In Social-Media-Gefilden zeigen die Menschen gern her, was ihnen gefällt und wichtig ist. Dazu gehören auch sie selbst, und, gar nicht selten, das, was sie anhaben. Unzählige Outfit-Posts auf diversen Blogs legen davon Zeugnis ab; Mitglieder der eingeschworenen Community beäugen einander, kommentieren, was gefällt und was nicht, und holen sich Inspiration von jenen Trendsettern, die durch ihren Webauftritt besondere Bekanntheit erlangen.
Aus dieser Konstellation wollen nun zwei Wiener Internetunternehmer mit ihrer neuen Modeplattform Kapital schlagen: Ende November lancierten sie Drezzer.com, auf der sich Modebewusste austauschen sollen. „Die Grundidee war, den Usern eine Möglichkeit zu bieten, andere Menschen mit Interesse an Mode ihren Stil bewerten zu lassen, ohne dass sie einander persönlich kennen“, fasst Thomas Mayer die Idee zusammen, die er mit seinem Geschäftspartner Thomas Kren Gestalt annehmen ließ.
Funktionieren soll Drezzer wie folgt: Wer Rückmeldungen auf seine Anziehgewohnheiten sucht, registriert sich auf der Plattform zum Beispiel als sportlicher, eleganter oder modischer Typ und beginnt dann, Bilder von sich hochzuladen und die Marken der einzelnen Kleidungsstücke zu taggen. Die Fotos werden dann von anderen Nutzern bewertet (geht es nach Kren und Mayer, soll man so rasch kompetente Hilfe bei Unsicherheit über den richtigen Partylook bekommen). Aus dem eigenen Abstimmungsverhalten errechnet sich umgekehrt mithilfe eines eigens entwickelten Algorithmus der sogenannte „Stylegraph“, der mehr oder weniger als Typerkennungs- und -beratungstool fungiert.
Da es den Drezzer-Gründern freilich um mehr geht als bloß die bestmöglich angezogene Menschheit, sollen auch Einnahmen lukriert werden: „Es soll Werbung auf der Seite geben, die auf userspezifischen Daten beruht und so die richtige Zielgruppe erreicht“, meint Mayer. Außerdem ist angedacht, anonymisierte Daten der Modeindustrie zur Verfügung zu stellen: „Wir sammeln hier wertvolle Informationen für die Branche, die wir für Marketingzwecke aufbereiten wollen.“ Für die Zukunft ist auch angedacht, direkte Anbindung an verschiedene Online-Shops zu gewährleisten. Ob die Plattform von den Nutzern so gut angenommen wird, dass „von unserer Seite in zwei oder drei Jahren ein Exit-Szenario möglich ist“, wie Mayer meint, bleibt abzuwarten. Seit Start von Drezzer haben jedenfalls etwa 3000 Fans auf Facebook ihr Interesse bekundet, 1000 registrierte User gibt es bislang. Es gibt noch Ankleidezimmer zu erobern.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2012)
Kreative machen Zeitung
Grill-Skill Sind Sie ein guter Grillmeister?
Yes we Cannes Die besten Bilder der amfAR-Gala
Life Ball Vorhang auf für die Sozzani-Show
Donna, Gloria, Boney Was wurde aus dem Disco Fever?