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Designpädagogik

03.10.2009 | 18:41 |  von James Skone (Die Presse)

Schülerinnen und Schüler versetzen sich in die Rolle von Designern. Welche Bedeutung hat das für die Bildung?

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"All men are designers." Versteht man das legendäre Zitat des Designers Victor Papanek als Bildungsauftrag, dann ist es eine Aufforderung an unsere Schülerinnen und Schüler, die Welt in einer neuen Perspektive wahrzunehmen und konventionelle Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen. Die von uns gestalteten Dinge, Bauten und die Umwelt sind Spiegelbild eines Moments in der Entwicklung unserer Kultur. Design ist daher mehr als nur die schöne Form, es repräsentiert die soziokulturellen, technologischen, geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen dieses Zeitpunktes. Anwenderorientiertes Design beschäftigt sich mit der Gestaltung unserer Welt in ihrer ganzen Komplexität und Funktionalität – im Gegensatz zur noch immer vorherrschenden Meinung, dass Design nur ästhetisierendes Marketingwerkzeug sei. Daher stellt sich im EU-Jahr der Kreativität zwangsläufig die Frage, welches Potenzial diese Arbeitsweise in der Schulbildung hätte.

Warum sollten nicht Dinge wie Handy oder mp3-Player, mit denen sich Kinder und Jugendliche gern beschäftigen, dazu dienen, um herauszufinden, welche Aufgaben diese (scheinbar) erfüllen, und ob sie diesen auch gerecht werden (bzw. warum wir meinen, diese Dinge zu brauchen). Basierend auf diesen Erkenntnissen könnten dann neue, bessere Ideen entwickelt werden. Wichtig wäre eine solche Herangehensweise aus zwei Gründen: Einerseits, weil dieses sich forschend-schöpferische Nähern an Fragen unserer täglichen Produktwelt Ähnlichkeiten mit Arbeitsmethoden in der qualitativen Forschung aufweist und daher „transferierbar“ ist. Anderseits ist Forschen, Entdecken, Erfinden und Gestalten einfach „geil“, und man sollte dieses Lustgefühl einmal erlebt haben. Immerhin beginnt Design, als Unterrichtsfach an einigen österreichischen Schulen als Weiterentwicklung der Fächer Werkerziehung und textiles Gestalten wahrgenommen zu werden. Dabei übernehmen Tirol und Salzburg die Vorreiterrolle, wo ab dem heurigen Schuljahr ein Schulversuch mit Design an elf Haupt- und Neuen Mittelschulen durchgeführt wird. Das sind erste Schritte zur Demokratisierung einer mythologisierten Fähigkeit, die bloß scheinbar ausschließlich genialen Autoren innewohnt.

James Skone ist mehrfach ausgezeichneter Industrial Designer. Er leitet die Abteilung für Kunstpädagogik an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2009)

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