Ernährungsfalle: Versteckter Zucker in vielen Lebensmitteln

Konsumentenschützer warnen: Von Auslobungen wie "ohne Zuckerzusatz" oder "light" sollte man sich nicht blenden lassen.

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Symbolbild – (c) Erwin Wodicka

Nicht nur Fett macht fett. Einen Teil des ungeliebten Übergewichts holt man sich schon über Zucker, stark zuckerhaltige Getränke und dergleichen. Und manchmal ist auch Zucker drin, wo wir es gar nicht vermuten würden – in sauer eingelegtem Gemüse etwa, in Ketchup, Senf oder Wurst.

Einen Kreuzzug gegen diesen versteckten Zucker führt der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in der Oktoberausgabe der Zeitschrift „Konsument“. Zahlreiche verarbeitete Lebensmittel wurden auf ihren versteckten Zucker hin untersucht, darunter eingelegtes Gemüse, Getränke, Milchprodukte.

Apropos Milchprodukte: Da kauft man guten Gewissens einen Molke-Fastendrink eines bekannten Herstellers und dann schluckt man mit einem Viertelliter den Gegenwert von fast fünf Stück Würfelzucker hinunter.

Weitere Zuckerfallen finden sich in Kindergetränken, Near-Water-Getränken oder Fruchtsäften, auch in so manch sauer eingelegtem Gemüse kann Zucker stecken. Leider, heißt es in der Konsumentenzeitschrift, ist es nicht immer leicht, Zucker in der Zutatenliste zu erkennen. Denn mit „Zucker“ ist hier Haushalts- oder Kristallzucker gemeint. Dieser kann auch als Saccharose angeführt sein. Daneben gibt es aber auch noch Fruchtzucker (Fruktose), Traubenzucker (Dextrose), Malzzucker (Maltose), Milchzucker (Laktose). „Die Auslobung ,ohne Kristallzucker‘ bedeutet daher nicht automatisch, dass keinerlei Art von Zucker zugesetzt wurde“, erläutert Katrin Mittl, Ernährungswissenschaftlerin beim VKI. Und, so „Konsument“, hoher Zuckerkonsum erhöht auf Dauer das Entstehen von Übergewicht, Stoffwechselstörungen und Karies.

„Man darf Zucker aber nicht generell verteufeln“, schränkt Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Institutes für Ernährungsmedizin, ein. „Wer eine Bergtour macht oder einen Halbmarathon läuft, kann durchaus eine gewisse Menge Zucker vertragen. Es kommt immer auf die Situation und freilich auch auf die Menge an.“

 

Müsliriegel ist eine Nascherei

Couch Potatoes, so Widhalm und andere Ernährungsexperten, sollten indes selten zu zuckerhaltigen Speisen und Getränken greifen. Die britische Konsumentenorganisation Which? beispielsweise bekrittelte unlängst den hohen Zuckergehalt in vielen Müsliriegeln. Auch der VKI ortet in Müsliriegeln und Fruchtschnitten viel Zucker. Sie seien daher kein gesunder Snack, sondern eine Nascherei. Ein Tipp der Konsumentenschützer: nicht blenden lassen von Auslobungen wie „ohne Zuckerzusatz“ oder „light“, sondern einfach die Zutatenliste genau lesen. Steht Zucker am Anfang der Liste, ist viel davon im jeweiligen Produkt enthalten.

Und wer statt herkömmlichem weißen Zucker braunen oder Rohrzucker nimmt, darf sich davon auch keine physiologischen Vorteile erwarten, betont man bei Forum Ernährung heute. Selbst die meisten Honigarten bestünden zu 80 Prozent aus Trauben- und Fruchtzucker. (cr)

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.konsument.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2012)

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