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Werkraum zieht in Traumraum

13.10.2012 | 17:31 |  von Duygu Özkan (Die Presse)

Das Handwerks-Kollektiv »Werkraum« aus dem Bregenzerwald stellt in einer aktuellen Ausstellung seine neuesten Stücke vor – und zieht nächstes Jahr in einen Neubau.

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Acht Jahre ein Provisorium und damit hat der Werkraum, zu finden im hügeligen Bregenzerwald, in der 1800-Seelen-Gemeinde Schwarzenberg, eigentlich ganz gut leben können. Aber nach acht Jahren muss dann doch etwas Sonores her, etwas, das den gewachsenen Ansprüchen des Werkraumes gerecht wird. Daher wird das Schwarzenberger Depot der Bregenzerwälder Handwerker, die sich 1999 zum Kollektiv Werkraum zusammengeschlossen haben, im nächsten Jahr ein paar Hügel weiter nach Andelsbuch ziehen.

Das Depot dient dem Kollektiv – vom Tischler zum Elektriker, vom Designer zum Schuster – als Schauraum für ihre Werke und ihr Können. Der Raum selbst, sagt Geschäftsführerin Renate Breuß, „war nie ein Traumraum“.
Eher ein Mittel zum Zweck, ein Pilotprojekt, aber es wäre nicht Vorarlberg, wenn nicht das Mittel, also das Gebäude und damit die Architektur, nicht auch irgendwann zum Zweck würde. Dafür hat der Werkraum den renommierten Schweizer Architekten Peter Zumthor engagiert, der in Bregenz bereits das markante Kunsthaus gebaut hat. Zumthor ist vom Kollektiv nicht per Zufallsprinzip ausgesucht worden: Er hat eine Lehre als Tischler absolviert, Handwerk ist für ihn also nicht eine abstrakte Ewiggestrigkeit. Den neuen Werkraum hat der Architekt kühl, hell und geradlinig gestaltet.

Obwohl derzeit nur der Rohbau steht, ist das 1500 Quadratmeter große Gebäude eines der Höhepunkte der Ausstellung „Handwerk+Form“, die am Freitag eröffnet wurde. Der Werkraum, er hat derzeit 84 Mitglieder, veranstaltet diese Ausstellung bereits seit 1991 im Dreijahresrhythmus; exponiert werden die neuesten Werke der Werkraummitglieder, das beste Stück wird gemäß den Kriterien Material, Alltagstauglichkeit und Zweckmäßigkeit prämiert. Die Ausstellung ist wie ein Spaziergang durch das Dorf angelegt: Die Andelsbucher haben dafür ihre Stadeln, Werkstätten, Bäckereien, eine alte Schmiede, Brauereikeller und weitere Räume zur Verfügung gestellt, wo insgesamt 111 Stücke verteilt auf acht „Stationen“ zu sehen sind. Zwischendurch kann Zumthors Rohbau in Augenschein genommen werden.

Die bisherigen Wettbewerbe haben eine stattliche Sammlung entstehen lassen, die zur Weiterentwicklung des Bregenzerwälder Handwerks angeregt haben, erzählt Breuß. Da wäre es fast liederlich, die Stücke in einem Dachboden verstauben zu lassen. Nicht zuletzt deswegen tauchte die Idee auf, ein neues Haus zu bauen, das fünf Tage die Woche die Türen für Interessierte öffnet. Man habe sich in der Werkraum-Generalversammlung die Frage gestellt, ob eine Strukturerweiterung des Werkraumes sinnvoll sei. Die Antwort des Vorstandes war, wenig überraschend, „Ja“. Finanziert wird das Haus mit EU-Förderungen, von den Werkraum-Mitgliedern, Sponsoren und der Region Bregenzerwald.

Keine provinzielle Atmosphäre. Nicht zuletzt die hauseigenen Veranstaltungen wie „Handwerk+Form“ haben dem Werkraum weit über die Bregenzerwälder Grenzen hinaus Anerkennung eingebracht. Fast hat man den Eindruck, dass die romantische Verwirklichung eines Kollektivs das Handwerk vor dem Vergessen gerettet hat. Die Mitglieder vermitteln einen behutsamen Umgang mit handwerklicher Kunst, ohne dabei eine provinzielle, muffige Atmosphäre zu versprühen.

Nur rosig ist der Ausblick auf die Zukunft allerdings auch nicht: Die Suche nach dem Nachwuchs gestaltet sich weiterhin als schwierig, obwohl die Lage durchaus besser geworden sei, sagt Breuß. Der Umzug des Werkraumes in ein repräsentables Gebäude soll daher auch potenziellen Lehrlingen zeigen, dass Handwerk noch lebt.

Das neue Haus sei auch ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisierung, sagt Breuß. Was es nicht sein wird, ist allerdings auch klar: ein Museum. Die ausgestellten Werke – die Mitglieder selbst entscheiden, welche Stücke sie zeigen – können und sollen gekauft werden (wie im Depot auch). Zielgruppe sind Architekten, Firmen und „Häuslebauer“ gleichermaßen, (und auch die zahlreichen Touristen, die in einem großzügigen Ausstellungsraum eher angesprochen werden können). Lange wird man im neuen Haus vermutlich nicht auf Kundschaft warten müssen, denn die Verschränkung zwischen Architektur und Handwerk funktioniert in Vorarlberg wieder einmal vorbildlich. In den 1980er-Jahren hat eine Handvoll Architekten in basisdemokratischer Manier beschlossen, das handwerkliche in ihrer Arbeit zu betonen. Architekt, Elektriker, Tischler und freilich der Hausbesitzer arbeiten bewusst mit Materialien und Ressourcen aus der Umgebung.

Heute wird dieser Zugang nicht nur von privaten Hausbauern, sondern auch von Land und Kommunen übernommen. Die modernen, aber in das Umfeld integrierten Bauten quer durch Vorarlberg sind für das „Ländle“ zu Testimonials geworden, die mittlerweile regelmäßig von einem internationalen Publikum kopfnickend bestaunt werden. Bei der Fahrt nach Andelsbuch – zur Ausstellung – kommen die Besucher übrigens auch an einigen dieser Neubauten vorbei. Bis zum 21. Oktober (nicht jeden Tag) ist „Handwerk+Form“ zu sehen. Der nächste Wettbewerb könnte übrigens etwas größer ausfallen, wenn der Werkraum schon ins größere Haus gezogen ist. 

Werkraum
Das Kollektiv wurde 1999 mit dem Ziel gegründet, die Bregenzerwälder Handwerker untereinander zu vernetzen und zu unterstützen. Derzeit hat der Werkraum 84 Mitglieder – vom Elektriker bis zum Tischler.
Das bisherige Depot diente dem Kollektiv als Schauraum für seine Stücke. Mit dem Bau des neuen Gebäudes wird das Depot – das als eine provisorische Einrichtung gesehen wurde – aufgelassen.

Ausstellung
Handwerk+form
Der Wettbewerb „Handwerk+Form“ findet alle drei Jahre statt und prämiert die neuesten Werke der Bregenzerwälder Handwerkskunst nach den Kriterien Material, Alltagstauglichkeit und Zweckmäßigkeit. Die insgesamt 111 Stücke werden in Andelsbuch gezeigt. Die Ausstellung ist wie ein Spaziergang durch das Dorf konzipiert: Die Bewohner haben Räume in ihren Werkstätten, Häusern oder Arbeitsplätzen zur Verfügung gestellt, wo die Stücke besichtigt werden können. Termine: 19./20./21. Oktober. target="_blank">www.werkraum.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)

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