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Neue Auslöser von Allergien entdeckt

Neue Auslöser von Allergien entdeckt / Bild: Reuters 

Der Anstoß für die leidgen Niestiraden von Allergikern ist diffiziler als bisher angenommen.

 (DiePresse.com)

Eine internationale Forschergruppe hat in Graspollen mehrere Proteine gefunden, die nicht dem Bild bereits bekannter Allergieauslöser entsprechen und trotzdem allergische Reaktionen verursachen können. Dafür nehmen sie offenbar Umwege über Boten-Moleküle, die wiederum die Immunabwehr aktivieren. Das könnte möglicherweise zu neuen Therapieansätzen für Allergiker führen, berichten Forscher vom La Jolla Institute for Allergy an Immunology (US-Bundesstaat Kalifornien) in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Christian-Doppler-Labors für Allergiediagnostik und -therapie an der Universität Salzburg in der Fachzeitschrift "PNAS".

Das US-Team hatte in einer früheren Studie erkannt, dass die Immunreaktion im Blut von Graspollenallergikern auf den Pollenextrakt stärker ausfällt, als auf die Graspollen-Allergene, also die Stoffe, die für die eigentliche allergischer Reaktion verantwortlich sind, alleine. Eine Subgruppe von Immunabwehr-Zellen, also spezielle T-Zellen, die für die allergische Reaktion verantwortliche Immunglobulin E (IgE)-Antikörper bilden, reagierten stärker. "Es ging dann darum, danach zu suchen, was noch in den Pollen enthalten ist, das die T-Zellen der Allergiker so stark stimuliert, ohne ein Allergen zu sein", so die Molekularbiologin Fatima Ferreira-Briza von der Uni Salzburg im Gespräch.

Anregende Boten-Moleküle

Die Forscher haben sich daraufhin die Erbinformation der Pollen ganz genau angesehen, um herauszufinden, für welche Proteine genetische Bauplänen vorliegen. Dabei zeigte sich einerseits, dass "es mehrere Varianten von Allergenen gibt, die bisher unbekannt waren" und andererseits Proteine enthalten sind, die nicht an den IgE-Antikörpern binden und trotzdem die T-Zellen der Allergiker stimulieren können.

Es scheint, als könnten sie Boten-Moleküle, die am Entstehen einer Allergie mitbeteiligt sind, anregen. "Das ist interessant, weil man vorher gedacht hat, dass das nur die Allergene machen können. Mit diese Arbeit ist klar geworden, dass das auch andere Proteine in den Pollen können", so Ferreira-Briza.

"Vielleicht gibt es ganze Netzwerke"

Die Salzburger Forscher fanden schon in den 1990er-Jahren Hinweise auf ähnliche Abläufe bei ihren Untersuchungen mit Birkenpollen, damals waren es allerdings Varianten von Allergenen. Ferreira-Briza: "In dieser Arbeit sind es aber total andere Proteine, die absolut nicht allergen sind." Angesichts dieser Ergebnisse müsse man womöglich das Bild von Allergenen erweitern: "Vielleicht sind nicht nur Proteine, die an IgE binden Allergene, sondern auch andere, die zusammenwirken. Vielleicht gibt es ein ganzes Netzwerk, das am Entstehen von Allergien beteiligt sind."

Bei herkömmlichen Impfstoffen, die an den IgE-Antikörpern binden, könne es zu Nebenwirkungen kommen. Da man nun wisse, dass andere Stoffe "mitwirken", könne man nun überlegen, ob diese Stoffe Angriffsmöglichkeiten für neue, nebenwirkungsfreiere Therapieansätze bieten, erklärte die Forscherin.

 

(APA)

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1 Kommentare

Eigenartig,

dass Allergien plötzlich auch im Alter auftreten können bzw. bei Kindern dramatisch ansteigen! Könnte der Grund in der zunehmenden Belastung des Immunssystems durch chemisch denaturierte Nahrungsmittel und die zunehmende Luftverschmutzung liegen? Sind Landkinder eigentlich weniger von Allergien betroffen, Frauen oder Männer jeweils mehr? Wo sind verlässliche statistische Untersuchungen Herr Gesundheitsminister!

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