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Immer mehr Kinder sind zuckerkrank

Bild: (c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER) 

Die Zahl der österreichischen Kinder mit Typ-1-Diabetes, der sogenannte Jugenddiabetes, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Man weiß aber nicht wirklich, warum. Für die Gründe gibt es viele Hypothesen.

 (Die Presse)

Es fiel der Mutter auf, dass ihre zehnjährige Melanie in letzter Zeit übermäßig großen Durst hatte, häufig auf die Toilette huschte, ständig müde war und zudem abnahm. Die erschreckende Diagnose: Diabetes mellitus Typ 1, der sogenannte Jugenddiabetes. Typ-1-Diabetes ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. „Die Zahl der Neuerkrankungen bei Kindern hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen“, erwähnt Edith Schober, Professorin und Ärztin an der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, auf der letzten Fortbildungswoche der österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden.

Man wisse aber nicht wirklich, warum. „Es gibt eine Anzahl von Hypothesen dazu“, sagt die Expertin. „Eine davon ist, dass auch Diabetes I eine Folge des hohen Lebensstandards in der westlichen Welt ist, der zu einer abgeänderten Immunantwort geführt hat.“

Übel: Stark zuckerhaltige Getränke

Noch, so die Professorin, komme Typ-2-Diabetes bei österreichischen Kindern und Jugendlichen nicht extrem häufig vor. In den USA ist er bei jungen Menschen indes ein weitverbreitetes Problem, und auch hierzulande erkranken stark übergewichtige Kinder und Jugendliche immer öfter an dem sogenannten Altersdiabetes. Dieser trat früher meist erst im Alter von 60 bis 80 Jahren auf, der Großteil der Betroffenen erkrankt mittlerweile schon zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. Familiäre Vorbelastung sowie zu wenig Bewegung und ungesunde Ernährung sind die häufigsten Ursachen. „Stark zuckerhaltige Getränke im Kindes- und Jugendalter sind eine der Hauptquellen für spätere Diabeteserkrankungen“, warnt Raimund Weitgasser, Präsident der Österreichischen Diabetesgesellschaft.

Potenziell lebensbedrohlich

„In Österreich wird die Diagnose Zuckerkrankheit noch immer bei 30 Prozent der Kinder erst dann gestellt, wenn sie bereits an einer Ketoazidose leiden, die potenziell lebensbedrohlich ist“, warnt Schober. Bei einer diabetischen Ketoazidose handelt es sich um eine Übersäuerung des Organismus. Diese zeigt sich zunächst in großem Durst, krankhaft erhöhter Urinausscheidung, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schwäche. Im weiteren Verlauf kann es zu Bewusstseinstrübung bis hin zum Verlust des Bewusstseins, Hyperventilation (schnelles, hektisches Atmen) und Austrocknung (Exsikkose) kommen. Eine Ketoazidose muss umgehend therapiert werden (unter anderem mit der Gabe von Insulin, Flüssigkeit und Salzen), denn unbehandelt endet sie meist tödlich.

„Daher ist es so wichtig, im Krisenfall richtig zu reagieren“, betont Elsa Perneczky, eine erfahrene Diplomkrankenschwester und Diabetesberaterin, die seit vielen Jahren in Wien auf Anfrage „Mobile Diabetes-Beratung“ in Kindergärten und Schulen macht. Bei den kostenlosen Schulungsgesprächen, die sich an die Betroffenen, aber auch an die Klassenkollegen sowie an Kindergartenpädagogen und Lehrer richtet, geht es ebenfalls um die Vermittlung von Grundwissen über Diabetes und um Antworten auf viele Fragen wie „Was ist eine Unterzuckerung, und welche Anzeichen gibt es dafür?“ oder „Was essen und trinken Kinder mit Diabetes?“.

Apropos Ernährung: „Auch bei zuckerkranken Kindern ist es möglich, entweder die Nahrung ans Insulin anzupassen oder den umgekehrten Weg zu gehen und die Insulindosierung nach der Nahrungszufuhr zu richten“, betont Schober. Ziel wäre es, den Langzeitzuckerwert (HbA1c) unter sieben Prozent zu bekommen.
„In der Praxis erweist sich das aber als ein oft schwer erreichbares Ziel.“ Leider, denn wenn dieser Wert von Beginn der Erkrankung unter sieben gehalten werden kann, ist eine diabetische Nephropathie (Nierenerkrankung) auch nach 30 Jahren so gut wie nicht existent. Bei hohen HbA1c-Werten entwickeln jedoch ca. 30 Prozent der Patienten nach 30 Jahren ein solches Nierenleiden, das häufig eine Dialyse erfordert.

