„Komplex, nicht kompliziert“: Deutsche Mode in der Suite

Das Duo Perret Schaad gilt als deutsche Modehoffnung. Die Gäste des Ringstraßen-Galerien-Awards laden heute im Hotel The Ring zum Einkauf.

Perret Schaad
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Perret Schaad
Perret Schaad – (C) Perret Schaad/ Webseite

Johanna Perret und Tutia Schaad sind das Beste, was der deutschen Mode seit Jil Sander passiert.“ So schrieb das Magazin der „Süddeutschen“ im Oktober 2010, kurz nachdem die beiden ihre zweite Kollektion präsentiert hatten. Mit solch frühen Lorbeeren muss man erst einmal weiterarbeiten. Perret Schaad taten das, relativ unbeeindruckt und ziemlich konsequent. Und das Lob riss nicht ab.

„Ja, das war ein schöner Artikel. Da haben wir uns sehr gefreut, und das motiviert einen natürlich“, erinnert sich Johanna Perret. Gemeinsam mit ihrer Kreativpartnerin Tutia Schaad sitzt sie im Gastgarten vor dem Hotel The Ring, wo die beiden heute in einer Suite einen Pop-up-Shop betreiben. Gestern Abend waren die beiden Wahlberlinerinnen Ehrengäste beim Ringstraßen-Galerien-Designer-Award und zeigten ihre Kreationen außer Konkurrenz.

Tatsächlich, ergänzt Schaad, würden die beiden auch eine gewisse Ähnlichkeit zur deutschen Ikone Sander sehen. „Jil Sander hat immer für Frauen ihrer Zeit kreiert und überlegt, was man als aktive, moderne Frau braucht, was für ein Bild man zeigen will. Das ist für uns auch wichtig. Wir kreieren für Frauen wie uns oder dich, die viel unterwegs sind, bei der Arbeit, aber auch Kinder haben. Es geht um Kleidung, die speziell ist, aber auch tragbar.“ Sprich: Keine Outfits für Berliner Hipster? Schaad, eine gebürtige Vietnamesin, nickt. „Obwohl die Berliner Hipster, muss man sagen, unsere Sachen auch tragen.“

 

„Komisch, aber schön“

Neun fortlaufende Kollektionen haben die beiden seit ihrer Labelgründung 2009 auf der Berliner Modewoche präsentiert und dort durchaus für Aufsehen gesorgt. Zuletzt auch durch die Wahl ihrer Orte: Im Jänner zeigten Perret Schaad ihre Mode im Eingangsbereich des Apartmenthauses von Stararchitekt David Chipperfield.

Was für ein eingespieltes Team die beiden sind, merkt man im Gespräch. Fließend spricht die eine dort weiter, wo die andere aufgehört hat. „Unser Asset“, formuliert Johanna Perret, „ist das Spiel mit Linien, Formen und Farben.“ „Wir lieben Farbkombinationen, die kontrastvoll sind, oder sogar ,weird‘– komisch“, ergänzt Schaad. „Die am Ende aber doch eine schöne Wirkung auf die Trägerin haben. Und die Schnitte sind komplex, aber nicht kompliziert. Die Sachen sind einfach zu tragen. Man muss nicht suchen, wo der Arm hineinmuss.“

Einig waren sich die beiden auch von Anfang an in ihrer Vision: „Wir wollten ziemlich professionell starten.“ Kennengelernt hatten sie sich bei einem Praktikum bei Givenchy – obwohl sie die gleiche Kunsthochschule in Berlin besuchten. „Lustig, da ist man in der gleichen Schule und kennt sich nicht“, sagt Schaad mit französischem Akzent. Geboren in Hanoi, hatte sie ihre Kindheit hindurch Schuhe und Kleidung gezeichnet. Später zog ihre Familie nach Frankreich, dann in die Schweiz. Nach Deutschland wollte sie eigentlich nur für sechs Monate, „weil mein Deutsch so schlecht war. Und ich dachte: Entweder ich gebe auf, oder ich lerne es richtig.“ Johanna Perret wiederum ist am Starnberger See aufgewachsen und Tochter eines Franzosen. Untereinander sprechen die beiden bis heute Französisch. Ihr heutiges Pop-up lehnen sie an die Private Orders an, die sie regelmäßig in Berlin, München oder Hamburg bieten. „Da lernen wir die Kundinnen kennen – und sie können sich beraten lassen. Manchmal sind sie auch wirklich unsicher und freuen sich sehr, wenn wir als Designer uns etwas für sie vorstellen.“

AUF EINEN BLICK

Perret Schaad wurde 2009 von Johanna Perret (30) und Tutia Schaad (31) gegründet. Die beiden waren gestern Abend Gäste beim Ringstraßen-Galerien-Designer-Award, in dessen Rahmen heuer erstmals auch ein Pop-up stattfindet: heute, 10.April, 10 bis 18Uhr, Hotel The Ring, Kärntner Ring 8.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2014)

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