Spenden: Blut ist durch nichts zu ersetzen

Das Rote Kreuz ruft wie häufig zur Erkältungszeit dringend zu Blutspenden auf. In ganz Österreich haben die Lagerstände aufgrund der Grippewelle ein "kritisches Niveau erreicht", heißt es.

Zu diesem Thema ein paar Informationen: In Österreich wird ca. alle 90 Sekunden eine Konserve benötigt, insgesamt bis zu 350.000 Stück pro Jahr. Blut ist im Notfall durch nichts zu ersetzen und ist nur 42 Tage lang haltbar.

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Während einer Blutspende werden im Liegen ca. 450 ml Blut (im Körper eines erwachsenen Menschen zirkulieren zwischen fünf und sieben Liter Blut) aus der Armvene entnommen. Die Blutspende selbst dauert nicht länger als zehn Minuten.

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Die erste dokumentierte Blutspende lief übrigens weniger erfolgreich ab: Im Juli 1492 gaben drei Zehnjährige dem im Sterben liegenden Papst Innozenz VIII. ihr Blut. Die drei Kinder überlebten das Experiment nicht, der Papst blieb krank.

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Neben der Vollblutspende bieten die Blutspendedienste mittlerweile auch andere Möglichkeiten der Blutspende. Für den Fall einer bevorstehenden Operation ist es möglich, ein Eigenblutdepot anzulegen. Bei der Multi-komponentenspende (z. B. Thrombozytenspende) wird jeweils der Blutanteil gespendet, den schwerstkranke Patienten am nötigsten brauchen.

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Blut spenden können in Österreich alle gesunden Frauen und Männer ab 18 Jahren. Sie müssen mindestens 50 kg Körpergewicht und einen Body-Mass-Index von 19 haben. Erstspender dürfen aber nicht älter als 60 Jahre sein.

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Frauen und Männer können alle acht Wochen, Frauen können vier- bis fünfmal jährlich, Männer sechsmal innerhalb von 365 Tagen Blut spenden. Ausschluss gilt während der Stillperiode.

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Dass in Österreich und Deutschland Schwule dauerhaft von der Blutspende ausgeschlossen sind, sorgt seit Jahren für Diskussion. Dieser Ausschluss erfolgt aufgrund eines signifikant höheren Infektionsrisikos für HIV und des verbleibenden Restrisikos bei der Diagnostik. Leider kann dieses Restrisiko nicht ausgeschlossen werden, bedauert das Rote Kreuz.

In Frankreich wurde das Verbot, das 1983 aus Angst vor dem Aids-Virus verhängt worden war, 2016 wieder aufgehoben.

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Der Blutkreislauf ist mit einer Länge von 96.000 Kilometern übrigens das größte Transportsystem im Körper.

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Das längste Gedächtnis im Blut haben die weißen Blutkörperchen (Lymphozyten). Sie zählen zum Abwehrsystem des Körpers und können sich über Generationen von Zellen ihre Feinde merken.

 

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Blut entsteht im blutbildenden Mark der Plattenknochen, wie Becken, Schulterblatt und Brustbein, und einigen kleineren Knochen (in der Jugend auch in den langen Röhrenknochen). Hier bilden die sehr langlebigen "hämatopoietischen Stammzellen" täglich bis zu 400 Milliarden Blutkörperchen.

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Entdeckt wurden die Blutgruppen übrigens in Österreich von Karl Landsteiner. Der Pathologe und Serologe hatte beobachtet, wie Serum von einem Menschen mit Blutkörperchen eines anderen infolge von Unverträglichkeitsreaktionen verklumpte.

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Am 14. November 1901 schrieb er über die möglichen Konsequenzen seiner Beobachtungen in der Wiener klinischen Wochenschrift: "Endlich sei noch erwähnt, dass die angeführten Beobachtungen die wechselnden Folgen therapeutischer Menschenbluttransfusionen zu erklären gestatten."

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Die Kreuzreaktion zwischen immunologisch unterschiedlichem Serum bzw. Blutkörperchen ließ Landsteiner zunächst von den Blutgruppen A, B und C sprechen. Insgesamt gibt es vier Blutgruppen, die heute als A, B, AB und 0 (für C) bezeichnet werden.

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Am 11. Dezember 1930 wurde Karl Landsteiner (2.v.r.) für die Entdeckung der Blutgruppen des Menschen der Nobelpreis für Medizin verliehen.

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Die Bezeichnungen "positiv" und "negativ" beziehen sich auf weitere Merkmale von Blutgruppen. Rh ist die Abkürzung von Rhesus, dem Namen einer Affengattung, mit der ebenfalls Karl Landsteiner und der Serologe Alexander Wiener experi-mentierten und mit dessen Hilfe Landsteiner 1940, drei Jahre vor seinem Tod, auch noch die Rhesusgruppen entdeckte. Im Serum von Kleintieren, in die Landsteiner das Blut von Macacus-Rhesusaffen injizierte, wies der Wissenschaftler jene Stoffe nach, die auch bei 85 Prozent der Menschen die roten Blutkörperchen verklumpen lassen.

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