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Feschmarkt: Kreativfestival für Kauffreudige

19.11.2011 | 18:14 |  von Teresa Hammerl (Die Presse)

Als facettenreiche Einkaufserlebnisse mit Platz für viele Kreative erfreuen sich Designmärktewachsender Beliebtheit. Der Wiener Feschmarkt ist ein Paradebeispiel.

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Der urbane Charme ausgedehnter Shoppingtouren, beliebter Topos in amerikanischen Achtzigerjahre-Filmen (Protagonist in wechselnden „crazy“ Outfits vor Umkleidekabine, dazu peppige Musik), erschließt sich geplagten Vorweihnachtskonsumenten mitunter etwas schwerfällig. Überhaupt lassen sich von Spaßkultur Dauerberieselte umso leichter locken, wenn ihnen über die bloße Einkaufsmöglichkeit hinaus ein besonderes Erlebnis geboten wird. Eine temporäre Veranstaltung ist zum Beispiel schon einmal attraktiver als ein schnödes Geschäft, und vorbereitende Social-Media-Aktivitäten oder ein begleitendes Rahmenprogramm verfehlen ebenfalls nicht ihre Wirkung.

Ähnliche Vorüberlegungen dürfte das Vierklee, bestehend aus Barbara Daxböck, Katrin Hofmann, David Kreytenberg und Bernadette Schmatzer, angestellt haben: Sie organisieren den Feschmarkt und bezeichnen sich konsequenterweise selbst als die „Fesch-Crew“.

Ungeahnte Dimensionen. Im letzten Jahr fand der Feschmarkt erstmals statt, nächstes Wochenende geht er in der Ottakringer Brauerei bereits in die dritte Runde. Als Ergänzung zum bestehenden Angebot an Kreativevents sieht man sich ebenso wie als Markt mit Festivalcharakter, der besonders lebendig ist.

Ohne Budget, aber mit umso mehr Ideen, startete die Fesch-Crew das Projekt im letzten Jahr, diesen Sommer kamen bereits 3000 Besucher. Sponsoren und eine Location wurden organisiert, um „eine neue Dimension eines Designmarkts in Österreich zu etablieren”, erzählt Bernadette Schmatzer. Eine breite Produktpalette bestehend aus Grafik, Kunst, Büchern, Mode, Schmuck, Accessoires und Produktdesign haben die Veranstalter ebenso auf den Markt gebracht wie zahlreiche Workshops und eine Lesung mit anschließender Party sowie eine Fotoausstellung in der Dependance im Ragnarhof. Bei der kulinarischen Versorgung achtet man darauf, Junggastronomen vor Ort zu haben, um auch ihnen eine Plattform zu bieten.

Social-Media-fit. Um Breitenwirksamkeit geht es den Feschmarkt-Veranstaltern ebenfalls, auch wenn ihre Kapazitäten nicht unbegrenzt sind: „Es ist oft gar nicht so einfach, dem einen oder anderen Interessenten den Platz zu verwehren”, meint Katrin Hofmann. Also versuchen sich die Veranstalter in einer Mischung aus Kreativen, die bereits bei vergangenen Märkten dabei waren, und Neuzugängen, um den Markt für die Besucher „interessant und frisch zu halten”, so Hofmann.

Bekanntheit hat sich der Feschmarkt unter anderem durch seine regen Aktivitäten auf Facebook verschafft. So wurde auch der Architekt Jörg Volgger auf das Event aufmerksam. Mit seinem Label „The Sitflip“ gestaltet er Skateboards zu Sesseln um. Besonders spannend findet er die starke Präsenz von Do-it-yourself-Produkten am Feschmarkt; das macht ihn zu einer „interessanten und wichtigen Plattform für das eigene Projekt”.

Die niedrige Standgebühr und Einfachheit der Kommunikation mit den Organisatoren des Feschmarkts ermöglicht es offenbar auch einigen Künstlern, erstmals Marktluft zu schnuppern. „Die niedrige Standgebühr spricht mich beim Feschmarkt an”, sagt Vanessa Gürtler. Sie ist mit ihren Wodka-Kreationen aus Waldviertler Dinkel und Tiroler Quellwasser, welche unter dem Namen Wodka Wanessa vertrieben werden, am Markt vertreten. Vanessa Gürtler ist im zweiten Wiener Bezirk zu Hause, lebt mittlerweile von ihrem Label und sieht den Feschmarkt als Chance. „Wenn man auf dem Markt verkauft, lernt man, was die Leute interessiert.” Weiters meint sie, dass es auch Spaß macht, mit Leuten direkt in Kontakt zu kommen, zu hören was ihnen schmeckt, denn „der persönliche Kontakt zeichnet uns aus”.

Für Wodka-Produzenten ist es, im Gegensatz zu Weinbauern, nicht immer üblich, die Kunden kennenzulernen, was Vanessa Gürtler durchaus schade findet. Wodka Wanessa bietet neben sogenannten Fruit Shots – bei denen in Marmeladegläsern Früchte, Nüsse und Kräuter eingelegt werden – vor allem auch Liebe zum Design. Schön gestaltete Wodka-Flaschen oder kleine Täschchen von Modestudentin Teresa Grandits, welche bei ihrem Marktstand erhältlich sein werden, zeichnen die Marke aus. Auf Design achtet Vanessa Gürtler aber auch bei der Verpackung und arbeitet in diesem Bereich ebenfalls mit anderen Künstlern zusammen.


Netzwerken. Natürlich wird beim Feschmarkt und den dort vertretenen siebzig Künstlern, Gezeichnetes nicht zu kurz kommen. Anna Schreger etwa wird einen bunten Mix aus kleinen Objekten sowie Zeichnungen, Siebdrucke und Künstlerbücher mitbringen. Sie war bereits bei der Artmart, dem Vorgänger der Metamart, im Künstlerhaus mit dabei. Auch für Anna Schreger steht neben einer zusätzlichen Verkaufsplattform für ihre Kunstwerke das Netzwerken im Mittelpunkt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2011)

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