Ihr Leben dreht sich um Mode. Sie war Designerin, betreibt einen der einflussreichsten Modeblogs der Welt, dreht Modefilme. Und doch, Diane Pernet trägt stets das Gleiche: Plateauschuhe, lange Röcke, lange Blusen, ein Kunstwerk aus getürmten Haaren, Spangen und Schleiern auf dem Kopf, Sonnenbrillen. Alles in Schwarz, bis auf den Silberschmuck und die knallroten Lippen. Düster erscheint die zierliche ältere Dame, die Blicke in der Lobby des Wiener Le Méridien sind ihr sicher.
„Aber ja!“, sagt sie auf die Frage, ob sie sich denn jeden Tag so aufputzt und lacht. „Sogar, wenn ich nur schnell in den Supermarkt gehe!“ Außerdem brauche sie ja nur eine halbe Stunde. „Ich frag mich ja nicht: Was ziehe ich heute an? Mein Schrank ist ja nur voll von schwarzen Röcken und Oberteilen“, sagt sie mit ihrer tiefen, verraucht flüsternden Stimme. Lachen.
Weiß wäre oft zu mühsam, Rot zu auffällig, also Schwarz. „Irgendwann in den 1990ern dachte ich, es wäre besser, immer eine Uniform zu tragen, um keine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken.“ Binnen eines Jahres war ihr „Shaded Look“ komplett. „A Shaded View on Fashion“, so heißt auch ihr Modeblog. „Eine doppelte Bedeutung: Zum einen, weil das meine Sicht ist, durch die Sonnenbrille (engl. Shades, Anm.), zum anderen, mein Styling (shaded als schattiert, schraffiert, Anm.)“, erklärt sie. Die munteren, schwarz umrandeten Augen wandern hinter den Shades, den Brillengläsern.
Längst ist dieses Auftreten ihr Markenzeichen. Es hat sie zu einer Ikone der Modewelt gemacht, einer unkonventionellen Gestalt, die das Geschehen zwischen Designateliers, Laufstegen und Showrooms seit Jahrzehnten beobachtet und kommentiert. 13 Jahre lang war die Amerikanerin selbst Designerin, vor allem im New York der 1980er-Jahre, sie hat für „Vogue“, „Elle“, „Joyce“ oder das „Zoo Magazine“gearbeitet, betreibt ihren Blog und kuratiert Ausstellungen, Mode- und Filmfestivals rund um die Welt. Ihre Kreativität lebt Pernet, die nun in Paris lebt, heute u.a. in Modefilmen aus. Gestern, Freitag, hat sie im Wiener Museumsquartier als Stargast das Filmfestival frame[o]ut mit dem Schwerpunkt „Mode und Film“ eröffnet.
„Modeschauen kennen wir jetzt schon seit ewig. Filme sind ein neuer Weg, Mode zu präsentieren.“ Sie geben jungen Designern die Möglichkeit, ihre Werke zu zeigen, sind nicht an exklusive Orte und ein kleines Publikum gebunden wie die Laufstegshows.
Wenn auch kein ganz neuer Weg. „Modefilme gibt es schon lange, aber seit zwei Jahren explodiert das Genre.“ Pernet hat schon vor zwölf Jahren begonnen, Modefilme zu drehen und ins Netz zu stellen. Nicht ihre erste Pionierarbeit. Ihren Mode-Blog hatte sie 2005 gestartet, als einen der ersten drei Modeblogs der Welt, und Handyfotos und -videos ins Netz gestellt, lange bevor Millionen ähnlicher Blogs sprossen. „Das Internet nimmt den Menschen die Angst vor Mode.“ Blogs geben Orientierung, Inspiration. „Viele fürchten danebenzugreifen, nicht das Richtige zu nehmen, dabei sollte Mode doch Vergnügen bereiten!“
Das Internet und die Ketten H&M, Topshop, Zara sagt sie, hätten die Mode massiv beeinflusst, demokratisiert. „Es macht Mode zu einem Teil des Lebens von jedem.“ Was wir täglich tragen, was man auf den Straßen sieht, hat sich verändert. Mode ist nicht mehr einer Elite vorbehalten, auch die Shows haben ihre Exklusivität verloren, seit sie live im Netz zu sehen sind.
Das Netz, sagt sie, öffne Horizonte, junge Designer können sich dort global präsentieren. „Jeder kann alles machen.“ Obwohl Innovationen rar sind, ist sie noch immer, nach Jahrzehnten in der Modewelt, von Designern und Labels beeindruckt: von Boudicca oder Raf Simons etwa. Designs mit einzigartiger Handschrift. Auch, wenn sie deren Kreationen vermutlich nicht tragen wird. Außer, sie sind schwarz.
Diane Pernet ist Bloggerin, Designerin, Filmemacherin und Modejournalistin. In den 1980er-Jahren war sie selbst in New York als Designerin aktiv. Seit 2005 betreibt sie ihren Blog www.ashadedviewonfashion.com, einen der einflussreichsten Modeblogs. Gestern, Freitag, war Pernet, die heute in Paris lebt, in Wien zu Gast. Sie hat das Filmfestival frame[o]ut im MQ eröffnet und unter dem Titel „A Shaded View on Fashion Film“ zwei weitere Filmprogramme kuratiert, die im Juli und August im MQ zu sehen sind.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2012)
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