Stottern, eine „Sucht“ wie keine andere

Der eigene Name als Feind: Etwa ein Prozent der Weltbevölkerung leidet an der Sprechstörung Stottern –vermutlich der Gene wegen. Viele Therapien versprechen Heilung, noch aber gibt es sie nicht. Für die Betroffenen bedeutet das ein Leben voller Willkür.

Jochen Praefcke
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Jochen Praefcke
Jochen Praefcke – (c) Elke Obser

Der Körper verlangt danach. Die Gedanken kreisen darum, suchen nach einem Ausweg: Denn die Buchstaben sind zu unförmig, um sie flüssig auszusprechen. Die Laute zu hart, um nicht hängen zu bleiben. Doch eine Alternative gibt es nicht. „Ich heiße Martin Müller, möchte ich sagen, ist aber gelogen“, sagt Jochen Praefcke, der einen Namen trägt, der gleich mehrere Sprechhürden in sich vereint. Der dreifache Vater schmunzelt. Der 41-Jährige kennt es, falsch ausgesprochen zu werden. Er kennt es, selbst ins Stocken zu geraten; vor allem am Telefon, wenn rasche Antworten gefragt sind. An sein erstes „unflüssiges Sprechen“ kann er sich nicht mehr erinnern, dafür aber an zahlreiche Hänseleien durch Mitschüler sowie zeitweise durch Lehrer. „Jochen, jetzt tu doch mal normal“, zählte zu den Klassikern, während er sich im Deutschunterricht mühte, den Lesetext laut wiederzugeben. „Die anderen taten, als könnte ich mein Stottern steuern, tatsächlich aber zwingt mich mein Körper dazu – so, als wäre er süchtig danach.“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2017)

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