Die Schleusen sind offen

29.01.2011 | 18:14 |  von Rainer Praschak (Die Presse)

Hörer diktieren heute gängige Formen des Musikkonsums. Darauf müssen sich Start-ups einstellen.

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Die Midem ist die weltgrößte Musikmesse und findet seit über 30 Jahren in Cannes statt. Traditionell dient sie als Gradmesser, auf welchem Stand sich die Musikbranche befindet, welche Trends anstehen und welche Fragen es zu klären gibt.

Ein Trend der letzten Jahre hat sich auf jeden Fall fortgesetzt – wieder gab es einen Besucherrückgang zu melden. Kennzeichnend ist auch, dass die Messebesucher schon zu einem Drittel aus Technologiefirmen und einem Drittel aus Verlagen bestehen.

Auch bei der angeschlossenen Konferenz wurde vor allem über Urheberrechtsthemen, Territorialprobleme, den mobilen Musikmarkt und Direct-to-Fan-Marketing diskutiert. Viele der großen Labels sind auf der Messe kaum mehr auszumachen – wie jedes Jahr wurde zwar auch heuer wieder eine Weltneuheit mit Riesenbannern angekündigt (Qriocity von Sony), meist waren aber die Neuheiten mit den größten Plakaten auch die, die am schnellsten wieder verschwunden sind.

Die klassische Musikbranche hat früher diktiert, wie Musik konsumiert wurde, jetzt macht das der Hörer. Noch vor wenigen Jahren war es schwierig, Musik in den Handel und in die Medien zu bekommen, weil wenige Gatekeeper die Schleusen kontrolliert haben. Jetzt sind die Tore offen, aber es ist schwer, die Fans zu erreichen. Deshalb spielen soziale Netzwerke auch in der Musikindustrie 2011 eine zentrale Rolle, und viele Start-up-Firmen überlegen sich genau, wie man diese Aufmerksamkeit auch in Geld verwandeln kann.

Zunehmend wird dabei nicht allein für den musikalischen Inhalt, sondern das Service und die einfache und rasche Verfügbarkeit gezahlt. Die Wachstumsrate der bezahlten Musikdownloads hat sich verlangsamt, Subscriptionservices stecken in einer Nische fest, und Mobile Music befindet sich noch in den Startlöchern.

Wie wird sich die Musikbranche weiterentwickeln? Auch als Musikliebhaber und Konsument sollte man sich die Frage stellen, wie man in Zukunft Musik konsumieren möchte – die Services werden sich noch viel stärker als früher auf die Nutzer einstellen.

Rainer Praschak ist Fachreferent für Musikbusiness und Projektmanager bei music Austria, dem professionellen Partner von Musikschaffenden in Österreich. Außerdem ist er Clubveranstalter und als DJ Rainer Klang bekannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2011)

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