Schmerz trotz vieler Therapien: Pumpe als Ausweg

Wenn jede Schmerzbekämpfung erfolglos bleibt, kann Neuromodulation helfen. Eine global wirksame Variante ist die intrathekale Therapie. Vorteile dieser Schmerztherapie ist die minimale Medikamentendosis.

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(c) Medtronic

Der Schmerz bleibt, wird unerträglich. Viele Medikamente hat man versucht, keines hat zufriedenstellend gewirkt. Auch Injektionen haben nicht wirklich geholfen. Der Schmerz bleibt, die Lebensfreude geht. Die Lösung könnte Neuromodulation heißen, die dann eingesetzt wird, wenn alle anderen Therapievarianten versagt haben. Über diese innovative Schmerztherapie wird Brigitta Freundl, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, bei „Bewegungsfreude ist Lebensfreude 2012“ sprechen. Dieser Kongress für Patienten und Ärzte findet am 28.April in der Orangerie Schloss Schönbrunn statt (10–18.30 Uhr, 28 Euro). Zwölf Ärzte werden über moderne Orthopädie, Rheumatologie und Rehabilitation referieren, es gibt auch eine Ausstellung aus Orthopädie und Medizintechnik.

 

Implantation besiegt Schmerz

„Die Patienten, denen eine Neuromodulation zuteil wird, müssen genau durchuntersucht werden“, betont Freundl. Grunderkrankungen müssen behandelt, notwendige Operationen durchgeführt werden. „Und, wie erwähnt, man muss bereits einige Therapieversuche hinter sich haben, die die Schmerzen nicht ausreichend gelindert oder die zu starke Nebenwirkungen mit sich gebracht haben.“

Eine global wirksame Variante der Neuromodulation ist die intrathekale Therapie. Nach einer Testphase werden Katheter und eine elektrische Pumpe in rückenmarksnahe Bereiche implantiert. Über Katheter und Pumpe werden dann kontinuierlich Medikamente in den Rückenmarkskanal eingebracht. „Hier befinden sich unter anderem auch die Morphinrezeptoren, hier setzen dann die Morphine an und reduzieren den Schmerz“, schildert Freundl.

Einer der großen Vorteile dieser Schmerztherapie ist die minimale Medikamentendosis, die benötigt wird. „Wenn man zum Beispiel von einem Opiod eine Dosis von 300Milligramm schlucken musste, damit es überhaupt wirkt, genügt intrathekal eine Dosis von 2,5 Milligramm“, erläutert Freundl, die solche Therapien am Wiener Otto-Wagner-Spital bereits seit zehn Jahren durchführt. „Wir hatten keine einzige gröbere Komplikation.“ Die Operation sei sehr sicher und dauere etwa ein bis eineinhalb Stunden. Alle zwei bis sechs Monate muss die Pumpe mit Medikamenten aufgefüllt werden. Angebracht ist diese Art von Neuromodulation unter anderem bei Tumorschmerzen, bei Bandscheibenvorfällen, die auch nach mehreren Operationen noch immer massive Schmerzen machen, und bei Spastik.

 

Wieder neue Lebensfreude

Ein anderes Stimulationsverfahren ist der Einsatz von Elektroden an rückenmarksnahen Strukturen. „Damit wird der Schmerz nicht global, sondern in einem begrenzten Bereich der Schmerzbahnen behandelt“, erklärt die Fachärztin. Beispielsweise, wenn ein Bandscheibenvorfall auch nach mehrmaliger Operation noch immer ausstrahlt und starke bis stärkste Schmerzen in den Beinen verursacht. Die eingesetzten Elektroden geben regelmäßig elektrische Impulse ab, womit direkt auf schmerzleitende Systeme des Rückenmarks Einfluss genommen und Schmerzen solchermaßen gelindert werden.

Seit einigen Jahren werden diese Elektroden bei gegebener Indikation nicht rückenmarksnahe, sondern subkutan, also unter der Haut, eingesetzt. „Diese Methode ist noch weniger invasiv“, sagt Freundl, „das kann man zum Beispiel bei Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule machen.“ In jedem Fall stellt jede dieser drei Methoden eine Möglichkeit dar, einem leidgeplagten Menschen, dem ständiger starker Schmerz die Lebensfreude raubte und der dadurch in die Isolation getrieben wurde, ein ordentliches Stück Lebensqualität wieder zurückzugeben.

Patientenkongress

Der Schmerz aber bleibt – alle Therapien haben versagt. Da könnte Neuromodulation helfen. Auch über diese Technik wird am 28. April beim Patienten- und Ärztekongress „Bewegungsfreude ist Lebensfreude“ berichtet.

Der Kongress für moderne Orthopädie, Rheumatologie und Rehabilitation findet in der Orangerie Schloss Schönbrunn von 10 bis 18.30 Uhr statt.

Anmeldung: ✆ 0676/4020831

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2012)

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