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Dr. Digital: Schlagzeilen um Internet-Sprechstunden

Symbolbild
Dr. Digital: Online-Arztpraxis will Rezepte verschicken / Bild: Bilderbox 

Erektionsstörung, Blasenentzündung, Reise-Durchfall - Die digitale Praxis von "DrEd" will "peinliche" Gesundheitsthemen nun auch in Österreich diagnostizieren, ohne dass eine "Face-to-Face" Anamnese stattfindet.

 (DiePresse.com)

Neue Schlagzeilen rund um die von ihrer Sinnhaftigkeit kaum durchschaubaren Internetseite DrEd. In einer Aussendung propagierte am Montag eine Londoner Arztpraxis "Internet-Sprechstunden" samt dem Verschicken von Rezepten. Wie so oft geht es offenbar um Potenzmittelchen und Haartinkturen. Der erste Besuch der Sprechstunde von Dr. Mordhorst ist kostenfrei, die zweite Diagnose gibt es ab 29 Euro. Die versendeten Rezepte wären auch in Österreich gültig, hieß es. Man will offenbar für private Arztrezepte kassieren, ohne dass eine "Face-to-Face" Anamnese und Untersuchung stattfinden.

Der Service sei auch auf Österreich ausgedehnt worden, hieß es. Was Ähnlichkeiten mit seit Jahren angebotenen Dienstleistungen von "Internet-Angeboten" besitzt: "Die in London von den britischen Aufsichtsbehörden zugelassene Praxis mit derzeit drei Ärzten bietet Sprechstunden zur Männergesundheit (Impotenz, Haarwuchs), Frauengesundheit (Verhütung), die Diagnose und Behandlung von Geschlechtskrankheiten sowie Malariaprophylaxe an", hieß es in der Aussendung.

Anonyme Hilfe bei peinlichen Themen?

Damit geht es offenbar auch dort vor allem um so genannte Life-Style-Drugs. Sie sind auf Privatrezept in Österreich von jedem Arzt beziehbar. Fast 100 Prozent der Österreicher sind krankenversichert (mehr als 99,8 Prozent). Im Krankheitsfall ist Therapie auf Kassenkosten erhältlich. Ein - im Sinne der täglichen medizinischen Praxis in Österreich samt absoluter Verschwiegenheitspflicht jedes Arztes - kaum schlagkräftiges Argument der Online-Mediziner: "Zudem entfällt durch die vertrauliche Arbeitsweise gerade bei peinlichen Themen wie Potenzstörungen oder Geschlechtskrankheiten die Scheu, die eine Vielzahl von behandlungsbedürftigen Patienten aus den traditionellen Praxen fernhält."

Gerade das ist potenziell gefährlich. Infektionskrankheiten müssen vom behandelnden Arzt eindeutig diagnostiziert werden. Bei männlicher Impotenz ist das - genauso wie bei allen anderen gesundheitlichen Störungen - ebenfalls der Fall. Manche der - bis zum Patentablauf - noch etwas teureren Potenzmittel etc. werden von den Benutzern seit Jahren - bei zum Teil beträchtlichem Risiko - bei obskuren Stellen geordert. Da geht es um einen möglichst niedrigen Preis, der auch zahlreiche Fälschungen auf den kriminellen Markt brachte.

(APA)

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2 Kommentare
Gast: kh123
17.04.2012 09:16
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Quacksalberei

Die Formulierung "Im Krankheitsfall ist Therapie auf Kassenkosten erhältlich" ist irreführend, nicht jede Krankenversicherung hat mit allen Ärzten einen Vertrag, und alles weitere muss mal eingereicht werden. Es sollte also rechtlich möglich sein, jeden Kostenersatz durch österreichische KK zu unterbinden, da eine solche Fernbehandlung nicht dem Standard entspricht, den eine Behandlung nach österreichischer Praxis erfordert. Kassenvertrag haben die ohnehin keinen, aber auch die Erstattung (wie z.B. bei Wahlärzten) sollte also entfallen. Zweitens wird es wohl zu Behandlungsfehlern kommen. Wenn eine solche Leistung EU weit akzeptiert werden muss (ich zweifle da noch, ob Arztwahl innerhalb der EU auch bedeutet, dass damit Internet-Diagnosen gedeckt sind), sind wohl auch Fehlbehandlungen und damit verbundene Haftungen der Ärzte, die hier falsche Diagnosen oder Therapien machen, entsprechend zu ahnden, von Kunstfehler, Haftung für Mehrkosten bei späterer richtiger Therapie, Verletzung der Sorgfaltspflicht bis zu fahrlässiger Tötung geben die Gesetze da sicher eine Menge her. Ministerium und Ärztekammer werden hier hoffentlich Musterprozesse führen lassen. Und es sollte neben dem BMG wohl auch im Interesse der Ärztekammer sein, entsprechenden "Skandale" soviel Öffentlichkeit wie möglich zu verschaffen, denn nur so kapiert der naive Durchschnittspatient, welche Risiken hier lauern. Der glaubt sonst womöglich noch, dass hier mal wieder die "Schulmedizin" versagt hätte.

Antworten Gast: der ehemalige Student1
17.04.2012 15:04
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Re: Quacksalberei

die Schulmedizin versagt so oft (bei geschätzten 3-10% der Operationen passiert ein Kunstfehler), dass diese Seite das wohl auch kaum toppen kann (wie dazu die Prozesse in Österreich aussehen, konnte man gestern Abend in "konkret" wieder mal bewundern - das Krankenhaus ist sich keiner Schuld bewusst!). Warum gibt es in der Medizin in Ö keine vernünftige Qualitätssicherung? Warum ist der Patient immer der Dumme (bei den Göttern in weiß)? Wie kann ein Arzt viel mehr als 8h pro Tag operieren?

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