Neue Therapie zu Hause: Hirnsignale selbst steuern

Grazer Forscher nutzen die Möglichkeiten von Neurofeedback für Schlaganfallpatienten nach der Rehabilitation.

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Therapie – Clemens Fabry

Zu Hause passiert meist nichts mehr: Ist die Rehabilitation nach einem Schlaganfall abgeschlossen, war es das meist: Kognitives Training gibt es nur in seltenen Fällen. Und das ist schade, denn eine kognitive Besserung ist noch lange nach dem Eintreten einer Gehirnläsion möglich. Eine Forschungsgruppe aus Graz möchte erwähntem Manko ein Ende bereiten: Sie arbeitet – zusammen mit einem europaweiten Netz – an einem kognitiven Training für Schlaganfallpatienten, das auf Neurofeedback basiert und von zu Hause aus absolviert werden kann.

Neurofeedback besteht, kurz erklärt, aus Elektroden, Computer und Bildschirm. Die Elektroden messen Gehirnströme und zeigen die Frequenz auf einem Bildschirm an. Durch das permanente Feedback über den Computer lernen die Menschen, ihre Gehirnströme gezielt zu steuern. „Wir haben das Gerät für Schlaganfallpatienten adaptiert. Und zwar so, dass die Geräte von Laien bedient und auch zu Hause eingesetzt werden können“, sagt Guilherme Wood, Psychologe an der Grazer Karl-Franzens-Universität. Therapeuten können per Fernzugriff beobachten, ob der Patient daheim alles richtig macht, und bei Bedarf eingreifen.

Die Erfahrungen, die man mit bislang rund 40 Patienten gemacht hat, waren ausgezeichnet. „Fast bei allen konnten wir kognitive Verbesserungen sehen. Das Projekt wird von der EU finanziert und nennt sich Contrast.“ Aber das neuartige Gerät kann noch mehr: „Es leistet auch diagnostische Dienste“, sagt Wood. Soll heißen: Es gibt Empfehlungen, welches spezifische Training der Patient braucht.

„Wenn er zum Beispiel depressiv ist, wird eine Neurofeedback-Intervention zur kognitiven Leistungssteigerung nutzlos sein, denn Depressionen unterdrücken Kurzzeitgedächtnis und Aufmerksamkeit“, so Wood. Das Gerät wird also eine Behandlung der Depression mittels Neurofeedback empfehlen und dann erst die eigentliche kognitive Therapie. „Auch hier gibt es verschiedene Module, je nachdem, ob man Gedächtnisleistung oder Lernfähigkeit steigern und/oder Aufmerksamkeitsstörungen bekämpfen will.“

Das Heimgerät für Neurofeedback soll noch Ende dieses Jahres vermarktet werden. „Es ist daran gedacht, dass es Kliniken kaufen und an Patienten vermieten“, sagt Wood. „À la longue wird es günstig sein, denn der Therapeut kann gleichzeitig mehrere Patienten betreuen.“

Schlaganfall

Alle 20 Minuten ereignet sich in Österreich ein Schlaganfall, insgesamt sind es rund 25.000 pro Jahr. Etwa ein Viertel der Betroffenen stirbt innerhalb kurzer Zeit.

Bei 85 Prozent der Schlaganfälle handelt es sich um eine Verstopfung eines Gefäßes und in Folge Durchblutungsstörungen im Gehirn, der Rest sind Hirnblutungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2014)

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