Jugendliche lehnen Pumpen ab

Die Diabetestherapie erfolgt – wie bei Erwachsenen – mit Insulin. Schober: „Es gibt Studien zu Insulinen in der Pädiatrie.“ Die Kinder würden Pens der Spritze vorziehen. „Die sind aber leider viel ungenauer als Spritzen.“ Pumpen, die eine relativ physiologische Insulinversorgung ermöglichten, würden von Jugendlichen oft abgelehnt. „Sie wollen nicht ständig mit so einem Kastel herumrennen.“ Außerdem bestehe die Gefahr, dass vor allem bei Kampfsportarten der Katheter verloren gehe und es zu einer Entgleisung komme.

Künstliche Bauchspeicheldrüse

„Bei jüngeren Kindern hingegen ist die Benützung von Insulinpumpen deutlich angestiegen“, weiß die Fachfrau. „Vor allem bei Kleinkindern bedeutet die Behandlung mit einer Insulinpumpe einen großen Gewinn an Lebensqualität, das erspart den Kleinen den fünf- bis sechsmaligen täglichen Einsatz eines Pens.“

Was den Kleinen vorerst leider noch nicht erspart bleibt, sind sechs Blutzuckermessungen am Tag. Noch, denn es gibt schon Geräte, die mittels eigener Sensoren stets die aktuellen Blutzuckerwerte zeigen. Diese Geräte sind aber erst im Kommen und noch nicht Routine. Die Zukunft hat diesbezüglich jedenfalls schon begonnen.

Schober abschließend: „Der erwähnte permanente Zuckermesser ist in Kombination mit einer Insulinpumpe und einer Alarmfunktion, die bei Grenzwerten einsetzt, der Anfang von dem, was man sich unter einer künstlichen Bauchspeicheldrüse vorstellt.“

Auf einen Blick

Dramatische Zunahme: Waren vor 25 Jahren noch rund drei bis dreieinhalb Prozent der Österreicher an Diabetes erkrankt, sind es mittlerweile rund sechs Prozent. In den kommenden 20 bis 25 Jahren wird sich der Anteil erneut verdoppeln.
Auch bei Österreichs Kindern hat Typ-1-Diabetes stark zugenommen. Aber auch am sogenannten Altersdiabetes (Typ 2) erkranken immer mehr – vor allem stark übergewichtige – Kinder.
Stark zuckerhaltige Getränke in der Kindheit sind einer der Hauptquellen für einen späteren Diabetes. Mögliche Warnzeichen: Wenn das Kind übermäßig großen Durst hat, häufig auf die Toilette muss, ständig müde ist und abnimmt, könnte sich eine Zuckerkrankheit dahinter verbergen. Ein Arztbesuch mit entsprechender Untersuchung ist dringend angebracht.

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50 Kommentare
 
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Gast: Häschen in der Grube
04.05.2012 15:21
0 2

Vielleicht bin ich blöd !

Man sagte mir einmal vor Jahrenr der Diabetes ist der Python (habe es nicht geglaubt) und den hätten wir uns mit dem Zuccini eingehandelt - er ist leicht süßlich und schwer verdaulich und wenn man sich den einmal einverleibt hat dann sitzt der weil er geht nicht er "kricht" und setzt sich in den Nieren ab und blockiert mit der Zeit den Organismus des Menschens man wird träge und müde und es wird einem ab und zu schlecht - aber man bietet uns den als sehr gesund an. Und den schwarzen Peter schiebt man auf die Zuckerrübe. Wo man doch Traubenzucker früher für sportliche Hoch-Leistungen ausgeteilt hat. Seit wir den Zuccinie haben ca. 30 Jahre lang, hat sich der Diaetes verdreifacht, früher also vor 30 Jahren, gab es dieses "Gemüse" nicht.

.

Antworten Gast: haeh
06.05.2012 00:00
2 0

Re: Vielleicht bin ich blöd !

Ja, Sie sind blöd. Was hat Zucchini mit Zuckerkrankheit zu tun?

Antworten Antworten Gast: H.i.d.G.
07.05.2012 10:30
0 0

Re: Re: Vielleicht bin ich blöd !

Um das jemanden zu erklären - das ist eine lange Geschichte.

