Unheilbar gibt's nicht: Ungewöhnliche Wege zur Gesundung

Menschen, denen die Schulmedizin keine Hoffnung mehr gab, heilten sich selbst. Ihre Lebenswege sind in einem neuen Buch beschrieben. Viele beklagen, dass Ärzte keinerlei Interesse an der Selbstheilung bekunden.

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(c) Überreuter

„Es gibt kein Unheilbar“ – ein provokanter Titel erfährt in einem Buch seine Bestätigung. Menschen, denen die Schulmedizin keine Hoffnung mehr gab, gingen eigene, manchmal ungewöhnliche Wege zur Heilung. Der Erfolg gibt ihnen recht. Der Medizinjournalist Reinhard Hofer bittet in seinem Buch „Es gibt kein Unheilbar – Wie Menschen sich selbst heilen“ 22 Menschen vor den Vorhang, die sich dem „Damoklesschwert unheilbar“ erfolgreich entzogen haben.

 

Medikamente heilen meist nicht

Jeder Heilungsbericht ist subjektiv und einzigartig. Augenscheinlich gibt es keine maßgeschneiderte Methode, die zum Ziel führt. Dennoch zieht sich durch die Geschichten ein roter Faden. Grundtenor des Buches: Der Mensch ist ein ganzheitliches System, das von zahlreichen seelischen und geistigen Komponenten, aber auch von der Umwelt beeinflusst wird. Jeder Mensch reagiert auf diese Einflüsse unterschiedlich, diese wirken aber auf Entstehung und Verlauf einer Krankheit ein. Und: Medikamente können helfen, aber für sich alleine meist nicht heilen. Die wirkliche Heilung sei hauptsächlich dem eigenverantwortlichen Typus der Spezies Patient beschieden: jenem, der sich seinem „Unheilbar“ entgegenstellt und bewusst die Heilung anstrebt.

Als „Spontanheilung“ bezeichnet die Medizin den seltenen und unerklärlichen Sieg über eine schwere Krankheit. Aus solchen Einzelfällen ließe sich viel lernen, ist der Autor überzeugt und kritisiert, dass ungewöhnliche Heilungen nicht erforscht würden. Dabei sind es nicht nur „Wunder“, sondern manchmal absolut nachvollziehbare Handlungsweisen, die Erfolg bringen: Heilung von Rheuma, Chronischer Polyarthritis oder Diabetes etwa – ohne Medikamente, sondern alleine durch Ernährungs- und Lebensumstellung. Für die Medizin kommen hier in erster Linie Medikamente zur Anwendung, meist aber nur, um die Symptome zu lindern.

 

Erfolge durch geistige Heilweisen

Eine „nüchterne und vorurteilslose“ Darstellung fordert Hofer auch beim Thema „geistiges Heilen“. Obwohl es sich jedem rationalen Erklärungsmodell entzieht, sind auch hier Heilungen, etwa von Depression oder jahrzehntelangen Schmerzen, ärztlich dokumentiert. Es lassen sich demnach auch mit energetischen oder geistigen Heilweisen erstaunliche Erfolge erzielen. „Sie weisen uns darauf hin, dass es hinter unserer körperlichen Erscheinung auch noch tiefgreifende seelische und geistige Faktoren gibt, die die Gesundheit entscheidend beeinflussen.“

Kritisch hinterfragt der Autor die oft propagierten Erfolge der Krebsmedizin und wünscht sich ein sinnvolles Zusammenwirken von Schul- und Alternativmedizin. Krebs sei auch kein autonomes Geschehen, welches der Erkrankte nicht beeinflussen könne, so wie es manche Ärzte immer noch behaupten, kritisiert er.

Die (geheilten) Protagonisten im Buch sind allesamt ihren eigenen Weg gegangen. Dazu gehört es auch, Opfer zu bringen, etwa durch Veränderung eingefahrener Lebensgewohnheiten. „Viele unerwartet Geheilte machen die Erfahrung, dass Ärzte von den Umständen ihrer Heilung nichts wissen wollen und beklagen das diesbezügliche Desinteresse“ kritisiert Hofer. „So zynisch es klingen mag: Für viele ist es einfacher, eine Behandlung mit einer Chemotherapie zu machen, als ihr Leben zu ändern. Leider werden sie von manchen Ärzten in dieser passiven und letztlich fatalen Einstellung noch bestärkt.“ th

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2012)

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