Wo das Geld vergraben liegt

23.02.2013 | 18:37 |  von Eva Winroither (Die Presse)

Österreich ist ein Land der Förderungen. Nur die bekommt eben nicht jeder. Oder nicht genug davon. Drei Kreative erzählen, wie sie abseits von Förderungen an Geld gekommen sind.

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So sehr viele junge Kreative auch von der Idee der Selbstständigkeit träumen: Wenn sie kein Geld haben, sind sie erst recht wieder abhängig. Von den Sorgen, ihre Ideen nicht umsetzen zu können. Denn Österreich ist zwar ein Land der Förderungen, in dem jährlich mehrere Millionen Euro vergeben werden, doch naturgemäß sehen nicht alle etwas davon. Weil die Bestimmungen zur Einreichung zu aufwendig seien, monieren die einen. Für andere ist das Fördervolumen zu gering, und wieder andere wissen, dass sie mit ihrer Idee ein zu großes Risiko für die zum Teil konservative heimische Förderpolitik darstellen. Übrig bleibt meistens nur der Schritt ins Ausland und die Suche nach Alternativen. Drei Kreative erzählen, wie sie abseits von Förderungen an Geld gekommen sind.
Das Team zählt im Seedcamp. Unter den Kreativen weiß man bereits: Wer im Seedcamp zu den Gewinnern zählt, der ist seinem Traum ein gutes Stück näher. Der 2007 in London gegründete Start-up-Accelerator investiert bereits in frühen Phasen in Unternehmen. In Vorrunden über mehrere Tage werden Gründer und ihre Geschäftsideen auf Herz und Nieren überprüft. Die Auserwählten erhalten maximal 50.000 Euro und müssen dafür acht bis zehn Prozent an Firmenanteilen hergeben.

Doch was für viele eigentlich zählt, sind das Netzwerk und das Mentoring-Programm, die das Seedcamp bieten. So helfen Führungskräfte von bekannten Firmen wie Google oder Facebook bei Fragen. „Uns hat das sehr viel gebracht“, sagt Moritz Plassnig von Codeship. Plassnigs Firma bekommt seit Oktober 2012 Kapital von Seedcamp und bereitet mittlerweile einen Umzug in die USA vor. „Bei Seedcamp schauen sie vor allem darauf, wie das Team aufgestellt ist“, sagt Plassnig, der mit seiner Firma ein Tool für Software-Entwickler anbietet, um deren Arbeit quasi zu erleichtern.

So sei es wichtig, dass jeder im Team einen klar definierten Aufgabenbereich habe und das Team interdisziplinär aufgestellt sei. „Wie du dich präsentierst, ist wichtig“, sagt Plassnig. Nicht die Geschäftsidee. Die würde nur in seltenen Fällen wie geplant umgesetzt. Dementsprechend hart sei auch das Auswahlverfahren. „Das Feedback ist brutal, aber ehrlich“, sagt Plassnig. Wer sich unbeliebt machen will, der geht auf die Kritik nicht ein. „Die wollen wissen, wie flexibel man ist und wie man mit Rückschlägen umgehen kann.“ Weniger gut kommt auch Selbstgefälligkeit an. „Man darf nicht glauben, dass die Idee noch niemand hatte“, sagt Plassnig. Irgendwo auf der Welt gebe es sicher jemanden, der gerade an einem ähnlichen Projekt arbeite.


Urlaub mit dem Business Angel. Sie haben sich gesehen, und es hat gepasst. Fredrik Debong hat Österreichs bekannten Business Angel Johann „Hansi“ Hansmann schon gekannt, bevor der in Debongs Diabetes-App My Sugr investiert hat. Die persönliche Ebene ist für Debong dann auch besonders wichtig, wenn es darum geht, einen Business Angel für das eigene Unternehmen zu suchen.

„Ich mache da immer den Roadtrip-Test: Könntest du mit dem Business Angel zwei Wochen auf Urlaub fahren?“, sagt Debong und meint das völlig ernst. In seinem Freundeskreis sind einige Unternehmen gescheitert, weil die persönliche Ebene nicht gepasst hat. „Da geht es um Ziele. Wenn man völlig konträr in Kernsachen denkt, dann ist das schlecht fürs Geschäft“, sagt Debong, der seit 16 Jahren im Entrepreneur-Bereich tätig ist. Doch selbst wenn es passt, rät Debong, ein Exit-Szenario vorzubereiten. „Man muss wissen, wie es weitergeht, wenn etwas scheitert“, sagt er. Gemeinsame Urlaube schützen eben auch vor Scheitern nicht. Doch bevor es so weit kommt, muss man zuerst einen Angel finden. Und die sind in Österreich rar.

Angebot aus dem Silicon Valley. Thomas Schranz von Blossom.io ist mit seinem Team daher ins Silicon Valley geflogen, um nach Geldgebern zu suchen. Und schwärmt von der Szene vor Ort. „Die Leute im Valley sind viel risikofreudiger. Man kommt schon in frühen Phasen leichter an Geld“, erzählt er. Was er einerseits auf die Mentalität, andererseits auch auf die höhere Zahl an Angels zurückführt. „Man hat mehr Auswahl. Und kann selbst länger überlegen, ob jemand zu einem passt“, sagt Schranz, der ein Prozessentwickler-Tool auf den Markt bringen will. Auch das Knüpfen von Kontakten sei im Silicon Valley nicht schwierig. „Es gibt mit Angel.co eine Art Social Network, durch das man schnell Leute kennenlernt.“ Im Gespräch selbst zähle dann wiederum Sympathie und – genau – das Team: „Die Fragen drehen sich um drei Punkte: Design, technische Umsetzung und Marketing“, sagt Schranz. Kann man dem Angel stimmige Antworten darauf liefern, sei die größte Hürde bereits genommen.

Kurz und gut im Crowdfunding. Die österreichische Crowdfunding-Szene steckt noch in den Kinderschuhen. Auf 1000x1000.at können Kreative aber mittlerweile ihre Projekte einreichen. 50.000 Euro konnte Initiator Reinhard Willfort für sein eigenes Projekt so bereits lukrieren. Worauf es beim Crowdfunding ankommt? „Warum tu ich mir das an, welche Probleme können gelöst werden, und was passiert mit dem Geld?“, fasst Willfort die Kernpunkte knapp zusammen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2013)

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