Sport verleiht der Sexualität Flügel

Körperertüchtigung tut nicht nur der Fitness und der Figur gut, auch Libido und Potenz profitieren. Das wird eines der Themen auf der Sportärztewoche in Zell am See sein.

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c AP ROLAND WEIHRAUCH

Sport macht sexy – im doppelten Sinn des Wortes: sexy im Sinne eines anziehenderen Körpers, sexy im Sinne von mehr Lust, mehr Libido. Das gilt für beide Geschlechter. Männer beglücken sportliche Aktivitäten zudem mit mehr Potenz und später oder gar nicht einsetzender Impotenz. „Es ist erwiesen, dass körperliche Aktivität die Lust auf Sexualität bei Männern und Frauen steigern kann“, betont Markus Margreiter, Urologe am AKH Wien. Der Fachmann wird im Rahmen der Sportärztewoche in Zell am See am 5.Dezember über „Sport und Sexualität“ einen Vortrag halten.

 

Impotenzrisiko enorm verringert

Bei Männern geht die Lustvermehrung vermehrt über die Schiene Testosteron. „Besonders Ausdauersport kurbelt die Produktion dieses Hormons an“, weiß Margreiter. Da genügen schon 90 Minuten in der Woche, wobei zweimal 45 Minuten besser als dreimal 30 Minuten sind. „Weil der Körper ab einer halben Stunde beginnt, ideal aufzubauen und Testosteron entsprechend gesteigert wird.“

Eine internationale Studie unter der Leitung der Universitätsklinik Wien brachte vor drei Jahren folgendes beeindruckendes Ergebnis: Männer, die durch sportliches Training pro Woche zusätzlich 3000 Kilokalorien verbrauchen – das entspricht etwa einem Aufwand von fünf Stunden wöchentlich – , verringern ihr Impotenzrisiko um sagenhafte 83 Prozent.

 

Radeln und Erektionsprobleme?

Potenzprobleme, so Margreiter, nehmen bei Männern ab 50 stark zu. „Durch regelmäßige körperliche Ertüchtigung kann man das Auftreten von Impotenz nach hinten verschieben oder ganz verhindern.“ Auch wer schon massive Probleme hätte, könnte sie mit mehr Sport und einigen anderen Lebensstilmodifikationen durchaus bessern. Ideale Sportarten sind Laufen, Schwimmen, Nordic Walking, Ski-Langlauf, Rad fahren.

Stichwort Rad fahren: Was ist dran, an der oft gehörten Aussage, dass ausdauernder Sattelsport bei Männern Potenzprobleme verursachen kann? „Das stimmt bedingt“, erwähnt Margreiter. Wer fünf bis zehn Stunden pro Woche intensiv radelt, der könnte prinzipiell schon Erektionsstörungen erleiden. Das positive Aber: Derlei Probleme sind vorübergehend, also reversibel. Außerdem kann man ihnen mit dem richtigen Sattel und mit der richtigen Technik begegnen. Der Sattel sollte nicht zu schmal sein und „bei längeren Strecken immer wieder eine kurze Pause einlegen oder einfach aufstehen, damit die Durchblutung wieder besser wird“, rät der Fachmann.

 

Sport gegen den Sexkiller Stress

Sport wirkt sich aber nicht nur auf die Hormonproduktion aus, er hat auch sehr positiven Einfluss auf den Zustand von Blutgefäßen – generell auf alle Gefäße und speziell auf die im Beckenbereich. „Ein gut durchblutetes Becken sorgt auf mehreren Ebenen für Benefits. Zum einen werden Erektions- und sexuelle Leistungsfähigkeit gesteigert, zum anderen aber auch das Empfinden, das Gefühl“, berichtet Margreiter. Und noch ein weiteres Faktum spricht für den Sport als Unterstützung der körperlichen Liebe: Das sexuelle Verlangen wird vermehrt. Denn Training baut bekanntermaßen Stress ab, und Stress ist ja ein gewaltiger Sexkiller. Die positive Spirale setzt sich quasi als perfekter Kreislauf fort: Auch beim Sex selbst wird Stress abgebaut. „Nach befriedigender Zweisamkeit kann man meist sehr gut schlafen, und das wiederum erhöht die generelle Fitness, die wiederum die sexuelle Power stärkt.“

Apropos Fitness: Früher war Sex Profisportlern vor Wettkämpfen strikt untersagt. Margreiter: „Heute weiß man, dass Sportler nach schönen Nächten psychisch viel ausgeglichener sind, weil Glückshormone produziert werden, die den parasympathischen Teil des Nervensystems aktivieren. Und heute weiß man auch, dass das keinen Abfall von Leistungsfähigkeit nach sich zieht, im Gegenteil.“ Sport gewinnt also durch Sex, und Sex gewinnt durch Sport.

 

Extremsport senkt Testosteron

„Kontraproduktiv ist allerdings Extrem- und Kraftsport, die können die Lust eher bremsen“, gibt Margreiter zu bedenken. Nach einem Ironman-Bewerb werden Testosteronspiegel und Libido eher im Keller sein. Und bei Frauen kann Extremsport zum Ausbleiben der Menstruation und zu Essstörungen führen, da bleibt die Libido auf der Strecke.

Otto Normalsportler wird ja ohnehin nicht extrem. Und „Normalsport“ beschert Mann und Frau noch etwas durchaus Erstrebenswertes: „Das gesamte Körperbild verändert sich zum Positiven, fester, straffer, schlanker. Aber auch die Seele profitiert, man fühlt sich in seiner eigenen Haut wohler, hat ein anderes Auftreten, mehr Ausstrahlung – ich würde behaupten, auch mehr sexuelle Ausstrahlung“, betont Margreiter abschließend.

Auf einen Blick

Vor allem Ausdauersport kurbelt die Produktion des Hormons Testosteron an. Zudem senkt er das Impotenzrisiko um 83 Prozent.

Sport und Sexualität wird eines der Themen auf der Sportärztewoche in Zell am See sein.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.sportaerztewoche.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2012)

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