Grafiken im Internet: Eine mustergültige Geschäftsidee

14.05.2011 | 18:03 |  von Georgia Meinhart (Die Presse)

Drei Mondseer verkaufen Grafiken im Internet und setzen auf maximale Kundenfreundlichkeit.

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Das Bewusstsein für Muster kam erst mit der Firma: „Sie sind überall, sie gestalten einen großen Teil unserer Umwelt mit, bis hin zum Toilettenpapier. Früher fiel mir das eigentlich gar nicht so auf“, sagt Martin Gadermeier.

Das hat sich inzwischen jedoch radikal geändert: Muster sind für Gadermeier, Geschäftsführer von PatternDesign-Shop.com, inzwischen zum Beruf geworden. Konkret sind es Vektorgrafiken, Dateien aus Linien, Kurven, Kreisen und Polygone, die nicht auf Pixelrastern basieren, also beliebig und ohne Schärfeverlust vergrößert werden können, mit denen er und seine beiden Geschäftspartnerinnen Martina Stadler und Sonja Leitner seit gut einem Jahr ihr Geld verdienen.

In der Themengalerie findet man rund 800 Ornamentgrafiken zu Überbegriffen wie „Eco-Oasis“, „Jungle“, „Miami Beach“, „Fairytales“, „Folkart“, „Nordic Soft“, „Barock“, „Floral“, „Japanisch“, „Art Nouveau“ oder „Schneekristall“.

Die Idee für den Onlineshop entstand zu einer Zeit, als die beiden Grafikerinnen und der Betriebswirt bei einem Sportartikelhersteller beschäftigt waren und in den unterschiedlichen Zugängen zu Webdesign und Textildesign großes Potenzial erkannten. „Wir haben festgestellt, dass die Möglichkeiten, was schnelles, günstiges und zugleich hochwertiges Textildesign betrifft, für die Auftraggeber sehr begrenzt sind – im Unterschied zum Webdesign. Da entstand die Vision, diese Nische zu besetzen und beide Bereiche zu bedienen.“

Die Quintessenz der Geschäftsidee ist maximale Kundenfreundlichkeit. Im Gegensatz zu vielen größeren Konkurrenten liefert Pattern Design seine gesamten Musterdesigns im sogenannten „Rapport“. Das heißt, dass alle Muster(teile) so angelegt sind, dass ihre Enden nahtlos ineinanderfließen: „Ein Kunde von uns braucht also die gekaufte Datei nur auf eine beliebig große Fläche, eine Serviette, ein Bekleidungsstück oder etwa eine Tapete aufzuziehen“, sagt Gadermeier.

Vektorgrafik im Rapport.
Ein Muster ist im Onlineshop mit Sitz in Mondsee ab fünf Euro zu haben, für die Exklusivrechte an einer Vektorgrafik sind bis zu 40 Euro, für Einzelanfertigungen je nach Komplexität des Musters zwischen 400 und 1200 Euro angesetzt.

Für die Käufer – Unternehmen aus der Bekleidungs- oder Heimtextilienbranche, der Papeterie oder Agenturen (Stichwort: Webdesign) – gibt es umfangreiche Möglichkeiten, die Grafik nach ihren Wünschen weiter abzuändern, auf urheberrechtliche Beschränkungen versucht Pattern Design bewusst zu verzichten. Farben können nach Bedarf verändert, Formen dazu- oder weggenommen werden. „Außerdem“, so Gadermeier, „sind unsere Produkte mit der gängigen Software der Kunden kompatibel: Sie können beispielsweise ohne vorher noch extra Programmierarbeit hineinstecken zu müssen, einfach in eine Webmaschine eingespeist werden.“ Bisher sind die Gründer des Start-up-Unternehmens zufrieden: „Den Break–even haben wir zwar noch nicht erreicht, bisher haben wir zwischen 40 und 50 Kunden in unserer Datenbank, aber wir können davon leben, und es entwickelt sich gut.“

Genutzt werden neben diversen Social Media auch traditionelle Messe-Auftritte, etwa auf der in der Branche wichtigen Munich Fabric Start, um bekannter zu werden: „Im April hatten wir 30.000 Zugriffe und 6500 Nutzer. Dafür, dass wir uns in erster Linie an Unternehmen, nicht an Endverbraucher wenden, ist das ganz gut.“

Tapete, Stoff und Notizbuch. Auch Kooperationen wurden zuletzt ausgeweitet. So gibt es etwa eine Zusammenarbeit mit dem in Frankfurt ansässigen Unternehmen Brandbook.de, das im Internet individualisierte Notizbücher verkauft. Auch die „Wallpaper on Demand“-Seite Berlintapete.de hat ihr Sortiment mit den Vektorgrafiken aus Mondsee erweitert.

Interessant ist der Onlineshop auch für kleine Modelabels oder Möbelproduzenten, die sich mit günstigen Lösungen die Möglichkeit zu experimentieren offenhalten. Eine Herstellerin aus Köln hat eine Kleinserie von Sitzkissen mit Mustern bedrucken lassen. „Wir sind offen in alle Richtungen“, sagt Gadermeier: „Auch große Designabteilungen lassen sich durch unsere Kollektion gut ergänzen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2011)

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