Medikamente: Ein Schritt zur personalisierten Dosierung

Massenspektrometrie: Genaue Messung von Arzneimittelspiegeln im Blut und Dosisanpassung führen bei einigen Leiden zu rascherer Verbesserung.

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Symbolbild – (c) Erwin Wodicka wodicka aon at (Erwin Wodicka)

Zu viel oder zu wenig? Welche Dosis eines Medikaments ist richtig, um die gewünschte Wirksamkeit zu erzielen, aber Nebenwirkungen möglichst niedrig zu halten? „Die Dosisspanne zwischen Unwirksamkeit, Wirksamkeit und Unverträglichkeit ist relativ klein. Es ist daher wichtig, die Menge zu finden, die eine Wirkung gewährleistet, aber eine Überdosis und damit Nebenwirkungen vermeidet“, erklärt Christoph Seger vom Zentralinstitut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der Universitätsklinik Innsbruck.

Diesen Schritt zur personalisierten Medikamentendosierung ermöglicht die Massenspektrometrie. Es handelt sich um eine chemische Analysemethode, die eine besonders exakte Messung von Medikamentenspiegeln im Blut ermöglicht. Mittlerweile kann exakt gemessen werden, wie viel eines Medikaments im Blutspiegel vorhanden ist, das geht etwa bei Immunsuppressiva, Präparaten mit Wirkung auf das Zentralnervensystem oder antiviralen Medikamenten.

„So kann etwa eine raschere Verbesserung des Krankheitsbildes mit Hilfe genauer Messung von Medikamentenspiegeln bei der Gabe von Anti-Epileptika oder Anti-Depressiva erzielt werden, die individuell abgestimmt werden. Auch bei der Testung von Vitamin D-Mangel gewinnt die Massenspektrometrie zunehmend an Bedeutung“, erwähnt Seger. Derzeit steht diese Technik an Universitätskliniken und in einigen großen Laborgemeinschaften zur Verfügung.

Ein gutes Zeugnis stellt Herbert Stekel, Leiter des Zentrallabors im AKH Linz, den heimischen Labors bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie aus. „Die Laborfehler liegen im Hunderstel-Promille-Bereich. Wenn Laborfehler passieren, so liegen die Ursachen meist bei der Abnahme oder dem Transport des Blutes oder Probematerials.“ Ein klassisches Beispiel: Der Patient soll nüchtern sein, hat aber etwas gegessen und teilt das dem Arzt nicht mit. Ebenso wichtig ist es, dass der Patient dem Arzt berichtet, welche Medikamente er einnimmt.

Die neuen Blutgerinnungshemmer wie Dabigatran oder Rivaroxaban bringen für den Patienten gewisse Erleichterungen mit sich. „Für die Labormediziner bringen sie allerdings auch neue Probleme“, warnt Walter-Michael Halbmayer vom Zentrallaboratorium im Krankenhaus Hietzing. „Denn die neuen Antikoagulantien können Ergebnisse verfälschen und eine krankhafte Veränderung des Gerinnungssystems vortäuschen.“

Daher sollen dem Labor der Name des Präparates sowie der Zeitpunkt von Einnahme und Blutabnahme mitgeteilt werden. Außerdem empfehlen Labormediziner, die Befunde bei ein und demselben Labor einzuholen und die Ergebnisse nicht mündlich durchzugeben, um Fehler zu vermeiden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2012)

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