Wenn es keinen Spaß macht, wird auch nix dabei rauskommen“, sagt Günther Grall. Er leitet den Studiengang Design und Produktmanagement an der FH Salzburg und hat seinen Studenten zuletzt Projekte mit BMW und Red Bull auf den Lehrplan geschrieben. Etwa einen Modellbau zur Grundlagenforschung oder die Realisierung von mobilen Möbeln für eine Sportlerlounge. „Abwechslungsreiche, didaktisch gut aufgebaute Projekte mit Experten aus der Praxis motivieren die Studenten am meisten.“
Schöpfungswerkstätten. Es dürfte also auch in Gralls Sinn sein, dass an heimischen Designschmieden so etwas wie Umbruchstimmung herrscht. Da nimmt beispielsweise der belgische Fashion-Exzentriker Bernhard Willhelm der Avantgarde-Designerin Veronique Branquinho die Modeprofessur an der Wiener Universität für Angewandte Kunst ab. Und an der New Design University in St.Pölten startet mit Design Engineering gleich ein brandneuer Studiengang für künftige Design- und Architekturtechnologen. Insgesamt gibt es hierzulande rund 40 Ausbildungsmöglichkeiten im Designbereich. Und: Auch international muss sich Österreich nicht verstecken. Sagt auch Design-Austria-Geschäftsführer Severin Filek: „Wir sind echt gut aufgestellt, besonders im Produktbereich. Auf der künstlerischen Schiene dominiert die Angewandte, auf der wirtschaftlichen ist die FH Joanneum top.“
An der Grazer Institution gilt neben dem Bachelor-Lehrgang Informationsdesign der Master-Zweig Industrial Design als besonders hochkarätig – und wurde 2007 vom Magazin „Business Week“ immerhin unter die 60 weltbesten Designschmieden gewählt. Die Absolventen des Studiengangs (jährlich werden 16 Studenten aufgenommen) sind für Unternehmen wie Nokia, BMW oder das renommierte IDEO-Studio tätig. Julian Hönig hat etwa den Audi RSQ für den Hollywood-Streifen „I, Robot“ gestaltet, seit Kurzem ist er der einzige Österreicher im Designteam der italienischen Edelmarke Lamborghini. Hönig sagt: „Das Studium war der Grundstein für meine Karriere.“
Auch die Universität für Angewandte Kunst kann jede Menge klingende Namen vorlegen: Ute Ploier, aber auch Frank Herrhauser und Helga Schania von Wendy&Jim haben hier Modedesign studiert, die internationalen Möbeldesigner von EOOS, Gernot Bohmann, Harald Gründl und Martin Bergmann, machten hier ihre Abschlüsse in Industrial Design. Auch das Wiener Produktdesignduo Katrin Radanitsch und Sofia Podreka von Dottings ging durch die „klassische Schule“ und studierten bei Möbeldesign-Guru Paolo Piva: „An der Angewandten stehen einem alle Möglichkeiten zur Verfügung: Werkstätten, Arbeitsmittel“, sagt Radanitsch. „Aber vorgekaut wird einem nichts, man muss alles einfordern.“
Auch abseits der Universitäten können Kreative sich das nötige Handwerkszeug holen. Anette Prechtl und Sandra Thaler haben ihr Label Elfenkleid direkt nach dem Abschluss am Kolleg für Mode und Bekleidungstechnik in der Wiener Herbststraße gegründet: „Vom Schnittzeichnen und der Fertigung, aber auch vom wirtschaftlichen Teil kriegt man da einiges mit“, sagt Thaler rückblickend, die eine fundierte Ausbildung gerade in Kreativberufen für wichtig hält. Denn: „Wenn man nicht weiß, wie man sie umsetzt, bringt einem die tollste Idee nichts.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2009)

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