Antworten Antworten Antworten Gast: haeh
08.05.2012 19:32
0 0

Re: Re: Re: Vielleicht bin ich blöd !

ahso, sie wissen es nicht

Gast: Andrea B.
01.05.2012 16:58
0 0

Vorhersehbar

Dass es heute mehr Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gibt, haben vor mehr als 30 Jahren Ärzte und Hebammen bereits vorhergesagt. Mit ein Grund für die weite Verbreitung ist u.a. die verbesserte Betreuung von schwangeren Diabetikerinnen. Früher verloren viele ihre ungeborenen Babies, heute nicht mehr. Da es eine genetische Disposition gibt, wird diese Erkrankung nun seit mehr als 2 Generationen weitergegeben.

Antworten Gast: Lebensstil
02.05.2012 14:51
0 0

Re: Vorhersehbar - gibt es genetische Disposition - gibt es auch auslösende Faktoren.


daher festzuhalten:

eine genetische Disposition nicht zwangsläufig zu einem Ausbruch der Krankheit führen muss.


Gast: Slainte
26.04.2012 10:16
4 0

grottenschlechter Artikel

Als Mutter eines Kindes mit Typ-1-Diabetes verwehre ich mich auf das schärfste gegen die ständige Vermischung von Typ-1 und Typ-2-Diabetes in den Medien. Die beiden Krankheiten haben im Grunde genommen nichts miteinander zu tun. Typ-2 oder "Altersdiabetes" ist eine Lifestyle-Erkankung. Typ-1-Diabetes, an der immer mehr Kinder erkranken, eine Autoimmunerkrankung, die NICHTS mit der Ernährung der Kinder vor ihrer Erkrankung zu tun hat
Leider haben Kinder mit Typ-1-Diabetes in Österreich keine gute - und vor allem keine eigene - Lobby. Ich würde mir von Herzen einen seriösen Artikel wünschen, in dem es ausschließlich um Typ-1-Diabetes geht und kein Wort von der leidigen "Altersdiabetes" erwähnt wird.
Dieser Artikel hier ist jedenfalls sehr, sehr schlecht recherchiert und schlicht und ergreifend banal.

Re: grottenschlechter Artikel

Also für mich ist der Artikel verständlich und fachlich gut geschrieben.

Re: grottenschlechter Artikel

"lifestyle-erkrankung".... sie hobn an poscha... aba an uanlichn.

wenn das problem ausgeloest wird durch zuviel kohlehydrate & uebersaeuerung

muesste es doch auch auf natuerlichem weg moeglich sein, es zu kurieren

kohlehydrate werden bei der verdauung zu zucker - also sowenig wie moeglich davon essen und natuerlich als getraenk hoechstens wasser und gruenen tee (aber ohne zucker bitte!)

wenn man die ernaehrung auf basenhaltige lebensmittel umstellt, muesste auch die uebersaeuerung in den griff zu bekommen sein

Re: wenn das problem ausgeloest wird durch zuviel kohlehydrate & uebersaeuerung

wenn bereits eine Ketoazedose eingetreten ist hat sich die Übersäuerung schon manifestiert.
Und dann werden derartige Gegenmassnahmen bei weitem nicht ausreichen. Lediglich bei potentiellen DM2-Patienten wären sie als Präventivmassnahme sinnvoll. Bei DM1 bringt das genau gar nichts!

Re: Re: wenn das problem ausgeloest wird durch zuviel kohlehydrate & uebersaeuerung

wenn ketoazedose eingetreten ist, wuerd ich zur apotheke gehen und mehrere grosspackungen basenpulver kaufen - dann 2-3 liter / tag trinken von dem zeug.

kalzium in hohen dosen hilft auch - da gibts kalziumtabletten als radikalkur. 10,000 mg / tag und gut ists. nach einer woche ist der saeure-basen haushalt im koerper wieder ausgeglichen

auch ohne doktor & lebenslange abhaengigkeit von der pharmaindustrie.

0 0

Re: Re: Re: wenn das problem ausgeloest wird durch zuviel kohlehydrate & uebersaeuerung

... und dann sind sie munter geworden und das Bett war nass .....ein erschreckender Blödsinn, den sie von sich geben

Re: Re: Re: wenn das problem ausgeloest wird durch zuviel kohlehydrate & uebersaeuerung

wieso habe ich das bei der Behandlung meines Diabetes nicht von Anfang an bedacht.

Wo es doch so einfach gehen würde und ich mir anstelle von Insulin ganz einfach nur einmalig Kalzium zuführen müsste.

Re: Re: Re: Re: wenn das problem ausgeloest wird durch zuviel kohlehydrate & uebersaeuerung

wahrscheinlich weil sie alles glauben, was die "goetter in weiss" ihnen erzaehlen. die lernen auf der uni auch nur die schulmedizin, die von der pharma-industrie gesponsert und sehr stark beeinflusst wird.
WILLKOMMEN AUSSERHALB DER MATRIX!!

