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Museen: Schauen, staunen, mitmachen

22.09.2012 | 18:09 |  von Elisabeth Gerstendorfer (Die Presse)

Um die Besucher eines Museums zu begeistern, ist zeitgemäßes Ausstellungsdesign entscheidend. Interaktivität und moderne Medien sorgen für gesteigertes Interesse.

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Nicht nur um Wissenszuwachs geht es bei einem Museumsbesuch, sondern auch um gute Unterhaltung. Entsprechend wichtig ist die Präsentation der Exponate und begleitenden Informationen – vor allem, um auch die zu leicht eklektizistischer Wahrnehmung neigende „Generation YouTube“ erreichen zu können. Also schlägt zeitgemäßes Kuratieren die Brücke zwischen Historischem und Heutigem. Neben der Auswahl der Exponate selbst spielt auch das Ausstellungsdesign eine wichtige Rolle. Hier wie dort ist Einfallsreichtum gefragt.

„Die klassische Variante aus Regalen, Hängeplänen, Pult- und Tischvitrinen entsteht meist, wenn Kuratoren die Gestalter spät einbeziehen. Heute ist Ausstellungsdesign immer öfter ein kollaborativer Prozess aller Beteiligten“, sagt Christine Haupt-Stummer, selbst Kuratorin und Geschäftsführerin der section.a für Art, Design und Consulting. Am Anfang dieses Prozesses steht die Auseinandersetzung mit dem Wissen und den Objekten, die gezeigt werden sollen; der Inhalt bestimmt die Form. Die Bedeutung der Objekte lässt sich „gestalterisch inszenieren“. Von sogenannten Blockbuster-Ausstellungen, bei denen nur wenige Exponate im Vordergrund stehen, hält Haupt-Stummer, die im Leitungsteam des ECM-Masterlehrgangs (Educating, Curating, Managing) an der Universität für angewandte Kunst Wien Ausstellungsdesigner ausbildet, wenig. Gehe es doch darum, Wissen zu vermitteln.


Mitmachen erwünscht. Um das zu erreichen, werden die Betrachter angehalten, selbst tätig zu werden. In der Ausstellung „Erschaute Bauten“ über zeitgenössische Architekturfotografien im MAK konnten etwa Kommentare oder Postkarten an der Wand hinterlassen werden. Bei einer von ECM-Studenten gestalteten Ausstellung im Project Space der Kunsthalle waren die Werke auf Rollen verteilt – über ihr Verschieben wurden neue Geschichten erzählt. Auf der anderen Seite werden oft Künstler als Kuratoren herangezogen: So wird die permanente MAK-Studiensammlung in den nächsten zwei Jahren in der neuen Ausstellungsreihe „Sichtwechsel“ von vier Künstlern aufbereitet.

„Ziel ist es, unterschiedliche Ansätze auszuprobieren und gemeinsam mit Besuchern in Workshops neue künstlerische Strategien zu finden“, erklärt Haupt-Stummer, die bei dem Projekt mitwirkt. Die kreativen Eingriffe in die Ausstellung – sowohl von Besuchern als auch von Gestaltern – werden unter dem Begriff „Social Display“ zusammengefasst. Noch würden sich freilich in Österreich nicht viele trauen, die Besucher mitgestalten zu lassen.

Hi-Tech hilft. Oft geben ja die baulichen Gegebenheiten den Rahmen für das Ausstellungsdesign vor. Der Architekt Arno Grünberger etwa band für die Ausstellung „Sixties Design“ im Hofmobiliendepot zwei Stahlbetonsäulen in sein Raumkonzept ein. „Man hätte auch einfach nur ein großes Podium mit 30 Sesseln gestalten können. Idee war aber ein Haus im Haus zu bauen und so die Möbel in den Mittelpunkt zu stellen“, sagt Grünberger. Er ist ständig auf der Suche nach neuen Materialien, für „Sixties Design“ verwendete er biegsame Leichtbauplatten. „Bei neuen Materialien spielen auch zurückgehende Budgets eine Rolle: Günstige Materialien sind gefragt.“ Doch auf moderne Medien und die Option der Interaktivität möchte auch Grünberger nicht verzichten.

Lange Zeit waren interaktive Stationen in Ausstellungen Kindern vorbehalten, heute ist das anders. „Interaktivität ermöglicht, das Wissen der Ausstellung auf unterschiedlichen Niveaus zu vertiefen. Die Vermittlung von Inhalten wird vielfältiger“, meint der Grafikdesigner Lothar Bienenstein. So können in der Klimt-Ausstellung im Belvedere iPads ausgeborgt werden, um Brieftranskriptionen Klimts zu lesen oder mehr über die Werke zu erfahren. Auch zu den klassischen Exponatbeschreibungen gibt es Alternativen: Für die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums, die 2013 eröffnet werden soll, brachte Bienenstein die Texte in weißer Farbe mit Siebdrucktechnik außen an den Vitrinen an; außerdem arbeitet er mit Projektionen und Bildschirmen.

Farbenvielfalt. „Meine Grundaufgabe ist, eine visuelle Sprache zu finden, die dem Zeitgeist entspricht“, so Bienenstein, dessen Gestaltung für die „Welt der Operette“ aktuell im Wiener Theatermuseum zu sehen ist. Die Polarität der Operette – zwischen braven Mäderln und nackten Girls – zeigt er in einer strikten Farbteilung: Während eine Wand der Räume immer sehr farbig mit einem gemalten Verlauf von Violett zu Orange gestaltet ist, ist die andere schwarz glänzend und latexartig foliert. Licht und Farbe sind zentrale Gestaltungselemente. „In nahezu allen Ausstellungen darf eine bestimmte Luxanzahl wegen der empfindlichen Exponate nicht überschritten werden. Aber schon mit wenig Licht kann ein Objekt sehr gut wirken, indem man mit dunklen Flächen einen Kontrast schafft“, erklärt Bienenstein. Die visuelle Sprache und das Thema der Ausstellung sollten sich auch in der Öffentlichkeitsarbeit, etwa Plakaten oder dem Katalog, widerspiegeln. So finden die gestalterischen Elemente einer Ausstellung über die Grenzen der Museumsmauern hinaus Verbreitung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2012)

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