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Illustratoren: Verfechter der schönen Linie

18.06.2011 | 18:08 |  von daniel kalt (Die Presse)

Um sich auszutauschen und Wissenstransfer zu erleichtern, finden sich Illustratoren zu Netzwerken zusammen oder veröffentlichen ihre Arbeiten auf gemeinsamen Plattformen.

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Sie sind überall und begegnen uns schon in aller Frühe: Die witzige Zitronenscheibe auf dem Geschirrspülmittel, die appetitlichen Ribiseln auf der Marmelade, das niedliche Tässchen am Kaffeepackerl. Pixel-, Vektor-, handgezeichnete Illustrationen allesamt, dafür gibt es bei dem Betrachter aber nicht zwingend Bewusstsein. „Eines meiner Anliegen war zu zeigen, was wir alles machen – auch um bei den Konsumenten Aha-Erlebnisse auszulösen“, bemerkt dazu Tom Mackinger. Er ist selbst Illustrator und hat 2002 die On-lineplattform AustrianIllustration.com gegründet, die heute 129 „mehr oder weniger aktive“ Mitglieder umfasst: Die Homepage fungiert als Sammlung von Portfolios und als offenes Forum. „Ein anderer Gedanke war, dass wir durch die Plattform auch als Gruppe zueinanderfinden würden. Die meisten von uns arbeiten allein und daheim, da gibt es wenig Austausch.“ Deshalb wurde das Internet um eine analoge Dimension erweitert, und ein Mal im Monat treffen sich Illustratoren verschiedener Sparten zu einer geselligen Stammtischrunde.

„Oft kennt man die Namen der anderen und natürlich ihre Arbeiten, man hat aber kein Gesicht dazu. Durch den Stammtisch verändert sich das“, meint Monika Fauler. Sie ist ebenfalls Illustratorin und außerdem Clustermanagerin der Gruppe „Illustria“, die sich innerhalb von Design Austria im letzten Jahr formierte.

Stammtisch und Cluster. Dazu ist es durch eine 2010 vom Design-Austria-Vorstand initiierte Neukonstitution gekommen, die eine Öffnung vorsah: Aus der Interessensvertretung für Designer mit erbrachtem Befähigungsnachweis ist eine Organisation geworden, die – so Vorstandsmitglied Martin Foessleitner – „nicht nur die Designer, sondern das Design überhaupt“ vertreten soll. Um zugleich sicherzustellen, dass die bereits zuvor zu Design Austria gehörenden 1400 Mitglieder sich weiterhin ordentlich vertreten fühlen, sei die Formierung von „Expert Clusters“ erwünscht. Sie stehen nämlich nur jenen offen, die ihre professionelle Tätigkeit in dem Bereich belegen können. „Diese Cluster“, so Foessleitner, „entstehen aber auf Betreiben unserer Mitglieder, nicht durch den Vorstand. Wo immer Interesse daran besteht, einen Cluster ins Leben zu rufen, ist dies möglich.“

So ist denn auch Illustria entstanden, unter anderem auf Betreiben von Monika Fauler, die wie einige andere Design-Austria-Mitglieder ein organisiertes Auftreten mit ähnlichen Zielsetzungen wie Tom Mackinger bei AustrianIllustration.com anstrebte. „Ein Gedanke war, dass wir die verschiedenen, bereits bestehenden Gruppen auch außerhalb von Design Austria, vereinen wollten. Illustria soll die offizielle Stelle sein, an die sich Illustratoren und Kunden wenden können.“ Man möchte bei offenen Veranstaltungen auch die Illustratorengruppe um Tom Mackinger sowie Kinder- und Jugendbuchillustratoren, die sich seit circa 20Jahren um Winfried Opgenoorth scharen, ansprechen. „Da geht es immer um Informations- und Wissenstransfer“, bemerkt Fauler.

Damit ist durchaus auch Orientierung für Berufseinsteiger gemeint. Andererseits beraten Kollegen einander gegenseitig, weisen zum Beispiel auf die Vorteile einer Registrierung bei der Verwertungsgesellschaft VBK hin. Auch worauf es bei Vereinbarungen mit Agenturen zu achten gilt, meint Fauler, ist Thema: „Oft versuchen Repräsentanten, sich das alleinige Vertretungsrecht auszubedingen. Diese Exklusivität wird aber problematisch, wenn es nicht genug Aufträge für einen Illustrator bei seiner Agentur gibt.“ Da ist Vorsicht allemal besser als Nachsicht.

Menschlichkeit zählt. Eine der Besonderheiten in der Szene ist der hohe Anteil an Autodidakten: „Die Situation in Österreich ist kurios, weil es eigentlich keine Spezialausbildung gibt“, fasst Michael Pleesz zusammen. Als freier Illustrator arbeitet er regelmäßig für den „Spiegel“ in Deutschland und ist bei Illustria Ansprechpartner für Werbe- und Medienillustration. Er nennt dieselben Punkte wie Mackinger und Fauler, wenn man ihn nach den Gründen für sein Engagement befragt: Vernetzung von Illustratoren, Ausbrechen aus der Isolation, Steigerung des Selbstbewusstseins – und Visibilisierung. „Ich sähe gern die Illustration wieder im öffentlichen Bewusstsein verankert. Ein Star wie Joseph Binder kommt aus Österreich, nur weiß das kaum jemand. Im MAK hat es vor ein paar Jahren eine kleine Ausstellung im Kunstblättersaal gegeben, die breite Öffentlichkeit kennt ihn aber nicht.“

Die Designerin, Illustratorin und Künstlerin Nina Levett, ebenfalls engagiert bei Illustria, geht mit ihrer illustrativen Arbeit (mit der sie auch und gerade im Kunstkontext erfolgreich ist) in Richtung des Ornamentalen. „Ich möchte mit meiner Arbeit narrativ sein und bewirken, dass man da wie in eine Geschichte eintauchen kann. Das ist in Österreich aber schwierig – ich könnte mir sogar vorstellen, dass das noch mit Loos und seiner Ornamentskepsis zu tun hat.“ Ungeachtet dessen zeigt sich aber auch Nina Levett begeistert von den Begegnungen und Bekanntschaften, die sich bei den Illu-Stammtischen ergeben haben. Überhaupt identifiziert sie die Menschlichkeit als eines jener Argumente, die Illustration für Kunden speziell attraktiv machen können: „Jede Arbeit trägt so viel von der Persönlichkeit des Kreativen in sich, seine eigene Handschrift – und gerade diese Menschlichkeit wird ja heute wieder verstärkt gesucht.“ Sollte es tatsächlich ein Revival in großem Stil geben – die Szene scheint bestens gerüstet.

Illustria
Der selbst organisierte Expert Cluster gehört zu Design Austria.

AustrianIllustration.com
Die Plattform versammelt Arbeitsproben von Illustratoren.

Illustratoren-Stammtisch
An jedem ersten Donnerstag im Monat, ab 19 Uhr im Ottimo, Gonzagagasse 14, 1010 Wien

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2011)

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