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Gratispostkarten: Die Beisltour lässt grüßen

04.08.2012 | 17:52 |  von Daniel Kalt (Die Presse)

In vielen Kinos, Klubs und Bars gehören Ständer mit Gratispostkarten zum Inventar. Die Anbieter setzen auf einen Mix aus Werbewirksamkeit und redaktionellen Inhalten.

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Eine Erinnerung an schöne Tage, ein röstfrisches Hallo aus der Ferne („Saluti di Jesolo!“), ein freundliches Wort zwischendurch – das alles kann eine Grußkarte mittransportieren. Und selbst wenn ein beliebter Kartenursprung die Sommerfrische von Freunden und Familienmitgliedern sein mag, muss man sich auf der Suche nach originellen Motiven nicht notwendigerweise in exotische Gefilde begeben. Und man muss auch nicht immer dafür bezahlen. Schließlich buhlen seit gut 20 Jahren Gratispostkarten in Lokalen, Fitnessklubs oder Kinos um die Aufmerksamkeit des Publikums und wünschen sich nichts sehnlicher, als in die Hand oder gar mit nach Hause genommen zu werden.


Die Mischung macht's.
„Eine Karte, die zu Hause am Kühlschrank klebt oder an der Pinnwand, die hat es geschafft“, lautet der Kommentar von Jörg Liemandt. Er ist Kommunikations- und Marketingexperte bei „Boomerang Media“, einem der größten Anbieter von Gratispostkarten in Österreich. Im Fachsprech gehören die Karten zum Bereich der „Ambient Media“, also Werbemitteln, die einer exakt definierten Zielgruppe dort entgegenflattern, wo es nach Meinung der Fachleute am meisten Sinn macht. „Die Grundidee“, so Liemandt, „ist, in ein bestimmtes Ambiente hineinzugehen und die Menschen dort mit einer Botschaft zu erreichen, die sie berührt.“

Die Kartenmacher setzen für die Präsentationskästen auf eine Mischung aus redaktionellen und werblichen Inhalten. Darum spricht Liemandt auch von einem „Magazin an der Wand“, schließlich bestehen Zeitschriften aus einem ähnlichen Mix. Das Verhältnis freilich ist veränderlich. Pocht Liemandt darauf, dass „selbst zu buchungsstarken Zeiten maximal zwei Drittel werbliche Karten“ zu sehen seien, erinnert sich Dirk Matzen, ein langjähriger Sammler aus Deutschland, an Zustände Mitte der Neunzigerjahre: „Damals überwogen Künstlerkarten, heute ist das ganz anders.“ Matzen ist eines der Gründungsmitglieder des in Berlin beheimateten Vereins der Edgar-Kartensammler (die „Edgar-Karten“ gehören in Deutschland zu den bekanntesten ihrer Art) – nach Jahren systematischen Sammelns hat er unlängst seine Tätigkeit auf Eis gelegt: „Vielleicht hat mein Interesse an den Karten auch darum abgenommen, weil der Anteil der werblichen Motive immer größer wurde“, mutmaßt er.

Ursprünglich sei seine Sammlerleidenschaft ja aus einer anderen Passion erwachsen: So war Matzen stets auf der Suche nach Slogans oder Motiven, die sich für Botschaften an eine geliebte Frau abwandeln ließen. „Diese Liebe ging zwar, die zu den Karten ist aber geblieben“, meint Herr Matzen, ein bisschen melancholisch.

Vom Wirtshaus ins Web. Ein Fan des Formats ist auch die Wiener Illustratorin Monika Fauler. Schon wegen des „meistens jüngeren Zielpublikums“ mache es ihr als Kreativer Spaß, Entwürfe abzuliefern. Auf der anderen Seite würden auch Kunden, die sich für dieses Werbemittel entscheiden, Verständnis für die spezifischen Erfordernisse aufbringen: „Wenn sie allzu werblich sind, bleiben die Karten liegen und verfehlen ihren Zweck“, meint Fauler. „Kunden, die das Marketingkonzept verstehen, lassen sich also zumeist auf die gestalterische Subtilität ein, die vonnöten ist.“ Dafür seien ihrer Meinung nach gerade Illustrationen gut geeignet.

Auch Kerstin Schilling hat bereits Gratispostkarten gestaltet; zum Beispiel einen „redaktionellen“ Diplomatenpass. In der Lokalsituation fungieren, meint Schilling, solche Aufregersujets als Gesprächsstoff: „Motive, die aktuelle Themen aufgreifen, bieten Anlass für ein Tischgespräch.“ Und was schon im kleinen Rahmen als Kommunikationsimpuls wirkt, kann über Social Media sogar im Netz „viral“ werden: „Toll ist natürlich, wenn jemandem eine Karte so gut gefällt, dass er sie mitnimmt“, meint Schilling. „Außerdem besteht heutzutage die Möglichkeit, dass ein Motiv abfotografiert und auf Facebook gepostet wird. Dann erreicht es natürlich noch mehr Leute.“


Ganz in Grün.
Auf die Möglichkeit, durch die Gestaltung von Gratispostkarten ein breites Publikum anzusprechen, setzt derzeit auch der österreichische Umweltdachverband. Im Rahmen eines Gestaltungswettbewerbs für die Nationalparks Austria appelliert man an Naturfreunde, sich passende Motive auszudenken. „Das Ziel ist, die Dachmarke der Nationalparks einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und neue Zielgruppen zu erreichen. Außerdem soll das Thema Umweltschutz mit einem neuen Image versehen werden. In beiderlei Hinsicht bietet sich das Mittel der Gratispostkarte an“, fasst Michael Proschek-Hauptmann, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes, die Vorüberlegungen zusammen. Wer also immer schon unter die Gestalter gehen und zugleich Gutes für den Planeten tun wollte, möge sich ans Zeichenpult setzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2012)

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