Wenn der Darm mit anderen Organen kommuniziert

Ein Buch gibt einen Überblick über das medizinisch noch immer viel zu wenig erforschte Organ Darm, seine Funktionen und Störungen. Auch die Rolle des Darms als "denkendes Nervensystem" wird kurz behandelt.

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(c) Kneipp-Verlag

„Was tun, wenn der Darm streikt?“, fragt Autorin Anita Frauwallner im Titel ihres Buches und gibt im Untertitel auch gleich die Antwort: „Probiotika sinnvoll einsetzen.“ Über Sinn oder Unsinn von Probiotika wird nach wie vor heftig gestritten, Frauwallner hat in ihrer Funktion als Präsidentin der „Österreichischen Gesellschaft für probiotische Medizin“ dagegen keinerlei Zweifel.

Egal, ob stressbedingte Beschwerden, ob für die Darmreinigung, bei Sodbrennen, Blähungen oder bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten – neben herkömmlichen Tipps zur Abhilfe empfiehlt sie stets auch die Einnahme von Probiotika. Jedoch rät sie, von probiotischen Lebensmitteln aus dem Supermarkt besser die Finger zu lassen. Empfehlenswert sei Beratung in einer Apotheke, denn es komme entscheidend auf die Qualität des Produkts an, ob sich daraus ein gesundheitlicher Nutzen ziehen lasse.

 

Das „Hirn im Bauch“

Das Buch gibt einen Überblick über das medizinisch noch immer viel zu wenig erforschte Organ Darm, seine Funktionen und Störungen. Die Autorin thematisiert die Reinigung des Darms, die Bedeutung des Darms bei Übergewicht und gibt Tipps, wie man mit natürlichen Mitteln Darmbeschwerden zu Leibe rückt.

Frauwallner bringt immer wieder auch neueste Untersuchungen aufs Tapet. So befasst sie sich etwa mit der sogenannten Bauch-Hirn-Achse. Seit langer Zeit weiß man ja, dass das Gehirn mit dem Darm kommuniziert. Diese Kommunikation erfolgt jedoch auch in der Gegenrichtung, der Darm schickt selbst Informationen an das Gehirn. Über die Rolle des Darms als „denkendes Nervensystem“ wird seit einiger Zeit viel spekuliert. Die Autorin schreibt, dass Gefühle wie Prüfungsangst vom Darm diktiert würden. Das „Hirn im Bauch“ könne denken und sich erinnern. Ob dies tatsächlich so ist, wird in der Fachwelt erst ansatzweise akzeptiert. „Sicher ist aber, dass dem Darm und den Darmbakterien in ihrer Funktion weit größere Bedeutung zukommt, als wir es uns heute noch vorstellen können“, bestätigt Rainer Schöfl, Dozent und Leiter der Abteilung für Gastroenterologie am Krankenhaus der Elisabethinen Linz.

Sicher ist, dass der Darm selbstständig mit anderen Organen kommuniziert und er für die Gesundheit ein zentraler Bestandteil ist, oder, um es mit Frauwallners Worten zu sagen „eine Wurzel des Lebens ist“. (th)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2012)

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