Wiener Blut und recycelter Pelz

In Schloss Hetzendorf wurden diese Woche die Gewinner des Gütesiegels Wien Couture ausgezeichnet. Sie dürfen es nun zwei Jahre lang führen.

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Wiener Blut und recycelter Pelz – Wien Couture

Am Stil der Tanzeinlage könnte man noch ein bisschen arbeiten. Sonst hat die Auszeichnung Wien Couture wohl vor allem ein Problem mit falschen Erwartungen – weil man in Wien, wenn man Couture hört, automatisch an Haute Couture denkt, die hohe Schneiderkunst, und damit an Pariser Laufstege, an Zukunftsweisendes. Tatsächlich geht es beim Gütesiegel Wien Couture eher um Handwerk als um die Kreativität – auch wenn die Wirtschaftskammer tatsächlich entfernt beim berühmten Chambre Syndicale de la Haute Couture Anleihe nimmt, jenem Pariser Modeverband, der über den exklusiven Zirkel der französischen Haute Couture wacht.

Wobei, eine gewisse Kreativität war natürlich auch bei der zweiten Auflage des Wettbewerbs vonnöten. Das Motto „Wiener Blut – von Johann Strauß bis Falco“ galt es umzusetzen. Der Fokus des mehrstufigen Auswahlverfahrens, so heißt es, liege auf handwerklicher Umsetzung, Passform und Stil. Elf Meisterbetriebe der 500 „Wiener Modemacher“ wurden am Donnerstagabend im Schloss Hetzendorf von der Landesinnung der Mode- und Bekleidungstechnik für zwei Jahre mit dem Gütesiegel ausgestattet, darunter das Brautatelier Beran, die Schneider Ingeborg Köberl, Karin Pfeifenberger, Innungsmeisterin Maria Smodics-Neumann, die Modistin Marion Weiss, Schneider und Federschmücker Norbert Tlusti und Kürschner wie Johann Jouja, Walter Kramer und Alfred Pospisil.

Pospisil landete auch auf Platz drei des vor Ort vergebenen Journalistenpreises, mit einer gewagten schwarzen Kreation aus recyceltem Persianer und Lammnappa. Wie gut alter Pelz umgearbeitet werden kann, war überhaupt eine der wichtigsten Erkenntnisse des Abends. Platz zwei ging an Patrizia Fürnkranz-Markus für ein Kostüm in Erinnerung an Wiens große Couturièren. Den Sieg holte Melitta Rockenbauer mit einer prunkvollen Abendrobe. Vielleicht könnte bei der nächsten Preisverleihung ja jemand darin tanzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2013)

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