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Massage im Hotel: Qualität lässt oft zu wünschen übrig

Symbolbild / Bild: (c) Www.BilderBox.com (Www.BilderBox.com) 

Wellness-Guru und "Relax Guide"-Herausgeber Christian Werner kritisiert: Hotelmassagen werden oft von Personen ohne Massageausbildung durchgeführt. Der Fachverband der Hotellerie ortet keinen Handlungsbedarf.

 (Die Presse)

„Es ist traurig und kommt immer öfter vor, dass billige, angelernte Hilfskräfte in Hotels massieren. Freilich beherrschen die das Handwerk eines ausgebildeten Masseurs nicht. Das bringt unseren Berufsstand zu Unrecht in ein schlechtes Licht“, klagt der Spa-Leiter eines bekannten Hotels in Niederösterreich. Er will namentlich verständlicherweise nicht genannt werden.

Das Massageproblem kennt Christian Werner, Wellness-Guru und Herausgeber des Hotelführers „Relax Guide“, schon seit einigen Jahren. Als er vor 14 Jahren den ersten „Relax Guide“ herausgegeben habe, wäre der Großteil der Massagen zufriedenstellend gewesen. „Seit damals hat sich die Zahl der österreichischen Wellnesshotels fast vervierfacht. Heute gibt es mehr als 1000 solcher Hotels in Österreich, das ist einfach zu viel, da sparen manche bei der Bezahlung des Personals. Dessen Qualität ist sukzessive gesunken, heute wird die Hälfte der Massagen nicht zufriedenstellend durchgeführt, rund ein weiteres Drittel ist unzureichend bis inkompetent.“ Eine Wurzel dieses Übels ortet er darin, dass „die Behandlung von Personen durchgeführt wird, die gar keine Massageausbildung haben“.

Matthias Koch, Geschäftsführer Fachverband Hotellerie in der österreichischen Wirtschaftskammer, lässt dieses Thema nicht als Schwachstelle der österreichischen Hotellerie gelten, „wir haben keine Beschwerden“.

 

Neuer „Relax Guide“ 2013

Dagmar Zeibig von der Bundesinnung für Fußpflege, Kosmetik und Massage meint, Christian Werner könne das gar nicht beurteilen, er habe ja selbst keine Massageausbildung. „Ich massiere ja auch nicht“, erwidert Werner und rät: „Hände weg von Massagen mit Fantasienamen wie ,afrikanische Isis-Massage mit Kaviar‘.“

Zeibig, die in vielen Hotels höchst qualitative Massagen erlebt hat, empfiehlt, den Masseur zu fragen, ob er eine Lehrabschlussprüfung, eine Befähigungsprüfung oder eine Ausbildung zum Medizinischen oder zum Heilmasseur gemacht und wie lange er dafür gebraucht habe. „Wenn einer sagt, zwei oder drei Jahre, dann darf man sich schon etwas Gutes erwarten, wenn jemand aber von einigen Wochenenden spricht, kann er nie eine echte Masseurausbildung haben, denn die dauert mindestens zwei Jahre.“

Gute Massagen darf sich der Gast in den vom „Relax Guide“ mit der Höchstnote vier Lilien ausgezeichneten Hotels erwarten. 2013 sind es sieben (Aenea in Reifnitz; Der Steirerhof in Bad Waltersdorf; Hochschober auf der Turracher Höhe; Reiters Supreme in Bad Tatzmannsdorf; Ronacher Thermenhotel in Bad Kleinkirchheim; Salzburgerhof in Zell am See; Schalber Wellness Residenz in Serfaus), vor zehn Jahren waren es noch 20.

 

Gestiegene Hotelpreise

Gesunken ist also offensichtlich die Qualität, dafür stiegen die Preise. „Heuer ist der durchschnittliche Hotelpreis für Halbpension mit 85,73 € erstmals signifikant höher als in Deutschland, wo dieser Preis bei 82,86 € liegt“, vermerkt Werner. Dafür haben in Österreich weniger als zehn Prozent der Hotels Day Spas, wo also auch Leute von der Straße hineinkommen, in Deutschland sind es mehr als 50 Prozent.

Neu im „Relax Guide“ 2013 (1029 Hotels für Wellness und Gesundheit, um 24,90 € im Buchhandel erhältlich) sind die Kategorien familienfreundlich (Hotel hat Infrastruktur für Kinder), kinderfreundlich (Infrastruktur und ganzjährige Kinderbetreuung), hundefreundlich (bedeutet, dass man seinen Hund ohne vorherige Absprache mitnehmen kann; derzeit in 45 von 288 Lilienhotels möglich).

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.relax-guide.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2012)

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2 Kommentare

„wir haben keine Beschwerden“

Es gibt doch mit vielen Berufsgruppen
Zufriedenheit ohne Fachkompetenznachweis. In Schulen unterrichten auch Studenten, Handwerker sind gut angelernt, selbst in der Politik sind doch nur wenige Profis.... Das mit der Ausbildung wird bei rundum sinkenden Grundkompetenzen immer öfter ein Wunschziel bleiben. Solange Kunden nicht klagen - ist, wie oben nachzulesen, auch ein Argument, den Istzustand zu akzeptieren.

Re: „wir haben keine Beschwerden“

"Das mit der Ausbildung wird bei rundum sinkenden Grundkompetenzen immer öfter ein Wunschziel bleiben."

Da kann ich Ihnen aber nicht beipflichten.

Wenn ich in ein Fachgeschäft gehe um mich beraten zu lassen erwarte ich eine fachliche Beratung.
Wenn ich mich in einen Hotel massieren lassen will soll dies ein Fachmann/frau tun.

Diesen "Istzustand", wie Sie schreiben, zu tolerieren bedeutet qualitative Einbuße und diese wird sich a la longue noch verstärken.
Wenn man nichts dagegen unternimmt wird alles irgendwann tiefstes Niveau.


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