Wie Impfungen wirkungsvoller werden

"Die meisten Antigene sind von sich aus kaum oder gar nicht in der Lage, eine Immunität zu erzeugen". Immunologen erforschen die Wirkung unterschiedlicher Adjuvantien intensiv.

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Impfung – (c) AP (Frank Augstein)

Antikörper sind die wohl schärfste Waffe, die der Mensch zur Abwehr schädlicher Bakterien oder Viren hat. Diese Moleküle werden gebildet, wenn der Organismus körperfremde Substanzen („Antigene“) erkennt; nach dem Erstkontakt mit einem Krankheitserreger entwickelt der Körper eine Immunität gegen den Eindringling.

So haben wir es in der Schule gelernt. Bloß: Dieses einfache Bild stimmt nicht. „Die meisten Antigene sind von sich aus kaum oder gar nicht in der Lage, eine Immunität zu erzeugen“, sagt Thomas Decker, Immunbiologe an der Uni Wien und den Max F. Perutz Laboratories. „Man benötigt dazu einen Starter, nämlich das angeborene Immunsystem. Und auch dieses braucht einen Stimulus: Das sind Immunadjuvantien.“

Diese Adjuvantien sind derzeit ein heißes Forschungsgebiet – das auch beim „5. Semmering Vaccine Symposium“ ein großes Thema war, zu dem Ende dieser Woche 150internationale Experten nach Baden kamen. Organisiert wurde es von Decker und von Alexander von Gabain, Forschungschef des Wiener Biotech-Unternehmens Intercell. „Frühere Impfstoffe aus abgetöteten Bakterien oder Viren waren voll von natürlichen Adjuvantien. Moderne Impfstoffe sind so rein, dass sie zwar kaum mehr Nebenwirkungen haben, bei ihnen fehlen aber diese Stoffe“, erläutert von Gabain. Dadurch bleibt die Immunantwort des Körpers aus, die Impfung ist damit wirkungslos.

In der Natur gibt es viele Substanzen, die dem angeborenen Immunsystem das Startsignal geben, dass ein unerwünschter „Eindringling“ im Körper ist. Das sind etwa Proteine, Nukleinsäuren oder Glykolipide. Diese Moleküle werden von Rezeptoren erkannt – was offenbar ein altes evolutionäres Erbe ist –, daraufhin werden Signalstoffe ausgeschüttet, die die T-Zellen zur Produktion von Antikörpern anregen.

Adjuvans ist aber nicht gleich Adjuvans: „Die immunologischen Folgen der verschiedenen Adjuvantien sind nicht die Gleichen“, so Decker. Bei herkömmlichen Impfstoffen werden häufig auch synthetische Adjuvantien genutzt, vor allem Aluminiumhydroxid. Allerdings wirkt auch das nicht immer. „Bei Tuberkulose zum Beispiel wird die zelluläre Immunantwort von Aluminiumhydroxid nicht aktiviert“, berichtet von Gabain. Die Forscher sind daher auf der Suche nach besseren Substanzen und erforschen dazu die vielfältigen Wirkungen und Wechselwirkungen in den Zellen und zwischen ihnen. Das Ziel ist es, die Wirkung von Impfungen zu optimieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.05.2011)

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