Die fünf L für ein längeres Leben

Ein renommierter Krebsforscher aus Wien hat einen Ratgeber mit leicht nachvollziehbaren Gesundheitstipps geschrieben. Die Idee zu dem Buch lieferten ihm in erster Linie seine Patienten.

Regelmäßige Bewegung baut Übergewicht ab und Selbstwertgefühl auf.
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Regelmäßige Bewegung baut Übergewicht ab und Selbstwertgefühl auf.
Regelmäßige Bewegung baut Übergewicht ab und Selbstwertgefühl auf. – (c) Reuters (Neil Hall)

Er radelt jeden Tag in die Arbeit, bei jedem Wetter. Und er ernährt sich weitgehend gesund. „Lachen Sie nicht, aber meine Lieblingsspeise sind Erdnüsse“, sagt Heinz Ludwig, bekannter Onkologe und seit Kurzem auch Autor eines populärwissenschaftlichen Buchs. In „Richtig leben, länger leben“ gibt der Krebsforscher Tipps, wie wir gesund bleiben können. Die Idee zum Buch lieferten ihm mehr oder weniger seine Patienten. „Nach Operation oder Chemotherapie bin ich von meinen Patienten immer wieder gefragt worden, was sie selbst für ihre Gesundheit tun können.“ Und so reifte im (inzwischen emeritierten) Leiter der 1. Medizinischen Abteilung, Zentrum für Onkologie und Hämatologie am Wiener Wilhelminenspital, der Plan zum Buch. Seine These: Im Prinzip sind es fünf L, die gesund erhalten, und zwar Laufen, Lachen, Lieben, Lernen, Leichtes essen.

Acht Tassen Kaffee täglich

Stichwort Ernährung: Eine kürzlich veröffentlichte und zehn Jahre dauernde Studie mit mehr als 135.000 Beteiligten in mehreren Ländern besagt: Faserreiche Kost (also viel Obst und Gemüse) verringert die kardiale und Gesamtmortalität signifikant. Auch fettarme Ernährung (vor allem wenig tierisches Fett) lässt länger leben: Frauen mit Brustkrebs haben so eine um 20 Prozent niedrigere Gefahr zu versterben. Insgesamt gehe es aber darum, möglichst oft weniger zu essen, als man wolle, und nicht jeden kleinen Hunger mit einer Mahlzeit zu stillen. „Ein Glas Wasser oder Mineralwasser kann da hilfreich sein.“ Empfehlenswert seien die mediterrane Kost und „durchaus auch ein Schluck Wein“.

Vom Kaffee darf es sogar mehr sein. Ludwig, der Leiter des Wilhelminen-Krebsforschungsinstituts ist, trinkt selbst sechs bis acht Tassen pro Tag. Der Kaffee ist neuesten Studien zufolge viel besser als sein Ruf: Mehrere Tassen am Tag senken das Risiko für einige Krebsarten. Gewisse Kaffee-Inhaltsstoffe haben nämlich eine antientzündliche Wirkung; permanente Entzündungen im Körper aber sind der Schrittmacher für viele Krankheiten.

Zum L wie Laufen: Bewegung ist eines der allerbesten Arzneimittel – sie stärkt unter anderem das Immunsystem, senkt den Blutzuckerspiegel, baut Übergewicht ab und Selbstwertgefühl auf. Es muss keinesfalls ein Gewaltakt sein, der solche positive Auswirkungen hat „schon, wer eine Stunde in der Woche walkt, hat eine um zwei Jahre längere Lebenserwartung gegenüber denjenigen, die gar keinen Sport betreiben“. Mehr ist natürlich besser. „Ideal ist, wenn man dreimal pro Woche so trainiert, dass der Puls für 20 bis 30 Minuten auf 180 minus Lebensalter ansteigt.“ Ludwig hatte in seiner Zeit als Primar für seine Krebspatienten Trainingsgeräte aufstellen lassen. „Wer hier regelmäßig trainierte, hatte nachweislich weniger Nebenwirkungen von der Chemotherapie, weniger Übelkeit, weniger Infekte, dafür aber ein höheres Selbstwertgefühl.“ Auch am eigenen Leib hat der Mediziner die Vorteile körperlicher Betätigung erfahren: Seit Heinz Ludwig regelmäßig radelt, braucht er keine Statine mehr. „Ja, ich hatte überhöhte Cholesterinwerte.“

Liebe und Begeisterung

Freunde und soziale Netze verlängern das Leben ebenfalls. „Ich habe eine ganz tolle Familie, und der Beruf macht mir Riesenfreude.“ Denn zur Liebe als Gesundheitsquell' zählen nicht nur Familie und Freunde, sondern auch Hobbys und „Dinge, von denen man begeistert ist“. Auch Freiwilligenarbeit oder ein Haustier sind unserer Gesundheit dienlich. „Zusätzlich sollte man immer wieder Zeit für sich selbst finden und sich bewusst machen, was für einen wirklich wichtig und was nur unnötiger Ballast ist.“ Das alles löst medizinisch betrachtet eine innere Zufriedenheit aus, die unter anderem das Stresslevel sowie Blutdruck und Herzfrequenz senkt. „Einsamkeit ist hingegen so schädlich wie 15 Zigaretten am Tag“, zitiert Ludwig eine aktuelle Studie. Und meint abschließend: „Wenn sich eine Mehrheit der Menschen an die Tipps im Buch hält, können wir uns allein in Wien zwei von sieben Großspitälern sparen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2017)

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