Mode: Sprungbretter in die weite Welt

02.02.2013 | 18:13 |  von Karin Schuh (Die Presse)

Wollen Wiener Modelabels Erfolg haben, müssen sie den internationalen Markt beackern – etwa Japan, am besten über Paris.

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Gut möglich, dass bei der Wiener Volksbefragung, bei der auch die Austragung der Olympischen Sommerspiele in Wien 2028 abgefragt wird, Vertreter der Modeszene für das Sportereignis stimmen. Allerdings nicht unbedingt, weil sich in der heimischen Modewelt so viele Sportfans finden. Sondern viel eher aufgrund der Nebeneffekte, die so eine Austragung auf eine Stadt haben kann. Ein paar österreichische Designer profitieren nämlich in Kürze davon, dass 2012 in London die Olympischen Sommerspiele stattgefunden haben. Als Nebenprodukt, wenn man so will, hat nämlich das British Fashion Council beschlossen, sich doch auch etwas um die internationale Modeszene – speziell deren Nachwuchs – zu kümmern und hat den „International Fashion Showcase“ ins Leben gerufen.

Junge Modelabels aus 19 Ländern wurden damals in die britische Modestadt geladen und hatten dort die Möglichkeit, ihre Arbeiten zu präsentieren. Offenbar will man das nun ausbauen – 27 Länder sind im Februar beim „2ndInternational Fashion Showcase“ dabei. Darunter auch sechs österreichische Labels, die sich unter dem weniger originellen Titel „Another Austria“ bei der London Fashion Week (15. bis 19. Februar) präsentieren. Dazu gibt es den ganzen Februar über eine Ausstellung sowie ein Rahmenprogramm mit Vorträgen und Diskussionen. Kuratiert hat „Another Austria“ Modedesignerin Claudia Rosa Lukas, die auch Herausgeberin der Plattform austrianfashion.net ist. Einzige Vorgabe vom British Fashion Council für die Labels: Es muss sich um junge Labels handeln, die maximal drei Jahre alt sind.

„Das Interesse ist da, aber wir müssen noch an der internationalen Präsenz arbeiten. Was das betrifft, stehen wir noch am Anfang“, sagt dazu Lukas. Was es hingegen gibt, sind Klischees – von „Sound of Music“ über „Sissi“ bis zur Lederhose. Deshalb sei auch der weit gefasste Begriff „Another Austria“ gewählt worden.


Gedrückte Stimmung. Etwas optimistischer sieht das hingegen Marlene Agreiter, die seit vier Saisonen im Rahmen von „Austrian Fashion Showcase“ heimische Labels dabei unterstützt, international – speziell in Paris – Fuß zu fassen, genauer gesagt an internationale Einkäufer zu kommen. Sie gibt zwar zu bedenken, dass die Stimmung in der Modebranche derzeit generell zurückhaltend sei und die Einkäufer eher vorsichtig und konservativ agieren. „Das macht es für junge Labels natürlich schwieriger“, so Agreiter. Dass die heimische Modeszene international jedoch völlig unbekannt wäre, das sieht sie nicht so. „Es gibt in Österreich sehr interessante Designer, das wird international wahrgenommen. Es gibt eine gewisse Aufgeschlossenheit dafür.“

Natürlich gab es immer wieder heimische Zugpferde – Stichwort Helmut Lang –, die international mitgemischt haben, aber das Interesse für junge Labels sei in den letzten zehn Jahren gewachsen. Überhaupt tut sich Agreiter mit der Definition „österreichische Mode“ schwer. Denn allein der Vergleich zweier Labels mit internationalem Gewicht – Helmut Lang und Lena Hoschek etwa – macht deutlich, dass es keine Gemeinsamkeiten gibt. Sie spricht lieber von jungen Modelabels – die eben zufällig aus Österreich kommen und neben der Staatsbürgerschaft (wenn überhaupt) eben dieselbe Anlaufstelle bei Förderstellen haben.

Soeben hat „Austrian Fashion Showcase“ sieben heimische Labels zur Pariser Modemesse Première Classe gebracht – diesmal ausschließlich aus dem Accessoire-Bereich. Während es bei der Veranstaltung in London in erster Linie ums Präsentieren geht, stand in Paris im Jänner das Verkaufen im Vordergrund – oder zumindest die Kontaktaufnahme zu internationalen Einkäufern. „Manche Labels haben dort gut verkauft und etwa sechs bis sieben neue Kunden gewonnen, andere wiederum nur Kontakte geknüpft. Das ist auch okay, denn eine Saison ist keine Saison. Einkäufer erwarten sich konstante Präsenz und ordern meist erst in der zweiten oder dritten Saison“, so Agreiter.

Hauptmarkt Japan. Auch wenn jedes Label seine Eigenheiten hat und dadurch auch eine unterschiedliche Zielgruppe – ein guter Markt für junges, avantgardistisches Design ist derzeit Japan. „Dort haben die Leute einfach mehr Geld als in Europa, und Mode ist ihnen auch wichtiger. Die Japaner sind spezielleren, außergewöhnlichen Sachen gegenüber offener“, sagt dazu Tanja Bradaric, die gemeinsam mit Taro Ohmae das junge Wiener Label Bradaric Ohmae betreibt und soeben mit „Austrian Fashion Showcase“ in Paris war und Mitte Februar in London dabei sein wird. Deutlich wird das auch daran, dass deren Mode in Wien in einem und in Japan in sieben Geschäften verkauft wird.


Überraschung im Ausland. Japanische Einkäufer sind übrigens auch in Paris gut vertreten. „Wer in Japan verkaufen will, muss nach Paris“, sagt Agreiter. Und wer in Wien verkaufen will ebenso – oder besser nach Berlin. Viele österreichische Einkäufer entdecken heimische Labels erst auf Messen im Ausland – und sind dann positiv überrascht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2013)

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1 Kommentare

äpfel & birnen

hier wird offenbar einiges ganz einfach zusammengewurschtelt von einer autorin, der das wissen ganz fehlt. kann passieren, das nächste mal vielleicht etwas besser recherchieren.

zielsetzung und hintergrund der beiden genannten projekte sind jeweils ganz unterschiedlich, schön, dass es beides gibt.

dass österreichische mode im internationalen vergleich nicht präsent ist, ist fakt, alles andere schönreden, realitätsverweigerung oder rechtfertigung von fördergeldern.

super, dass einige wenige stücke in europa und japan verkauft werden, dabei geht es aber keineswegs um langfristig wettbewerbsfähige produktionsweisen internationalen massstabs. beinahe alle österr. labels sind 1 oder 2 personen betriebe!

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