Antworten Gast: alles hat zwei seiten
25.04.2012 10:22
1 4

Re: die eine seite ist die ernährungsübersäuerung und die andere ist die geistigmüllübersäuerung der eltern an ihre kinder.


wie viele eltern können ihre kinder bedingungslos lieben? sehr, sehr wenige!
jedoch andersrum, die kinder lieben die eltern - bedingungslos.

aber wen wundert es, die kinder müssen sich anpassen, anpassen um "überleben" zu können und das geht oft zu lasten der gesundheit und dabei wäre es so leicht kinder stark zu machen - bedingungslose liebe geben.

Re: Re: die eine seite ist die ernährungsübersäuerung und die andere ist die geistigmüllübersäuerung der eltern an ihre kinder.

Sie glauben also Diabetes Typ 1 mit Liebe kurieren zu können. Aha.

Antworten Antworten Antworten Gast: alles hat zwei seiten
26.04.2012 10:14
0 3

Re: Re: Re: die eine seite ist die ernährungsübersäuerung und die andere ist die geistigmüllübersäuerung der eltern an ihre kinder.

kurieren:
so weit war ich noch nicht sondern: warum sind immer mehr kinder zuckerkrank.

bei kleinkindern.......geistigemüllübersäuerung der eltern. aus meiner sicht sind das konflikte der eltern (vllt nicht autark) die die kinder übernehmen.

ein kind lieben mit den worten
*ich liebe dich*
und zwar soo lieben
*so wie es ist*
das spüren und das hören die wenigsten kinder.
eltern glauben zu lieben, stellen aber bedingungen.
(stellen kinder bedingungen und sagen zu ihren eltern "ihr seid nicht in ordnung so wie ihr seid" nein, machen sie nicht.
also bedingungen, die manchmal schon im mutterleib beginnen und sich später fortsetzen - bedingungen als nährboden für nichts gutes, freudiges.


1 0

Re: Re: Re: Re: die eine seite ist die ernährungsübersäuerung und die andere ist die geistigmüllübersäuerung der eltern an ihre kinder.

mit liebe kann man also den ausbruch von diabetes verhindern. aha!

funktioniert das auch bei anderen krankheiten? *facepalm*

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: die zwei g – gesund und glück
26.04.2012 21:20
2 1

Re: Re: Re: Re: Re: die eine seite ist die ernährungsübersäuerung und die andere ist die geistigmüllübersäuerung der eltern an ihre kinder.

also nicht gesund sein
ist das ergebnis eines mangels.

ich bin überzeugt dass im prinzip alles heilbar ist, jedoch nicht jeder mensch, weil dafür änderungen notwendig sind und diesen änderungsweg will nicht jeder gehen.

glücklich sein und gesund sein funktioniert über selbstliebe, liebe und lieben.
wo-keine-liebe-ist-ist-nicht hass-sondern-angst-angst der gegensatz zu liebe.

kennen sie einen menschen der nicht gesund ist und damit glücklich ist, ich kenne keinen.


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ich bin überzeugt dass im prinzip alles heilbar ist

Bitte um Benachrichtigung, wenn sie Typ-1 Diabetes heilen können - ich warte schon 40 Jahre auf Heilung

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: sie warten und ich frage
08.05.2012 09:17
0 1

Re: ich bin überzeugt dass im prinzip alles heilbar ist

?? leben sie ihren lebensstil – lebensstil der sie beigeistert, der freude macht.
?? kennen sie ihr lebensziel - wozu sind sie hier.
?? lieben sie sich selbst – können sie lieben ohne zu fordern.

Viele der Kinder sind wohl eher zuckerlkrank

Und das laesst sich ganz gut vermeiden.

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Re: Viele der Kinder sind wohl eher zuckerlkrank

Typ-2 ja
Falls sie auch Typ-1 meinen - sparen sie sich solch unqualifizierte Kommentare!

Gast: Till Eulenspiegel
24.04.2012 15:38
10 0

Werden nicht die Schulungen der Ärzte über Ernährung von der Zuckerindustrie bezahlt ?

Kein Wunder,dass dann unter dem Strich
Diabetes herauskommt

Gast: alleswasichsage
24.04.2012 14:01
9 3

die zahlen korrelieren mit der hepatitis-b-impfung

aber dazu will man offensichtlich keine untersuchungen machen. die impfung bringt zu viel geld. (und die dauermedikation der patienten dazu!)

 
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