Carte blanche für die Angewandte: Studierende machen Zeitung

Die Klasse Angewandte Fotografie und Medien und die Klasse Grafik/Design gestalten wöchentlich den Freiraum der "Presse am Sonntag".

Tales of Sales (Presse am Sonntag, 15.2.2015)
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Tales of Sales (Presse am Sonntag, 15.2.2015)
Tales of Sales (Presse am Sonntag, 15.2.2015) – Bettina Willnauer und Lisa Edi

Wie entstehen Ideen? Am einfachsten beim Reden. So war es auch vor sechs Jahren, als in einer abendlichen Runde mit Produktdesignern, Modemachern und Game-Entwicklern der „Freiraum“ der „Presse am Sonntag“ geboren wurde. Eine Zeitung, die wirklich etwas für (junge) Kreative machen wolle, so befand die Runde, solle den Mut haben, eine Carte blanche zu vergeben. Eine leere Seite für Ideen. „Freiraum“ eben.

Inzwischen ist die sonntägliche, externe Seite bereits Tradition – die nun neu belebt wird. Vergangene Woche hat „Die Presse am Sonntag“ eine Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien gestartet, konkret mit der seit Oktober 2014 neuen Klasse Angewandte Fotografie und zeitbasierte Medien unter der Leitung des Berliner Fotografen Matthias Koslik. Diese Klasse wiederum – weil von der Dimension her klein und fein – arbeitet mit der Klasse Grafik Design von Oliver Kartak zusammen. Zwei Semester lang werden Teams aus Fotografie- und Grafikdesignstudenten den Freiraum befüllen.

Den Anfang machte gestern, Sonntag, Lisa Edi (siehe Bild oben, sitzend neben Klassenhund Luki, der Koslik gehört). Gemeinsam mit Bettina Willnauer von der Klasse Kartak entwickelte sie das Projekt „Tales of Sales“. Inspiriert wurde sie dazu vom Buch „The Death of Fashion“ von Harald Gründl (EOOS-Designkollektiv), der darin der metaphysischen Seite der Modeindustrie nachspürt. Edi hat den „Todesmoment der Mode“ untersucht: den Ausverkauf, wenn vormals akkurat platzierte, teure, neue Kleidungsstücke plötzlich zu unmoderner Wühltischware mutieren. „Der Ausverkauf wird in den Shops und Auslagen als Ausnahmezustand inszeniert“, sagt sie. „Zum Beispiel werden die Schaufensterpuppen manchmal in braunes Packpapier gewickelt. Das erinnert an Leichen. Aber uns Konsumenten fällt das ja gar nicht mehr auf.“

Edi und Willnauer haben die „Tales of Sales“ als Miniserie angelegt – die meisten ihrer Kollegen machen das ähnlich. „Weil Serien stärker als Einzelbilder wirken“, sagt Edi. Die Vorbereitung, sagt sie, war „intensiver, als ich mir das gedacht habe.“ Dennoch sei es besonders spannend, etwas für ein Zeitungspublikum zu entwickeln. „Denn wenn man etwas für Ausstellungen macht, kommen ja meist nur Leute aus unserem Dunstkreis.“

Kosliks Denklabor

Apropos Ausstellung: Eine solche hat Caroline Heider (Bild oben, ganz links) gerade vor sich. Obwohl sie am Finish ihrer Schau (Edward Steichen. In High Fashion) in der Galerie Westlicht arbeitet, hat die Lektorin der Klasse Angewandte Fotografie und Medien das Projekt „Presse am Sonntag meets Angewandte“ vorbereitet. Wobei man sich die Arbeit in der Klasse von Koslik nicht als Frontalunterricht vorstellen darf: „Wir sind ein fotografisches Arbeits-und Denklabor“, sagt Heider. Koslik und auch ihr sei wichtig, „den Studenten Raum zu geben, ihre eigene Handschrift zu finden und den Beruf neu zu definieren“. Freiraum eben. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2015)

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