Je reifer, desto begehrter Stars und ihr später Erfolg

von Köksal Baltaci (Die Presse)

Jugendlicher Charme ist in Hollywood sicher von Vorteil. Dass es auch anders geht, beweisen Stars wie Anthony Hopkins und Helen Mirren, die ihren Durchbruch erst spät feierten.

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Was treibt Hollywood-Star Samuel L. Jackson dazu, in den vergangenen zwei Jahrzehnten durchschnittlich vier bis fünf Filme pro Jahr zu drehen, während andere Schauspieler seines Kalibers nicht mehr als zwei Rollen annehmen? Auf diese Frage einer Journalistin antwortete der 64-Jährige einst: „Nun, ich hatte das, was man einen Durchbruch nennt, relativ spät. Daher koste ich das jetzt umso intensiver aus.“

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Tatsächlich war Jackson bereits 46, als er 1994 mit seiner Performance in Quentin Tarantinos Kultfilm „Pulp Fiction“ – er spielte einen Gangster in einer Sinnkrise – weltweit berühmt wurde. Seither kann er sich seine Rollen aussuchen und wirkt in aufwendigen Blockbustern wie der „Star Wars“-Reihe ebenso mit wie in kleineren Arthouse-Filmen wie „Mütter und Töchter“ und „Black Snake Moan“.


Geiselnehmer mit Gewissen. Jackson ist nicht der einzige Spätzünder in Hollywood. Auch Ed Harris musste 46 werden, bevor er 1996 mit „The Rock – Fels der Entscheidung“ zum Star wurde. Seine Darstellung eines Geiselnehmers und Erpressers mit Gewissen begeisterte Kritiker und Publikum gleichermaßen. Bis heute zählt der 62-Jährige zu den gefragtesten Charakterdarstellern der Traumfabrik. Zuletzt war er in dem Thriller „Ein riskanter Plan“ (2012) zu sehen.

Noch länger hat es bei Anthony Hopkins gedauert. Als er die Rolle des Kannibalen Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ (1991) angeboten bekam, war er 54. Seine herausragende Leistung brachte ihm einen Oscar als bester Hauptdarsteller ein. 2001 spielte er in der Fortsetzung „Hannibal“ und 2002 in dem Prequel (Vorgeschichte) „Roter Drache“ mit. Demnächst kommt der 75-Jährige als Alfred Hitchcock in dem gleichnamigen Film ins Kino.

Auch bei den Frauen gibt es eine Reihe von Beispielen, denen der Durchbruch erst relativ spät gelang. Joan Allen etwa konnte sich in Hollywood erst mit 44 etablieren – mit dem Drama „Rufmord – Jenseits der Moral“ (2000) an der Seite von Jeff Bridges. Darin mimte sie eine Politikerin, die mitten im Wahlkampf mit einer Schmutzkübelkampagne gegen sie fertig werden muss. Seit ihrem Oscar als beste Hauptdarstellerin ist die 56-Jährige nach wie vor dick im Geschäft und spielt in Großproduktionen wie beispielsweise der „Bourne“-Reihe mit.


Mirren: Oscar mit 61. Helen Mirren war sogar schon 58, als sie 2003 mit der Komödie „Kalender Girls“ internationale Beachtung fand. Der ganz große Erfolg gelang ihr drei Jahre später mit der Verkörperung der Königin Elisabeth II. in „The Queen“, für die sie mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Seither ist die 67-Jährige für die wichtigen Filmproduzenten der Welt eine „Leading Lady“.

Prominentestes österreichisches Beispiel für einen späten Erfolg ist Schauspieler Christoph Walz, der bei der Oscar-Verleihung in der Nacht auf Montag zum zweiten Mal als bester Nebendarsteller nominiert ist – für seine Leistung in Tarantinos „Django Unchained“. Bereits 2010 – mit 53 – bekam er für seine Rolle in „Inglourious Basterds“ (ebenfalls Tarantino) einen „Academy Award“ in dieser Kategorie – was ihm die Türen zu hoch budgetierten Filmen wie „The Green Hornet“, „Wasser für die Elefanten“ und „Der Gott des Gemetzels“ öffnete. Erst kürzlich beklagte Kevin Costner, dass er sich Waltz für seinen neuen Film nicht leisten könne.

Auch Billy Crystal war 41, bevor er mit der Liebeskomödie „Harry und Sally“ (1989) bekannt wurde. Zwei Jahre älter war Steve Carell, als er mit dem Welthit „Jungfrau (40), männlich, sucht...“ (2005) Superstarstatus erlangte. 2000 bekam Michael Clarke Duncan mit seiner Darbietung eines zum Tode verurteilten Mannes in „The Green Mile“ eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller – sein Durchbruch mit 42. Bis zuletzt war Duncan ein gefragter Schauspieler – im September vergangenen Jahres starb er an den Folgen eines Herzinfarkts.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2013)

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