Schwachstelle der Skifahrer

Wer sein Knie beim Skifahren belastet, sollte seine Muskeln vorher mit Skigymnastik trainieren.
Wer sein Knie beim Skifahren belastet, sollte seine Muskeln vorher mit Skigymnastik trainieren. / Bild: APA 

Das Knie ist eines unserer verletzlichsten Gelenke. Gerade beim Skifahren wird es besonders beansprucht. Wie man es am besten schützen kann.

 (Die Presse)

Das Knie ist eines unserer verletzlichsten Gelenke. Kein Wunder, dass es bei Stürzen im Wintersport sehr oft Schaden nimmt. Doch nicht alle Wintersportler sind gleich anfällig: „Am häufigsten sind Alpinskifahrer betroffen, Snowboarder verletzen sich eher im Bereich der oberen Extremitäten. Auch bei Langläufern sind Knieverletzungen nicht so häufig, weil die Bindung doch sehr flexibel und das Tempo nicht so hoch ist“, sagt Thomas Müllner, Knieexperte und Orthopädievorstand am Evangelischen Krankenhaus Wien. Zu den häufigsten Knieverletzungen wiederum gehören Meniskuseinrisse, Seitenband- und Kreuzbandrisse. Auch Brüche des Schienbeinkopfs kommen oft vor.

Kann man derlei Verletzungen vorbeugen? Antwort: bis zu einem gewissen Grad. Die erste Prävention sollte noch vor Wintereinbruch beginnen – Stichwort Skigymnastik. Freilich ist es idealer, wenn man das ganze Jahr Bewegung macht, aber: Besser ist es, fünf oder sechs Wochen Skigymnastik durchzuführen als nichts zu tun. Auch die Ausrüstung gehört auf Vordermann gebracht, ein Service, wie man es auch beim Auto macht, sollte man auch den Skiern angedeihen lassen. Wer anfällig ist, kann sich Aktivbandagen zur Entlastung und Stabilisierung des Kniegelenks beschaffen. Und wer länger nicht auf den Skiern gestanden ist, dem tun ein paar Stunden mit dem Skilehrer gut.


Erst aufwärmen, dann losfahren

Auch auf der Piste selbst kann man Unfällen und Knieverletzungen noch vorbeugen: indem man sich beim Fahren nicht überschätzt, erst aufwärmt, dann losfährt und aufhört, wenn man müde ist. Die meisten Unfälle passieren übrigens am Nachmittag, wenn Kondition und Konzentration nachlassen. Aber auch die ersten Schwünge in der Früh führen oft zu Stürzen, weil man noch nicht aufgewärmt ist.

Ein gewisses Risiko stellen auch Schwünge abseits der Piste, also im freien Gelände, dar. „Dort zu fahren ist natürlich herrlich, aber nicht ganz ungefährlich“, sagt Müllner, selbst ein begeisterter Geländefahrer.

Nicht ungefährlich sind auch Carving-Skier, die sich zwar leicht drehen lassen, „die man aber ständig kontrollieren muss. Wenn die von der Muskulatur ein bisschen freigegeben werden, fahren sie gern in eine andere Richtung oder nehmen eine Spur, in die man gar nicht fahren will.“ Weil die relativ aggressiven Carving-Skier eben gern ausbrechen, gibt es damit immer öfter Kreuzbandrisse auch ohne Sturz.


Ein kurzes Knacken

Durch das unkontrollierte Weggleiten der Skier verdreht sich das Knie unglücklich, und es kommt zu einem Verdrehtrauma des Kniegelenks. So können Kreuzband und/oder Meniskus reißen oder zumindest in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Betroffene spürt dann oft ein kurzes Brennen, vielleicht auch einen Schnalzer, ein knackendes Geräusch. Die Schmerzen lassen oft wieder nach und treten erst bei Belastung wieder auf.

Muss jeder Kreuzbandriss operiert werden? „Die meisten Knieverletzungen müssen nicht operiert werden, zumindest nicht sofort, da kann man sich schon ein wenig Zeit lassen. Man muss also nicht unbedingt gleich vor Ort operieren lassen, man kann ein wenig zuwarten und zu Hause zum Arzt seines Vertrauens gehen“, sagt Müllner. Ob ein Kreuzbandriss operiert wird, hängt erstens von der Schwere der Verletzung ab und zweitens von den Ansprüchen des Patienten. Ein junger Skifahrer, der noch ordentlich wedeln und andere Sportarten ausüben will, sollte sich operieren lassen. Ein älterer Mensch, dem wandern und radeln genügt, kann darauf verzichten – es sei denn, das Knie ist zu instabil.

Wird nicht operiert, sind Gehstützen und Orthesen, das sind Kunststoffschienen, angebracht. Ähnliches gilt für einen Meniskusriss, der ebenfalls sehr häufig und oft in Kombination mit einem Kreuzbandriss auftritt. Anschließend ist – wie bei Brüchen auch – Physiotherapie angesagt.


Verletzungen mit Langzeitfolgen

Brüche gehören schnell versorgt, in den meisten Fällen mit einem Gipsverband. Mitunter ist aber auch hier eine Operation nötig. „Vor allem, wenn die Knochen nach einem Bruch verschoben oder eingestaucht sind“, sagt der Experte. Freilich gibt es hier auch Betroffene, die auf eine Operation pochen, weil sie so schnell wie möglich wieder mobil sein wollen. Ob ein minimal-invasiver Eingriff möglich ist, hängt wiederum von der Art des Bruches ab.

Ob Operation oder nicht, Knieverletzungen können auf lange Sicht degenerative Prozesse im Gelenk begünstigen und so zur Entwicklung einer Arthrose führen.

Das Knie

Anatomie. Jedes Knie hat zwei Kreuzbänder – ein hinteres und ein vorderes. Bei Letzterem treten Verletzungen deutlich häufiger auf. Kreuzbänder verbinden den Oberschenkelknochen mit dem Schienbein und stabilisieren das Kniegelenk. Daneben gibt es noch Seitenbänder (Außen- und Innenband), auch sie sind ziemlich verletzungsanfällig.

Unfall. Ein Kreuzbandriss ist eine der häufigsten Verletzungen im Knie, das Band kann ganz oder nur teilweise reißen.

Schmerzen. Symptome einer Knieverletzung sind etwa Schmerzen, Schwellungen, Blutergüsse, beeinträchtigte Beweglichkeit und Instabilität des Kniegelenks.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2017)

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