verstandesmenschen, der logisch denken kann und weiß, was richtig und falsch ist, und Kasimir, der das Gefühl vertritt und schnell die richtige Stimmung erfasst. Der Leser kann die Situationen nachvollziehen und manches daraus lernen. Dazu machen zahlreiche Zitate von Philosophen, Dichtern, Künstlern, Politikern und natürlich auch von Viktor Frankl die Lektüre besonders interessant, humorvolle Zeichnungen lockern das Ganze noch einmal auf. Es ist jedenfalls ein amüsanter Versuch, Verstand und Herz in Einklang zu bringen. (nie)

TIPP

Inge Patsch
Die Logik des Herzens
Vertrauen in das Leben gewinnen

Tyrolia-Verlag,
128 Seiten, 14,95 €.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2012)

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6 Kommentare
Gast: MichiAusAustralien
21.10.2012 12:36
0

Meditation ...

ist ein erstklassiges mittel, dem verstand den richtigen stellenwert zuzuordnen.

Gast: aha
22.09.2012 16:39
3

danke für den lacher des tages

"Hirnforschungen haben neue Erkenntnisse gebracht. Das menschliche Gehirn verfügt nicht nur über die Fähigkeit zu denken, sondern auch über die Möglichkeit des Empfindens."

das ist ja in der tat eine bahnbrechende erkenntnis *facepalm*

ich würd ja gern das hirnstrombild vom verfasser des artikels, während dem schreiben sehen....

soso, "Technisches Denken" = "Verstand" ?

Rationalität wegschalten zu können, sollte eigentlich eine der notwendigen Basiskompetenzen der neuen Lehrpläne sein, genauso wie (oder als Teil von) Selbstorganisation und Lesen/Schreiben/Rechnen etc.

BERECHNENDE MENSCHEN (das ist etwas ganz Anderes) hingegen senken nicht nur Lebenslust, sondern zerstören aktiv jegliche Gefühlsbasis (rund um Menschlichkeit) und damit jeglichen menschenwürdigen Umgang miteinander ...

Gast: Gastrosoph
21.09.2012 07:23
2

So, so...

Auch das Gehirn fühlt mit... no na. Das Gehirn verarbeitet Informationen, die mittels unserer Sinnesorgane wahrgenommen werden. So werden Emotionen zu Gefühlen. Und es gibt kein Dualismus zwischen 'Herz' und Verstand, sondern eine Dialektik, die Neues entstehen lässt. Jedoch der, der nicht wahrnehmen will, kann, ja der ist abhängig von seiner unbewußten tierischen Existenz und verliert schon mal die Kontrolle.

Alles klar

Darum ist ein Großteil der Südländer so lustig.
Ja wer nichts zum denken hat geht eben unbelastet durchs Leben.

Die Wirklichkeit bleibt gleich

Die Wirklichkeit bleibt aber gleich, egal welche gefühlsmäßige Vorstellung man sich von ihr macht.

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