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Stoffdruck: Mustergültige Farbtupfer

14.01.2012 | 17:48 |  von Teresa Hammerl (Die Presse)

Nicht erst seit der Do-it-yourself-Welle der letzten Jahre herrscht reges Interesse an Stoffdruck und seinen Spielarten. Mit Mustern ließen sich schon immer gute Geschäfte machen.

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Die aufs Textil gebrachte Kombi aus viel Farbe und fröhlichem Muster – damit begann Anfang der Fünfzigerjahre in Helsinki die Erfolgsgeschichte der finnischen Vorzeigemarke Marimekko. Die Abnehmer der bunten Stoffe waren experimentierfreudige Endverbraucher, die entweder selbst nähten oder die Schneider ihres Vertrauens beauftragten. Aber auch Modehäuser aus anderen Ländern haben sich mit prägnant gemusterten Stoffen einen Namen gemacht, zum Beispiel Pucci mit (w)irr-psychedelischen Strudeln, Burberry mit dem hauseigenen Karo, Versace mit der Medusa oder Etro mit Paisley. Der in jüngerer Vergangenheit beobachtbare Do-it-yourself-Trend hat freilich auch abseits der High Fashion couragierte Mustermixer im Textilbereich auf den Plan gerufen.

Angreifen erwünscht. Im Internet gibt es auffällig bedruckte Stoffe auf diversen Plattformen, etwa Dawanda oder Etsy, zu kaufen. Dort entfällt freilich die Option des haptischen (Vor-)Fühlens. „Stoffe muss man fühlen und vor sich haben“, meint auch Alexandra Vögeli-Rath, die vergangenes Jahr ihr eigenes Geschäft, den Stoffsalon, in der Wiener Westbahnstraße eröffnete, wo sie nun Fundstücke aus Japan, Amerika, Australien, aber auch Dänemark und Schweden führt. „Ich habe eher die bunte, fröhliche Linie“, beschreibt sie ihr Sortiment. Selbst bedrucken kann Vögeli-Rath große Stoffmengen allerdings nicht, ihr fehlt schlicht der für den Stoffdruck benötigte Platz. Dafür bietet sie Nähworkshops an, die handwerklich unbeleckten Stoffeinkäufern die Grundzüge des Schneiderns vermitteln sollen.

Einen dieser Workshops leitet die Grafikerin Ingrid Glashüttner, die sich mit ihrem Label „Paintbox“ selbst dem Stoffdruck zugewandt hat. Sie bedruckt zuerst eine Bügelfolie und bringt diese dann auf Materialien wie Wollfilz, den sie zum Beispiel auf Accessoires appliziert. „Ich möchte die Kenntnisse, die ich habe, weitergeben“, erklärt Glashüttner ihre Motivation. „Ich habe immer schon gerne etwas selbst gemacht.“ So hat sich die Designerin vieles vor allem durch „Erfahrung und Recherche“ beigebracht. In ihrem eigenen Onlineshop verkauft sie neben Taschen auch Polster und zahlreiche Accessoires – und: „Alle Motive sind selbst entworfen.“ Mit ihren Produkten ist sie auch immer wieder auf unterschiedlichen Märkten in Wien anzutreffen.

So viel Stoff muss sein. Ebenfalls zu Gast auf einem Designmarkt war unlängst Tamara Jasmin Drabek, die sich mit ihrem Geschäft Giraffenland selbstständig gemacht hat. Die Ernährungswissenschaftlerin und Stoffshop-Betreiberin fährt auch auf Messen, um sich über die neuesten Stoffe zu informieren. Für sie hat der Digitaldruck völlig neue Möglichkeiten eröffnet, um Muster und Farben detailgenau auf Stoffe zu bringen. Bereits jetzt designt Drabek selbst Webbänder, künftig will sie verstärkt Kundenwünsche mit einbeziehen, wenn sie Giraffenland- Stoffe mit Mustern bedrucken lässt. Für den Weiterverkauf zu hohe Produktionskosten oder teils große Mindestabnahmemengen müssen bei der Suche nach der passenden Stoffdruckerei aber stets berücksichtigt werden, erläutert sie.

Ohnehin sind Mindestabnahmemengen gerade für kleinere Stoffhandlungen ein entscheidendes Thema. Schwierig ist dies vor allem bei Bekleidungsstoffen, weiß auch Alexandra Vögeli-Rath vom Stoffsalon. Deshalb findet man in vielen Geschäften Patchworkstoffe, die aber „mittlerweile auch für Kleidung und Wohnaccessoires verwendet werden“, auch wenn sie wegen der geringeren Stoffbreite (1,10 Meter gegenüber 1,40 Metern bei Kleiderstoffen) für das Auflegen von Standardschnittmustern ungeeignet sind. Die Abnahmemengen sind von Händler zu Händler verschieden. Ebenso wichtig ist beim Handel mit Stoffen aber die Frage, auf welche Kriterien beim etwaigen Bezug von Bioprodukten geachtet werden soll. Hier nennt Vögeli-Rath das Gots-Zertifikat, das für den Global Organic Textile Standard steht und kontrolliert biologische Textilien garantiert.

Die Lehre vom Druck. Wer es genauer wissen und sich näher mit dem Thema auseinandersetzen will, kann zwischen verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten, die sich mit Stoffdruck beschäftigen, wählen. So steht etwa den Studierenden der Universität für angewandte Kunst fächerübergreifend eine Druckwerkstatt zur Verfügung. Auch in Modeschulen besteht die Möglichkeit, mit Druckverfahren zu arbeiten. An der Modeschule der Stadt Wien in Hetzendorf ist Textildruck ebenso Teil der Ausbildung wie in der Herbststraße. Das dort ansässige Kolleg absolvierte die junge Designerin Rhea Schmid. Sie beschäftigte sich mit verschiedenen Techniken und spezialisierte sich schließlich auf Drucke.

Bei ihrer Abschlusskollektion „Herzbruch“ wandte Schmid Siebdruck an, indem sie etwa zuerst auf Stoffe Schriftzüge druckte und diese anschließend zu Kleidungsstücken verarbeitete. Sie erklärt, dass Siebdruck keinesfalls „nur die ganz normale schwarze Farbe“ sein muss. Spannend wird „es bei Farben, die sich aufplustern, wenn man sie mit Hitze fixiert.“ So kann auch Hell auf Dunkel gedruckt werden. Zum Entstehen neuer Stoffgeschäfte meint sie: „Den Trend gibt es in Berlin und der kommt nun auch zu uns.“ Dabei seien im Moment „sehr bunte, fröhliche und teils auch naive Drucke gefragt. Mein Stil ist es nicht ganz, ich bin da eher schlichter. Aber das ist eine Geschmacksfrage!“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2012)

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