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Wenn das Baby nicht essen will: Eine Ärztin gibt Rat

Bild: (c) Patmos Verlag 

Warum verweigert das Baby das Essen? Ein praktischer Ratgeber zeigt Eltern Lösungswege auf.

 (Die Presse)

Seit sechs Wochen dreht sich der acht Monate alte Niclas bei jeder Mahlzeit weg, die besorgte Mutter weiß keinen Rat mehr. „Er will nicht essen, es macht mich rasend, wenn er nicht isst“, da schwingt bei der Mutter des 13 Monate alten Samy nicht nur Sorge mit, sondern bereits Zorn.

„Typisch für Fütterungsprobleme ist, dass die Eltern in einem Zustand widersprüchlicher Gefühle sind. Angst um die Gesundheit des Kindes und Gefühle der Kränkung und des Zornes“, erklärt Josephine Schwarz-Gerö, leitende Oberärztin der Säuglingspsychosomatik an der Wiener Kinderklinik Glanzing-Wilhelminenspital. In dem Ratgeber „Baby, warum isst Du nicht? Essprobleme verstehen und lösen“, spielt sie eine Art „Baby-Dolmetscherin“ für Eltern, damit diese die Signale ihrer kleinen Sprösslinge erkennen und so die „Löffelprobleme“ überwinden können.

Fütterungsprobleme sind gar nicht so selten. Bis zu 40 Prozent der gesunden Babys und Kleinkinder können zu irgendeinem Zeitpunkt zu Essverweigerern werden. Meist scheint es das Baby zu sein, das Eltern Probleme macht. Aber vielleicht hat auch das Baby ein Problem, will auf seine Bedürfnisse aufmerksam machen, braucht mehr Zuwendung, spürt vielleicht die Unruhe der Mutter. Die moderne Säuglingsforschung geht sogar so weit zu sagen, was Mütter belastet, belastet auch deren Babys.

Bemerken Eltern Schwierigkeiten beim Füttern oder eine dem Alter nicht entsprechende Entwicklung, soll der erste Weg zum Kinderarzt führen, um festzustellen, ob eine organische Ursache oder eine Erkrankung vorliegt. Die große Gruppe von Erkrankungen, die direkt im Zusammenhang mit Appetitlosigkeit steht, sind Infekte.
Beim Erkennen der Baby-Signale und der Umsetzung in ein Fütterungskonzept geht Baby-Coach Schwarz-Gerö schrittweise vor, sie löst die Probleme wie ein Puzzle. Für jeden Puzzle-Stein gibt es praktische Beispiele. Erster Puzzle-Stein: Gesundes Essverhalten. Wie viel muss ein Baby essen? Zweiter Puzzle-Stein: Die Entwicklung des Babys berücksichtigen, es will sich selbst bewegen, will seine Hände benützen, auch zum Essen. Dritter Puzzle-Stein: Die Symbolik des Essens. Es geht nicht nur um Ernährung, sondern auch um gemeinsames Essen.

Das Buch, das auch Informationen zu Therapie-Angeboten gibt, ist primär als Ratgeber für Eltern geschrieben und enthält zahlreiche Beispiele aus der Praxis. Viele Essprobleme lassen sich ändern, indem man beispielsweise den Ablauf der Mahlzeiten ändert, den Kindern und sich selbst Zeit lässt und sich dem Entwicklungsstand anpasst.  (nie)

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